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Colisa (Trichogaster) lalia, der Zwergfadenfisch

©  Dr. Jörg Vierke

Herkunft:

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Zwergfadenfisch-Männchen Colisa (Trichogaster) lalia unter seinem aus Schaumblasen und Pflanzenteilen gebauten Schwimmnest.

Zwergfadenfische sind in den Tiefländern der großen indischen Ströme beheimatet. Im Westen leben sie im Bereich des Indus, in Sind und im Pandschab. In Nordindien und im Osten besiedeln sie die großen Ebenen um die Flüsse Jumna, Ganges und Brahmaputra. Im Bereich des gemeinsamen Ganges- und Brahmaputra-Deltas sind sie häufig.

Während der Trockenzeit leben die Fische in schwarmähnlichen Verbänden im tiefen Wasser der Flüsse und Kanäle. Mit dem Einsetzen der sommerlichen Monsunregen und den damit hervorgerufenen Überschwemmungen besiedeln die Zwergfadenfische wie auch die anderen Colisa-Arten die nun bereitstehenden und sich schnell stark erwärmenden Flachwasserzonen, um dort zwischen Halmen ihre Nester zu errichten. Die durch die Regenfälle neu geschaffenen Biotope sind Heuaufgüsse im Großformat. Sie geben daher einer Vielzahl von Einzellern ausgezeichnete Entwicklungs- und Vermehrungsbedingungen. Die Einzeller wiederum dienen den Colisa-Larven als erste Nahrung.

Über das Vorkommen der Fadenfische in Assam gibt es ziemlich genaue Berichte. Man trifft dort Zwergfadenfische wie auch ihre nahen Verwandten Colisa fasciata und C. chuna in großen Mengen an. Sie brüten in schwach getrübtem Süßwasser im Bereich von 6,8 bis 8.5 pH und bei 1,4 bis 2,8 dGH. Die Brutperiode erstreckt sich gewöhnlich über die Monate April bis Oktober in Abhängigkeit von der Wassertemperatur (Optimum zwischen 24.5 bis 26° C!). Die Schaumnester werden bevorzugt im Flachwasser zwischen Unterwasserpflanzen (Vallisneria spiralis, Hydrilla venticillata und andere Arten) angelegt. Zum Nestbau in tieferem Wasser lehnen sie sich an höhere Schwimmpflanzen wie Salvinia, Pistia, Lemna, Azolla u. dergleichen an. Die Colisa-Arten leben und brüten auch häufig in Gewässern, die mit der Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) bedeckt sind. Dann finden sie in den dichten Wurzelbüscheln der Pflanzen Schutz.

Anmerkung: Die animierten Fotos laufen bei langsamen Computern zunächst nur in Zeitlupe. Meistens gibt sich das nach einiger Zeit. - Zur Information: Es gibt vier animierte Bilder auf dieser Seite!

Nur selten trifft man die Fadenfische in Gewässern an, in denen Unterwasserpflanzen fehlen. Dann ist aber zumindest Pflanzenmaterial von Überwasserpflanzen im Wasser. Aufgrund seiner Häufigkeit ist der Zwergfadenfisch in Assam und einigen anderen Teilen Indiens ein wichtiger Nutzfisch, auch wenn das Fleisch nicht als besonders wertvoll angesehen wird. Wegen seiner geringen Größe kommt die Art allerdings in erster Linie als Trockenfisch oder in der Form von Fischmehl auf die örtlichen Fischmärkte.

Ein kurzer Hinweis zum Gattungsnamen: Einige Autoren benutzen statt Colisa die Bezeichnung Trichogaster.

Aussehen:

Bei uns gehört der Zwergfadenfisch zu den beliebtesten Aquarienfischen - zweifellos zu Recht!

Die Männchen gehören schon in ihrer Normalfärbung zu den schönsten Zierfischen, erst recht im Prachtkleid, wenn alle Farben verstärkt sind. Die Kehle und die Brust sind tiefblau. Am Körper wechseln ziemlich regelmäßige hellblau glänzende und kräftig rote, schräg nach hinten ziehende Querstreifen ab. Die unpaaren Flossen sind blau und rot gefleckt; das Auge leuchtet rot.

