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»» AttrappenAttrappenSignaltäuschungen und andere Tricks Die Fische, die wir uns jetzt etwas genauer anschauen wollen, sind Blaumaul- Maulbrüter (Astatotilapia burtoni). Die interessanten Afrika-Cichliden trifft man hin und wieder im Zoohandel an. Sie sind aber nur für Gesellschaftsaquarien mit relativ robusten Bewohnern geeignet. Dort allerdings kann man sie auch beim Ablaichen beobachten.
Eiattrappen wie die bei Astatotilapia beschriebenen, findet man unter den Buntbarschen vor allem unter den afrikanischen Maulbrütern, die früher pauschal als "Haplochromis" bezeichnet wurden. Unter ihnen gibt es jedoch Arten, bei denen die Männchen nicht nur gewissermaßen "aufgemalte" Signale auf der Afterflosse tragen. Die Fadenmaulbrüter (Ophthalmochromis-Arten) haben fadenartig verlängerte Bauchflossen mit verdickten, leuchtend gelb gefärbten Enden, die beim Ablaichen als Eiattrappen benutzt werden. Andere Arten (z. B. Sarotherodon variabilis) schleppen zur Laichzeit sogar traubenartige Auswüchse der Genitalpapille mit sich herum (Wickler, 1962)! Bei südamerikanischen Buntbarschen dagegen findet man Eiattrappen nur selten und dann auch schwächer ausgeprägt, wie bei Geophagus steindachneri. Vermutlich sind sie im Stadium des Entstehens. Sie befinden sich in den Mundwinkeln dieser Cichliden als orangefarbene Verdickungen und sind mit einer sehr auffallenden Lutschbalz gekoppelt (siehe folgende Seite). Letztlich der Befruchtung dient auch das ausgefallene Verhalten der Zwergdrachenflosser, früher häufig in Aquarien gehaltene Salmler aus Südamerika. Bei dieser Form der innerartlichen Mimikry lockt das Männchen seine Partnerin mit einer Hüpferlingsattrappe. Die Männchen haben löffelartige Auswüchse an ihren Kiemendeckeln, die normalerweise kaum wahrzunehmen sind, da sie angelegt getragen werden. Während der Balz wird der zum Weibchen zeigende Kiemendeckelfortsatz abgespreizt und zitternd bewegt. Zugleich nimmt dessen Endverdickung jetzt eine tiefschwarze Färbung an. Während das Weibchen versucht, nach dieser Attrappe zu schnappen, nutzt das Männchen die Gelegenheit, es zu begatten. Einige Fische (Paradiesfische, einige Schlangenkopf-Arten, viele Cichliden) haben dunkle, oft hell gerahmte Flecken auf den Kiemendeckeln. Bei manchen Arten befinden die Flecken sich sogar auf Auswüchsen der Kiemendeckel. Es handelt sich bei diesen Flecken in aller Regel um Augenattrappen, die vorwiegend im innerartlichen Kampf eingesetzt werden. Wenn sich die Kontrahenten gegenüberstehen, spreizen sie ihre Kiemendeckel weit ab. Dadurch nimmt ihr Kopfumriss und somit ihre scheinbare Größe beträchtlich zu. Der Effekt wird wesentlich durch die nun weit außen stehenden Augenattrappen verstärkt. Zweifellos verfehlt das auch gegen artfremde Angreifer nicht seine Wirkung, wenn es beispielsweise darum geht, einen Laichplatz oder die Brut zu verteidigen. Das Foto links zeigt diesen Effekt bei Thorichthys meeki, dem Feuermaulbuntbarsch, der in dieser Situation auch noch seine Kiemenmembranen herausstülpt!
Die außerartliche Mimikry ist eine Signaltäuschung, die gegenüber artfremden Lebewesen eingesetzt wird. Im weitesten Sinne wäre bereits eine gute Tarnung dazu zu zählen, wie man sie beispielsweise bei den im Meer lebenden Drachenköpfen (Scorpaenopsis) antrifft - rechtes Foto! Trotz ihrer lebhaften Musterung sind die ruhig zwischen Korallen liegenden Fische nur schwer zu entdecken. Die Gestaltauflösung durch fransenartige Fortsätze hilft bei der Tarnung entscheidend mit. Ähnlich ist es bei den südamerikanischen Bratpfannenwelsen (Dysichthys) und den Großmaulwelsen (Chaca) aus Indien (Abbildungen links). Beide Arten sind nicht näher miteinander verwandt, haben aber ein ähnliches Verhalten. Sie sehen wie unförmige Schlammklumpen aus, wenn sie ruhig am Grunde eines Gewässers liegen - und das ist ihr normaler Lebensstil. Erst wenn ein Fisch oder ein anderes kleines oder auch mittelgroßes Tier in den Bereich ihrer Barteln kommt, werden sie urplötzlich lebendig. Mit einer plötzlichen Erweiterung ihrer Mundhöhle saugen sie das Beutetier in ihre riesigen Mäuler. Der Großmaulwels soll neugierige Fische sehr raffiniert in die Nähe seines Maules locken: mit Bewegungen der Barteln soll er leckere Würmer vortäuschen! Ich beginne inzwischen allerdings an diesen Berichten etwas zu zweifeln. Seit vielen Jahren halte ich diese seltenen und zugleich seltsamen Welse - leider konnte ich nie diese Art der Signaltäuschung beobachten! Augenflecken gibt es nicht nur auf den Kiemendeckel- Rändern wie oben vorgestellt. Oft sind sie an anderen Körperstellen und erschweren auf diese Weise Fressfeinden die Orientierung. Besonders schön ist das beim Hechtkopf (Luciocephalus pulcher) zu beobachten, einem schlanken Raubfisch aus den Urwaldgewässern Malaysias. Diese weißlichgelb und braunschwarz gemusterten Fische sind von Natur aus wunderbar getarnt. Zudem haben sie in der Schwanzflossenbasis einen augenartigen Fleck, der besonders auffällig ist, wenn der Hechtkopf die Schwanzflossenstrahlen bei Beunruhigung zusammenfaltet und dann auch noch den ganzen Kopf des Tieres imitiert. Auf den ersten Blick kann
Zu diesem Thema die folgenden Spezialberichte: Eiattrappen bei einem südamerikanischen Maulbrüter "Geophagus" steindachneri >>> Verhaltensbeobachtungen an Tigerbarsch und Zebrabuntbarsch >>> Zur nächsten Haupt-Seite (Leerlaufhandlungen) >>> |