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Tilapia mariae, der Marienbarsch

© Dr. Jörg Vierke

Sarotherodon_mossambicus....
Der Mocambique-Buntbarsch Oreochromis mossambicus ist ein Maulbrüter, hier ein Männchen.

Ursprünglich wurden fast alle größeren, als Speisefische geeigneten Buntbarsche in Afrika als "Tilapien" bezeichnet. Tilapien sind in Afrika und den angrenzenden Teilen Asiens mit vielen Arten vertreten. Sie haben dort teilweise eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung für die menschliche Ernährung. - Sie wurden daher in viele Länder außerhalb Afrikas als Nutzfische eingeführt. Vielerorts schädigen sie allerdings nachhaltig die einheimische Fischfauna. Einige ausgestorbene Arten sollen bereits auf ihr Konto gehen.

Es zeigte sich, dass unter den "Tilapien" sowohl Substratbrüter als auch Maulbrüter vorkommen. Die maulbrütenden Arten haben nur relativ wenige, dafür aber große Eier. Das Gelege der maulbrütenden "Tilapia" macrocephala (korrekter Name heute: Sarotherodon melanotheron) besteht aus etwa 500 Eiern mit einer mittleren Eilänge von etwa vier Millimetern. Dagegen haben die substratbrütenden Tilapia mariae Gelege von 600 bis über 3000 Eiern mit einer mittleren Eilänge von nur etwa eineinhalb Millimetern.

Heute hat man die maulbrütenden Arten aus der Gattung Tilapia herausgenommen und sie in die Gattungen Sarotherodon und Oreochromis gestellt. Bei Sarotherodon nehmen sowohl die Weibchen als auch die Männchen die Eier ins Maul (Elternfamilie), bei der Gattung Oreochromis herrscht dagegen in der Regel eine reine Mutterfamilie, d. h., dass das Männchen sich - von Ausnahmefällen abgesehen - nicht an der Brutpflege beteiligt. Zur Gattung Oreochromis werden derzeit 46 Arten gezählt, zur Gattung Sarotherodon 21 Arten. Die Rest-Gattung Tilapia umfasst aktuell 44 Arten, die alle in Westafrika heimisch sind.

Marienbarsch, Delfinbuntbarsch Tilapia mariae
Marienbuntbarsch, Delphinbuntbarsch Tilapia mariae in Brutpflegefärbung

Die Heimat der Marienbarsche ist Westafrika

Der Marienbarsch oder Marienbuntbarsch ist über ganz Westafrika verbreitet. Besonders im Bereich der Nigermündung ist er einer der häufigsten Fische. Wegen seines hochgebauten Körpers wird er bei uns manchmal auch Delphinbarsch oder Delphinbuntbarsch genannt.

Zur Fortpflanzungszeit färbt sich Tilapia mariae prächtig gelb, mit fünf bis sechs großen, unregelmäßig begrenzten, schwarzen Flecken entlang der Körpermitte. Im Englischen wird die Art daher auch als Spotted Tilapia bezeichnet.

Wie auch bei anderen Cichliden, bei denen die Eltern gemeinsam die Brut pflegen, zeigen die Geschlechter kaum Unterschiede in ihrem Farbkleid. Allerdings sollen die zahlreichen weißen, schillernden Punkte in der Rücken- und Schwanzflosse der Männchen bei den Weibchen fehlen. Außerhalb der Fortpflanzungszeit haben die Tiere eine graugrüne Tarnfärbung. Junge Tilapia mariae besitzen sechs kräftige Querstreifen, die über den ganzen Körper ziehen. Dieses Jugendkleid nehmen auch gejagte oder stark beunruhigte Altfische an.

Marienbarsche sind nichts für übliche Aquarien

Trotz der ansprechenden Färbung ist der Marienbarsch dem "Normalaquarianer" nicht zu empfehlen. Die Tiere können auf eine Länge von mehr als 35 cm heranwachsen, wobei allerdings zu sagen ist, dass sie in kleinen Aquarien dieses Ausmaß nicht erreichen. Aber gerade in zu kleinen Aquarien darf man den Marienbarsch nicht halten, schon deshalb, weil es wegen der Revieransprüche der Fische unweigerlich zu Kämpfen kommt. Am idealsten ist ein richtiges Tilapien-Aquarium mit mehreren 100 Litern Fassungsvermögen, schön dekoriert mit großen Steinen, Baumwurzeln und gut gewaschenem Sand als Bodengrund. Solch ein Aquarium kann man mit einigen Tilapia mariae und vielleicht noch mit einem Paar Oreochromis mossambicus, dem Mozambik-Maulbrüter besetzen. Hauptsache, die Steine und Wurzeln bieten genügend Versteckmöglichkeiten. Unter solchen Verhältnissen wird sicher auch ein Teil des Nachwuchses groß werden.

Auf Pflanzen sollten wir in einem Tilapia-Becken von vornherein verzichten. Tilapia mariae ist in seiner Heimat fast ausschließlich Vegetarier. Diesem Bedürfnis müssen wir Rechnung tragen. Neben Trockenfutter nimmt dieser Cichlide sehr gerne Algen und Wasserpflanzen, Salatblätter und gekochten Spinat sowie eingeweichte Haferflocken. Er ist vorzüglich darauf eingerichtet, Pflanzen zu fressen. Die Art besitzt viele kleine Zähne, die wie Sandpapier wirken und den Algenbewuchs von Steinen und höheren Pflanzen abraspeln. Auch Pflanzenblätter können damit zerrieben werden. Im Magen und Darm von Wildfängen fand man regelmäßig 15 bis 25 Prozent Bodensand, der zweifellos zum Zerreiben der Nahrung im Verdauungstrakt dient. Daher sollte man für das Tilapien-Aquarium keinen groben Kies als Bodengrund verwenden.