Die kleineren Weibchen sind viel unscheinbarer gefärbt, doch ist auch bei ihnen eine dunkle Querstreifung zu erkennen. An der Schwanzwurzel haben sie zumeist einen dunklen Fleck. Ihre Rückenflosse ist im Gegensatz zu der deutlich ausgezogenen, zugespitzten Dorsale des Männchens kurz und abgerundet.

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Regenbogen-Lalius, eine Zuchtform des Zwergfadenfisches

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Männchen der blauen Zuchtform von Colisa lalia
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Männchen der roten Zuchtform von Colisa lalia

Die meisten unserer Zwergfadenfische stammen aus Großzüchtereien. Kein Wunder, dass zwischenzeitlich eine ganze Reihe von Zuchtformen mit den entsprechenden Phantasienamen auf dem Markt sind: Lalias mit verstärkten Farben (Neonlalias), einfarbig blaue und einfarbig rote Zuchtformen. Die meines Erachtens schönste Zuchtform ist der sogenannte Regenbogen-Lalia: Die Männchen sind am Körper flächig rot gefärbt, haben aber auch noch flächige Blauanteile, besonders im Kopfbereich (vgl. Foto links!).

 

Haltung:

Die Fische sehen nicht nur phantastisch aus, sie sind auch in der Haltung und für den Kenner auch in der Zucht nicht schwer. Zudem sind sie vom Verhalten her außerordentlich interessant: Sie bauen von allen Labyrinthfischen die sorgfältigsten Nester, sie können sich wie Schützenfische mit gezielt ausgespuckten Wassertropfen Beutetiere ins Wasser spülen, und gelegentlich geben sie deutlich hörbare Geräusche von sich.

Man kann die Fische durchaus gut in nicht zu spärlich bepflanzten Gesellschaftsaquarien unterbringen. Wenn die Männchen Brutpflege betreiben, verteidigen sie ihr Revier selbst gegen ausgewachsene Segelflosser (Pterophyllum scalare) nachhaltig und erfolgreich. Wirklichen Schaden richten sie dabei nicht an.

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Lalia-Weibchen sind dezenter gefärbt und bleiben kleiner als die Männchen.

Noch schöner ist es, wenn man in einem größeren Becken mehrere Tiere hält. Es empfiehlt sich, auf zwei Männchen drei Weibchen oder auf drei Männchen vier bis fünf Weibchen zu nehmen. Die munteren Männchen sind dann ständig in kleine, harmlose Grenzplänkeleien verwickelt und versuchen, sich gegenseitig das Nistmaterial aus ihren Nestern zu stehlen. Die Weibchen können ihren stärkeren Männchen gegenüber manchmal regelrecht frech sein, wenn sie die Möglichkeit haben, nötigenfalls schnell im Pflanzendickicht oder hinter Steinen Zuflucht zu finden.

Die Haltung der Zwergfadenfische ist nicht sonderlich schwer. Die Temperaturen sollten bei 25 bis 30° C liegen. Es empfiehlt sich, ihnen zur Gesellschaft einige Lebendgebärende beizugeben. Sie beleben die unteren Bodenregionen und geben den manchmal etwas scheuen und schreckhaften Colisa-Arten das Gefühl von Sicherheit.

Leider werden die Zwergfadenfische kaum älter als eineinhalb Jahre. Man kann den natürlichen Alterstod zwar durch eine Haltung bei niederen Temperaturen herauszögern, doch dann zeigen die Fische nie recht ihre ganze Pracht. Sie sind eben echte Saisonfische. Beim Kauf achte man darauf, keine Tiere mit abgerundetem Maulprofil zu bekommen. Sie sind schon alt. Auch Zwergfadenfische mit eingebeulter Kopflinie sollte man nicht kaufen. Sie sind nicht krank, aber unschön. Die "Knickköpfigkeit" ist eine Missbildung aufgrund von Aufzuchtfehlern.

 

Zucht und Balzverhalten

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Colisa lalia-Männchen erzeugt Schaumblasen für das Nest

Häufig laichen die Colisa lalia schon im Gesellschaftsaquarium ab. Dann genügt es, das Schaumnest mit den Eiern herauszuschöpfen. Der Laich entwickelt sich auch bei Abwesenheit des brutpflegenden Vaters sehr gut. Die nach drei bis vier Tagen freischwimmenden Larven sind sofort mit Einzellern und Rädertierchen zu ernähren, erst nach etwa einer Woche nehmen sie frischgeschlüpfte Artemien.

