Pseudosphromenus cupanus
| 
|
| Männchen des Schwarzen Spitzschwanzmakropoden am Schaumnest, das es unter einer Höhlendecke angelegt hat |
HTML clipboard
© Dr. Jörg Vierke
Ein genügsamer Pflegling
Sein Name
ist so kompliziert und dennoch kommt es immer wieder zu Verwechslungen.
Daher eine Klarstellung voraus: Die Spitzschwanzmakropoden (Pseudosphromenus) sind keine Makropoden im engeren Sinne (Gattung Macropodus) und der Schwarze Spitzschwanzmakropode hat mit dem Schwarzen Makropoden (Macropodus spechti, früher concolor) nichts zu tun!
"Einer
der empfehlenswertesten Zierfische!" schreibt Arthur RACHOW im
klassischen Sammelwerk "Holly, Meinken, Rachow" über den Schwarzen
Spitzschwanzmakropoden. So ist das in der Tat! Rein äußerlich bietet
dieser Labyrinthfisch auf dem ersten Blick zwar nicht allzu viel und
die Händler bleiben leider oft auf den unscheinbaren Tieren sitzen.
Aber die cupanus sind friedlich, genügsam, und sie zeigen ein interessantes Verhalten.
Die
Haltung ist auch im Gesellschaftsaquarium problemlos. Allerdings hätten
die Fische gern die Möglichkeit sich hinter dichten Pflanzenbüscheln
oder Wurzeln zurückzuziehen.
Schwarze
Spitzschwanzmakropoden stellen keine Ansprüche an die
Wasserverhältnisse und gedeihen auch bei ausschließlicher Versorgung
mit Trockenfutter ausgezeichnet. Sie können kräftig zulangen!
Namensgebung und Verwandtschaft
 |
| | Paar Schwarzer Spitzschwanzmakropoden in der Bruthöhle, unten das fast schwarze Weibchen. |
|
Der wissenschaftliche Art-Name cupanus
ist die Ableitung eines Flussnamens aus der ehemaligen Provinz
Pondichery an der Koromandelküste südlich von Madras. Der Gattungsname
bezieht sich auf den Gurami (Osphronemus gorami): pseud, pseudo = unecht, falsch; also unechter Gurami. Synonyme sind der 1831 von CUVIER und VALENCIENNES vergebene Name Polyacanthus cupanus und die auch heute noch gelegentlich gebrauchte Bezeichnung Macropodus cupanus. Der deutsche Name bezieht sich auf die tiefschwarze Körperfärbung, die das Weibchen (!) während der Balz zeigt.
| 
|
| Rote Spitzschwanzmakropoden beim Ablaichen. Die weißlichen Eier rieseln zu Boden. |
Gelegentlich begegnet man der Bezeichnung Pseudosphromenus cupanus cupanus für den Schwarzen Spitzschwanzmakropoden. Daneben wird dann der Rote Spitzschwanzmakropode als Pseudosphromenus cupanus dayi aufgeführt. Damit wird dann ausgedrückt, dass es sich bei diesen Fischen lediglich
um Unterarten handeln soll. Diese Auffassung ist jedoch schon lange
überholt. Es handelt sich bei den beiden Spitzschwanzmakropoden
eindeutig um zwei gut zu trennende Arten. Das läßt sich durch
morphologische Merkmale belegen, sehr gut aber auch durch Unterschiede
im Verhalten. Einen ausführlichen Bericht zum Roten
Spitzschwanzmakropoden unter fischreisen.de: dayi
Seine Heimat sind die Küstengebiete Vorderindiens
Herkunftsgebiet
der Schwarzen Spitzschwanzmakropoden ist das südliche Vorderindien (die
Malabar- und Koromandelküste) sowie die Insel Ceylon (Sri Lanka).
Weitere Herkunftsangaben stammen aus Thailand, von der Malaiischen
Halbinsel, von Sumatra (HORA 1942) und aus dem Norden Vietnams
("Tonkin", CHEVEY 1929), doch sind diese Angaben alle mit äußerster
Vorsicht zu werten. Bei Herkunftsangaben aus dem hinterindischen Raum
handelt es sich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit um Verwechslungen!
Vorzugsweise
werden die Fische in Gräben und in kleinsten Gewässern der Tiefländer
angetroffen. Vielfach gehen sie sogar in brackige Küstengewässer, die
unter Gezeiteneinfluss stehen. Sie sollen dort nicht selten sein,
führen aber ein verstecktes Leben und fallen daher kaum auf. FRANCIS
DAY schreibt hierzu: "It lurks under stones or amongst weeds" (er hält
sich unter Steinen oder zwischen Wasserpflanzen verborgen).
