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»» Biokurs AtmungDr. Fischs Biokurs für Aquarianer Etwa jeden Monat gibt es ein neues Thema.
Atmung bei Fischen
© Dr. Jörg Vierke Atmung ist der Gasaustausch von Organismen, nämlich die Abgabe des durch die Stoffwechselvorgänge entstandenen Kohlendioxids und die Aufnahme von Sauerstoff. Sauerstoff ist für die biologische Verbrennung und Energienutzung nötig. Er kann direkt aus der Luft aufgenommen werden oder aus dem Wasser. Die Fische haben wie alle höher entwickelten Tiere spezielle Atemhilfsorgane, von denen die Kiemen am wichtigsten sind.
Akzessorische Atmung. Neben der Kiemenatmung haben einige Arten zusätzliche Atemorgane entwickelt, die es den Fischen ermöglichen, auch unter extremen Bedingungen genügend Sauerstoff aufzunehmen. Hierbei handelt es sich zumeist um die Aufnahme von Luftsauerstoff (akzessorisch = hinzutretend, weniger wichtig). Atembewegungen. Ständige Kiemendeckelbewegungen sorgen durch einen sinnvollen Druck- und Saugpumpenmechanismus bei allen Knochenfischen für eine ständige Wasserdurchströmung durch die Mund- und Kiemenhöhle und damit für eine fortlaufende Versorgung der Kiemen mit frischem, sauerstoffreichem Wasser und für den Abtransport des Kohlendioxids. Das Wasser wird mit dem Maul aufgenommen und strömt an den Kiemenspalten wieder heraus. Zu den wenigen Ausnahmen gehört die hinterindische Saugschmerle (Gyrinocheilus aymonieri) - Foto unten rechts!. Darmatmung. Bei dieser Form der akzessorischen Atmung schlucken die Fische Luft. Die Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) benutzen dabei eine Aussackung ihres Magens als Luftspeicher. Die eigentliche Veratmung der Luft erfolgt im mittleren und hinteren Darmabschnitt. Die Verdauung beschränkt sich ausschließlich auf den Vorderdarm. Der Kot passiert das von einem dichten Kapillarnetz durchzogene Atemgewebe in Schleimballen. Der Darmatmung bedienen sich auch viele Welse (Callichthys, Corydoras, Hoplosternum). Hautatmung. Ein typischer Hautatmer ist unser Flußaal, der seinen Sauerstoffbedarf an Land ausschließlich durch die Hautatmung deckt. Anatomisch drückt sich dieses durch eine besonders intensive Versorgung der äußersten Hautpartien mit Blutgefäßen aus. Auch der elektrische Aal, die Schlammspringer und der südamerikanische Kurzschwanzaal (Synbranchus) sind in der Lage, über die Haut zusätzlich noch benötigten Sauerstoff aufzunehmen. Letzterer hat eine unpaare, schlitzförmige Kiemenöffnung. Bei seinen Landwanderungen kann er sie schließen und dadurch seine rückgebildeten Kiemen feucht halten. - Auch die frühen Stadien der Fischlarven atmen nur mit der ganzen Körperoberfläche - sie haben noch keine Kiemen. Kiemenatmung. Die Fischkiemen sind außerordentlich dünnwandige Ausstülpungen der Schleimhaut des Vorderdarms, die reichlich mit Blutgefäßen versorgt werden, so dass der Gasaustausch zwischen dem Körper und dem Außenmedium erfolgen kann. Ihr Wirkungsgrad ist von ihrer Gesamtoberfläche im Verhältnis zur Biomasse des Fisches abhängig. Ihre Oberfläche kann das Zehnfache der äußeren Körperoberfläche ausmachen. Obwohl der Sauerstoffgehalt der Luft wesentlich höher als der des Wassers ist, ersticken die allermeisten Fische an Land recht schnell, da sich die feinen Kiemenblättchen außerhalb des Wassers schnell untereinander verkleben und antrocknen.
Labyrinthatmung. Die Labyrinthfische haben oberhalb ihrer Kiemenhöhle eine stark gefältelte und mit Atemgewebe ausgekleidete Ausbuchtung. Diese Höhle ist mit atmosphärischer Luft gefüllt, die regelmäßig erneuert wird. Von der Funktion her ist die Labyrinthhöhle mit einer Lunge zu vergleichen. Entstanden ist sie mehrfach unabhängig, vermutlich als Taschenbildung bei spezialisierten Mundhöhlenatmern. Einige Labyrinthfische sind zwingend auf diese Art der Atmung angewiesen (z. B. Colisa) und würden schnell ersticken, wenn sie keine Gelegenheit haben, regelmäßig Luft zu veratmen. Andere dagegen kommen auch ohne die Zusatzatmung aus (Parosphromenus). Auch der Wels Clarias besitzt ein Labyrinthorgan. Zu den Labyrinthfischen werden sie trotzdem normalerweise nicht gezählt. Zu ihnen rechnet man die Kletterfische und die Hechtköpfe sowie die mit ihnen nicht direkt verwandten Schlangenkopffische. (Channidae).
Mundhöhlenatmung. Bei Atemnot schnappen viele Fische (z. B. unser Karpfen) nach Luft und tragen Luftblasen in ihrer reichlich von Blut versorgten Mundhöhle mit sich. Aus dieser einfachen Zusatzatmung haben sich vermutlich die Labyrinthatmung, vielleicht auch die Darmatmung entwickelt. Der südamerikanische Synbranchus marmoratus füllt eine sackartige Erweiterung am Boden der Maul- und Kiemenhöhle mit Luft, die nur etwa jede Viertelstunde gewechselt werden muss. An Land, wenn die Hautatmung wirksam wird, erfolgt der Wechsel nur in etwa halbstündigen Abständen. Schwimmblasenatmung. Die Schwimmblase ist als Ausstülpung des Vorderdarms entstanden und hat eigentlich eine hydrostatische Funktion. Bei vielen Fischen hat sich die Verbindung zwischen Speiseröhre und Schwimmblase erhalten. Einige dieser "Physostomier" erneuern regelmäßig ihre Schwimmblasenluft durch atmosphärische Luft, atmen also mit ihrer Hilfe. Dazu gehören die Schlammfische der Kaimanfisch (Lepisosteus), Arapaima und einige andere, sogar Salmler (Erythrinus, Lebiasina). Bei einigen Fischen ist die Schwimmblase regelrecht gefaltet und zweigeteilt, so dass man von einer echten Lunge sprechen kann (Lungenfische, Flösselhechte).
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