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Balzschwimmendes Männchen (unterer Fisch).

Das C. lalia-Nest ist sicher eines der kunstvollsten Fischnester. Es wird unter reichlicher Ver-wendung von Schaum und den verschiedensten Pflanzenteilen errichtet. Meist ist es kreisrund, mit einem Durchmesser von 5 bis 6 cm. Im typischen Fall ragt es kuppelförmig etwa einen Zentimeter über die Wasserfläche empor und reicht bis zu 2 cm darunter. – Bei einigen Zuchtformen kann man gelegentlich beobachten, dass Männchen nicht mehr in der Lage sind, die arttypischen Pflanzennester zu bauen. Diese Instinktlücken sind Ergebnis mangelnder bzw. einseitiger Auslese bei der Kunstaufzucht.

Im Freiwasser haben die Weibchen die Gelegenheit, sich ihr Männchen auszusuchen und sicher verteilen sie dann ihre Laichgabe auf mehrere Partner. Das Auswählen kann man im Aquarium natürlich nur selten beobachten. Der Film  führt das jedoch eindrucksvoll vor. Das Weibchen schwimmt vor dem eigentlichen Ablaichen prüfend unter das Schaumnest.

Während dieser Begutachtung kreist das Männchen minutenlang unter dem Weibchen und zeigt dabei mit voll gespreizten Flossen seine schönsten Farben. Bei diesem Kreiseln legt es sich voll auf die Seite. Nur so kann das über ihm stehende Weibchen seine Farben deutlich erkennen. Das Weibchen hat also zwei Auswahlkriterien: Sie betreffen 1. den Zustand des Nestes und 2. Aussehen und Verhalten des Männchens.

Bei dem gerade beschriebenen Verhalten merke ich deutlich, dass weder die Beschreibung noch das beigefügte Foto auch nur ansatzweise eine Vorstellung von dem gibt, was da wirklich abläuft. Das gilt auch für andere Phasen des Fortpflanzungsverhaltens! Man muss das selbst mal gesehen haben, entweder vor dem Aquarium oder im Film vor dem Monitor!

Unter den eingeschränkten Bedingungen des Zuchtaquariums hat das Weibchen natürlich diese Wahlmöglichkeit nicht. Als Züchter müssen wir dem Weibchen gute Zufluchtorte anbieten, möglichst auch im Bereich der Wasseroberfläche, denn als Labyrinthfische müssen die Fische regelmäßig zum Luftholen nach oben kommen.

Die Wasserwerte sind auch für die Zucht wenig entscheidend. Auf Wasserbewegung sollte man allerdings möglichst verzichten, also kein Filter! Die Temperatur kann zwischen 25 und 30° C liegen. Anfüttern mit Lebendfutter ist ratsam, aber nicht zwingend notwendig.

 

Paarungsverhalten

Wenn die Männchen versuchen ihre Weibchen zum Nest zu führen, schwimmen sie ihnen entgegen, spreizen in Breitseitsstellung ihre Flossen und schwimmen wieder zum Nest zurück. Beim Zurückschwimmen legen sie manchmal wiederholt kurze Schwimmpausen mit Breitseitsimponieren ein. Dieses Führungsschwimmen ist unter Aquarienverhältnissen oft unnötig, denn das laichreife Weibchen erscheint zumeist von sich aus am Nest. Gewöhnlich schwimmt es zügig und mit etwas nach unten gesenktem Vorderkörper in das Revier des Männchens.

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Ein unter seinem Schaumnest stehendes Männchen hat sein Weibchen herbeigelockt. Deutlich erkennt man ihren laichprallen Leib. Mit einem zarten Biß gibt sie ihm ihre Laichbereitschaft zu erkennen und schwimmt ihm quer in die Flanke. Jetzt umschlingt das Zwergfadenfisch-Männchen seine Partnerin. Dieselbe Szene aus einem anderen Blickwinkel.

