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Amblyeleotris periophthalma (auf dem zweiten Foto, bzw. Film mit dem Partnerkrebs Alpheus ochrostriatus).

Karimunjawa ist die größte von einer Gruppe kleiner Inseln etwa 8o km nördlich von Java. Unweit des kleinen Hafens kann man im Flachwasser der Lagune eine der eindrucksvollsten Symbiosen beobachten, die ich kenne: die Symbiose zwischen einem Fisch und einem Krebs. Der folgende Text hält sich weitgehend an den Filmkommentar zum unten wiedergegebenen Video!

Am Rande der Seegraswiesen entdeckt man als Schnorchler auf dem Sandboden vulkanähnliche Erhebungen. Man muss Geduld haben, aber bald zeigt sich, dass oft aus den zentralen Löchern kleine, kaum fingerlange Fischchen herausschauen, eins aus jedem Loch. Sie sind sehr vorsichtig und bei der kleinsten Beunruhigung ziehen sie sich in ihre unterirdische Höhle zurück.

Diese Fischchen sind ganz Auge! Mit ihren großen, erhaben stehenden Sehorganen beobachten sie aufmerksam die Umgebung. Es sind Grundeln der Gattung Amblyeleotris, vermutlich gehören sie zu der Art periophthalma. Im Deutschen würde man sie Symbiosegrundeln nennen, aber es gibt da eine ganze Reihe ähnlicher Arten.

Die niedlichen Kerlchen sind ganz auf die Höhlen angewiesen, denn hier auf dem kargen Sandboden gibt es keinen anderen Zufluchtsort, den man im Notfall aufsuchen könnte. Fatalerweise können die kleinen Fische jedoch keine Höhlen bauen. Wie gut, wenn man da die Hilfe eines Spezialisten in Anspruch nehmen kann!

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Die Symbiosegrundel Amblyeleotris periophthalma an ihrer Wohnhöhle, UW-Aufnahme

Die Rede ist vom Partnerkrebs Alpheus ochrostriatus, der zu der Gruppe der Knallkrebse gehört. Der gut getarnte Krebs sieht aus wie ein baggernder Schlammhaufen. Ein helles Querband über seinem Hinterleib ermöglicht es jedoch, ihn eindeutig zu identifizieren. Auch dieses Tier wäre ohne seinen Partner regelrecht aufgeschmissen. Der kleine Krebs ist absolut sehuntüchtig und wäre bei seinen Grabearbeiten schnell Opfer seiner Feinde. Aber auch er braucht eine Höhle, wenn er in dieser Umgebung einigermaßen sicher leben will. Daher also der Zusammenschluß mit seinem Partner! Die Grundel gibt dem Krebs zu verstehen, dass die Luft - pardon! - das Wasser rein ist. Erst dann erscheint der Baumeister an der Oberfläche, um Sand und Steine abzuladen.

Der Krebs versucht ständig, mit seinen langen Fühlern mit dem Partner in Kontakt zu bleiben. Erst wenn der Fisch eine Weile ruhig am Höhleneingang steht, traut sich der Krebs, seine Sandfracht an der Oberfläche abzuladen. Sobald die Grundel mißtrauisch wird, verschwindet sie blitzartig im Bau - der Krebs ist nicht weniger schnell!

Die Grundel muss zur Nahrungssuche immer wieder mal den Sandboden nach angetriebenen Tierchen oder sonstigem Fressbaren absuchen. Aber sie entfernt sich nie weit von der Höhle und ist bei Beunruhigung jederzeit bereit, wieder in ihr abzutauchen.

Wenn zwei Tiere verschiedener Arten so wie im Film gezeigt aufeinander angewiesen sind, spricht man von einer Symbiose. Wir beobachten hier sicher eine der eindruckvollsten Symbiosen, die es im Tierreich gibt.

Bleibt letztlich nur noch die Frage, warum es denn nicht reicht, wenn die Höhle einmal errichtet ist. Nun, sie muss ohne Unterlass instandgehalten werden. Über diesen Sandböden im Bereich von Ebbe und Flut ist das Wasser ständig in Bewegung und die Höhlen wären ohne die permanenten Arbeiten des Krebses schnell versandet. Das ist eine Sisyphus-Arbeit, eine Arbeit, die nie endet. So haben beide Arten einen Vorteil von ihrem Zusammenleben - der eine buddelt, der andere steht Schmiere! Und sage noch einer, in der Natur gäbe es nur Konkurrenz zwischen den Arten!

Gegen Ende des Films sollte man seine Aufmerksamkeit noch einmal auf den Krebs richten. Dann wird man erkennen, dass er nicht nur Sand und Steine an die Oberfläche befördert. Er ist ganz wesentlich auch für Stabilisierungsaufgaben im Bereich des Schachts zuständig!

Anmerkung: Auf zwei Fragen möchte ich noch kurz eingehen, die mir von aufmerksamen Lesern dieses Berichtes gestellt wurden!

Woher kommt der Name Knallkrebs? Die Gruppe der Knallkrebse kann mit ihren Scheren regelrechte Schüsse abgeben, die diese Knallgeräusche erzeugen. Dabei trifft ein harter Wasserstrahl Beutetiere (z. B. Garnelen) und betäubt oder tötet sie. Man spricht daher auch von Pistolenkrebsen. - Diese Verhaltensweise dürfte für die mit der Partner-Grundel verbundenen Krebse aber nicht sinnvoll sein! Sie ernähren sich von im Boden lebenden Kleintieren, die sie bei ihrer Grabtätigkeit aufspüren. Tatsächlich habe ich bei meiner Filmarbeit auch keine entsprechenden Geräusche wahrgenommen.

Zweite Frage: Wie vermehren sich die Grundeln? In der Tat trifft man zeitweilig auch zwei Partnergrundeln gemeinsam in einer Höhle an. Alles Weitere dürfte in der Höhle so ablaufen, wie man es von Grundeln her kennt.


Und hier der Film!

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