Die Art der Ernährung kennzeichnet den Marienbarsch als typischen Friedfisch, wenn dem Pflanzenfreund diese Ernährungsform auch nicht sympathisch sein mag. Unter einem "Raubfisch" versteht man ja ein Tier, das sich vorwiegend von Fischen ernährt. Der Marienbuntbarsch ist aber auch in anderer Hinsicht nicht friedfertig im Sinne des Aquarianers. Als Substratbrüter errichtet er zur Fortpflanzungszeit ein festes Revier, in dem sich von den Artgenossen nur noch der Ehegatte aufhalten darf. Rivalen werden zunächst auf Cichlidenart durch Parallelschwimmen und Schwanzschläge bedroht. Das Imponieren kann bei T. mariae von kurzen, tiefen Lauten unterstützt werden.

Auf dem Höhepunkt des Kampfes finden, wie bei den anderen Cichliden auch, Maulkämpfe statt. Allerdings verbeißen sich die Kämpfer nicht wie die amerikanischen Buntbarsche, die daraufhin durch kräftiges Rückwärtsschwimmen versuchen, den Gegner wegzuziehen. Die Marienbarsche pressen ihre weit geöffneten Mäuler fest aufeinander; jeder versucht, den Gegner vor sich herzuschieben. Soweit es bisher bekannt ist, schieben alle afrikanischen und ziehen alle amerikanischen Cichliden.

Zum Brutpflege der Marienbarsche

Wenn ein fortpflanzungswilliges Paar ein Revier gebildet hat, klebt es seine Eier auf irgendeinen flachen, harten Gegenstand. Ein Weibchen legt bei der Gelegenheit 600 bis 3300 Laichkörner.

Beide Eltern betreuen gleichermaßen das Gelege und die Jungen, die sie nach dem Schlüpfen zunächst in selbstgegrabenen Gruben unterbringen. Die jungen T. mariae ernähren sich nicht selten von Hautsekreten der Eltern; eine Verhaltensweise, die außer Symphyosodon und Etroplus auch einige andere Cichliden zeigen. Die Jungen werden so lange von den Eltern begleitet und verteidigt, bis sie eine Gesamtlänge von 2,5 bis 3 cm erreicht haben.

"Tilapien" sind mittlerweile auch außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes gern gefangene Speisefische, hier O. mossambicus in Sri Lanka.
Der Marienbuntbarsch Tilapia mariae

Freiwasserbeobachtungen von BURCHARD und SJÖLANDER zeigten hochinteressante Ergebnisse, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen. Die Forscher, die ihre Unterwasserbeobachtungen in einem kleinen Flüsschen in der Nähe der Nigermündung unternahmen, konnten feststellen, dass die Marienbarscheltern nach dem Freischwimmen der Jungen ihr Revier aufgeben. Der Jungschwarm wird nicht von den Eltern geführt, sondern die Eltern folgen ihren Kindern. Dann verteidigen die Eltern kein bestimmtes Revier mehr, sondern lediglich die Jungen, beziehungsweise den Raum um ihren Nachwuchs. - Diese Art des Territorialverhaltens trifft wohl auf die allermeisten Buntbarsche zu. In kleinen Aquarien kann man das natürlich nicht beobachten. Aber in meinem Wohnzimmeraquarium, das derzeit nur von Roten Cichliden Hemichromis guttatus bewohnt wird, kann man immer wieder diese Erscheinungen beobachten. Durch diese Wanderreviere erschließen sich die kleinen Cichliden immer wieder neue Nahrungsressourcen. Auch kann man unter diesen Umständen gut sehen, dass die Wanderrichtung nicht von den Eltern, sondern primär von dem Schwarm der Jungfische bestimmt wird.

Zurück zu Tilapia mariae im Freiwasser: Auch in der Obhut der Eltern verringert sich nach BURCHARD und SJÖLANDER die Zahl der 1000 bis 2000 Jungen sehr rasch. Bei einer Größe der Jungfische von 15 mm war der Schwarm zumeist auf 30 bis 100 Individuen zusammengeschrumpft.

Bemerkenswert ist ferner, dass es keineswegs immer die Eltern sind, welche die Jungen führen. Nicht selten werden gleichaltrige oder auch verschiedenaltrige Junge von Artgenossen unbesehen angenommen. Selbst junge Tilapia zillii, die sich im Aussehen durch das Fehlen der Querstreifen von den jungen T. mariae deutlich unterscheiden, wurden adoptiert. In einem Fall wurde ein Tilapia mariae-Paar beobachtet, das etwa 80 T. zillii-Junge führte und nur vier Jungfische der eigenen Art. Dennoch zeigt ihr Verhalten, dass sie die Artfremden erkennen. Aber sie dulden sie.

© Dr. Jörg Vierke

Literatur:

ALBRECHT, H. (1966): Tilapia mariae; Encyclopaedia cinematographica, E 603/1964.

FROESE, R. and D. PAULY. Editors. 2012.FishBase. World Wide Web electronic publication. www.fishbase.org, version (04/2012).

SJÖLANDER, S. (1972): Feldbeobachtungen an einigen westafrikanischen Cichliden 1; AT 19, S. 42-45.

VIERKE, J. (1974): Unser Steckbrief - Tilapia mariae BOULENGER, 1899; Das Aquarium 56, S. 53 -54