Fast immer wird das Männchen im rechten Winkel von unten angeschwommen. In dieser Phase zeigt das Weibchen daher eine Kopf-oben-Position. Auch das Männchen hat jetzt gewöhnlich eine Kopf-oben-Stellung eingenommen, trägt die Flossen oft aber noch weitgespreizt. Am Anfang einer Laichphase legt es die Flossen erst an, nachdem es vom Weibchen durch Bisse in die Schwanzgegend oder in die Afterflosse besänftigt wurde. Dann drängt sich das Weibchen, mit jetzt seinerseits gefalteten Rücken- und oft auch Afterflossen, in die Seite des Männchens. Dieser Berührungsreiz löst die Umschlingungsreaktion des Männchens aus. Das eng umschlungene Paar verharrt mehrere Sekunden in der ursprünglichen Stellung. Dann ändert das Paar, von wenigen Flossenschlägen des Männchens angetrieben, und ohne dass die Umschlingung gelockert wird, die Lage, so dass die Urogenitalöffnungen direkt nach oben zum Schaumnest weisen. In dieser Lage werden die Geschlechtsprodukte ausgestoßen.

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In diesem Moment werden die Laichprodukte abgegeben und das Paar trennt sich. Der Laich steigt nach oben unter das Schaumnest.

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Das Männchen verwirbelt mit den Brustflossen feinste Luftperlen, die es aus der Kiemenöffnung entlassen hat.

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Colisa lalia: Der Laichvorgang

Die glasklaren kleinen Eier sind leichter als Wasser und steigen sofort zum Schaumnest hoch. Sekundenbruchteile später löst sich das Paar. Das Weibchen verlässt sofort das Revier des Männchens, andernfalls wird es energisch weggebissen. Der Vater beginnt nun, abgetriebene Eier mit dem Maul aufzuschnappen und ins Nest zu bringen.

Jetzt entlässt das Männchen oft einen ganzen Schwall winzigster Luftperlen aus seiner Kiemenöffnung. Die Bläschen steigen natürlich sofort nach oben, werden aber durch heftiges Wedeln mit den Brustflossen noch verwirbelt. Sie helfen mit, das Nest zu stabilisieren.

Wenige Minuten später wiederholt sich ein derartiger Laichakt. Pro Laichakt werden etwa 10 bis 50 Eier abgegeben. Alles in allem kommen pro Laichphase etwa 300 bis 700 Eier zusammen.

 

Aufzucht

Sofort nach Beendigung der Laichphase verblaßt der Vater fast völlig und übernimmt die Versorgung des Laichs. Er bettet die Laichkörner in die Blasen des Schaumnestes und schichtet sie immer wieder um. Tiere, die sich dem Nest nähern, werden heftig angedroht und angegriffen, jetzt auch das eigene Weibchen! Es ist kein Fall bekannt geworden, daß sich Colisa lalia-Weibchen in irgendeiner Weise an der Brutpflege beteiligt hätten. Würde das Männchen den Laich nicht verteidigen, dann würden die Mütter sich nun über die eigene Brut hermachen!

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Nur sehr selten zu sehen: Ein Colisa lalia x labiosa Bastard. Diese Mischlinge haben die schönen blauen Farben der Zwergfadenfische und die verlängerte Rückenflosse der C. labiosa. Sie sind jedoch unfruchtbar.

Aus den Eiern entwickeln sich bei 27° C schon nach etwa 24 Stunden Larven, die etwa drei Tage nach dem Schlupf beginnen, das Nest zu verlassen. Etwa einen Tag sucht der Vater die Jungfische im Nest zu halten und bereits entwichene Junge aufzusammeln und wieder zurückzutragen. Dann erlischt sein Interesse an der Brut. Oft, aber keineswegs immer, werden die kleinen Jungfischchen nun vom Vater als Beuteobjekte angesehen. Zur Aufzucht der Jungen werden zunächst kleinste Aufgußtierchen (Infusorien) gebraucht, später frischgeschlüpfte Salzkrebschen. Aufzuchtfutter bekommt man beim Zoohändler. Keine Angst wegen der großen Zahl der Kleinen. Sie reduziert sich schon im Lauf der Wochen auf eine akzeptable Zahl. Wer beim ersten Versuch 10 Junge groß bekommt, kann ganz zufrieden sein.

Mehr zu Zwergfadenfischen unter "Regenbogen-Lalius" bei VIERKE fischreisen >>>

©  Dr. Jörg Vierke

 

 


 

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Unten der Film zum Colisa lalia-Bericht (9:55 min)!

 

Es gibt auf meinen Seiten eine ganze Reihe zum Verhalten der Zwergfadenfische. Genauers dazu im Video Führer: >>> Für "fishbase" gibt es eine gekürzte Version dieses Films mit englischen Untertiteln: >>>

 

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