Die Weibchen sind das schönere Geschlecht
Die schlanken Fischchen werden gerade mal 7,5 cm lang. Ihre Rückenflosse setzt wie bei Macropodus schon
weit vorn an und endet erst am Schwanzstiel. Die Afterflosse gleicht
ihr in Aussehen und Ausdehnung. Die Schwanzflosse der Fische ist bei
Jungtieren mehr oder weniger rund, bekommt aber mit dem Alter zunehmend
eine Rhombenform. Bei älteren Tieren, auch bei Weibchen, können die
innersten Schwanzflossenstrahlen etwas verlängert sein.
Die
Fische sind unscheinbar einfarbig graubraun gefärbt. Sie haben weder
markante Zeichnungen noch Kiemendeckelflecken. Lediglich jüngere Tiere
zeigen einen dunklen Schwanzwurzelfleck. Die unpaaren Flossen haben oft
einen schmalen, hellblau glänzenden Saum. Zur Balzzeit verändern die
Männchen ihre Färbung kaum. Sie werden geringfügig heller. Ihr einziger
Schmuck sind die kräftig rot leuchtenden vorderen Bauchflossenstrahlen
und ihre blutrote Iris.
Die Abb. links zeigt das cupanus-Paar bei der Paarng. Deutlich erkennt man die im Text beschriebenen Unterschiede im Habitus der Geschlechter
Im
Gegensatz zu anderen Labyrinthfischen sind die Weibchen während der
Balz und beim Laichgeschäft wesentlich prächtiger gefärbt. Sie sind
dann am ganzen Körper tiefschwarz und schillern bei entsprechender
Beleuchtung in bläulichem Glanz. Im Kontrast dazu stehen die rubinroten
Augen und die rot leuchtenden vorderen Bauchflossenstrahlen. Der
aufmerksame Beobachter entdeckt vielfach an genau der Stelle, an der
sich bei Jungtieren der dunkle Schwanzwurzelfleck befindet, eine
deutliche Aufhellung.
Außerhalb
der Laichzeit sind die Geschlechter weder an der Beflossung noch an
anderen äußeren Merkmalen eindeutig zu unterscheiden. Wer bei der
Zusammenstellung eines Paares sichergehen will, halte die Tiere einzeln
in einem kleinen Glas gegen eine helle Lampe. Dann wird man beim
Weibchen im Gegenlicht den Eierstock als einen sich zur Schwanzwurzel
hin dunkel abhebenden Keil bemerken. Diese Methode gelingt auch noch
bei relativ jungen Tieren.
Zucht - unkompliziert aber interessant
Die
Tiere laichen vielfach schon im Gesellschaftsaquarium ab. Zur Zucht
sollte man die Fische paarweise halten. Da sie sich zur Paarung und zum
Errichten des Schaumnestes gern in Höhlen zurückziehen, sollte man die
Einrichtung entsprechend gestalten! Temperaturen um 25° C und
Lebendfuttergaben sind nun vorteilhaft.
Das
Balzverhalten der Schwarzen Spitzschwanzmakropoden ist eindrucksvoll.
Wenn ein Männchen sein Schaumnest fertiggestellt hat, sucht es nach
einem Weibchen. Sobald dieses laichwillig ist, reagiert es auf die
Annäherung eines Männchens mit "einer typischen Kopf-unten-Stellung.
Dabei werden alle Flossen weit abgespreizt. Dann wird es von dem
ebenfalls mit gesenktem Vorderkörper schwimmenden Freier hastig in eng
gezogenen Kreisen umschwommen. Wenn das Männchen dem Weibchen zu lästig
wird und es den Aufdringlichkeiten entgehen will, kann man mitunter
beobachten, dass das Männchen seiner Partnerin einfach den Weg
versperrt. Schließlich schwimmt der Freier mit gespreizten Flossen und
auffallend stark wedelnden Körperbewegungen zum Schaumnest zurück.
Manchmal folgt das Weibchen diesem Führungsschwimmen. Oft nähert es
sich auch von selbst dem Nest.
Die
Paarung wird durch Kreisschwimmen der Fische eingeleitet. Dann
umschlingt das Männchen seine Partnerin, die sich ihrerseits oft nur
schwach S-förmig biegt. Die Umschlingung dauert 15 bis 20 Sekunden. Am
Ende rieseln fünf bis etwa dreißig Eier einzeln zu Boden. Der
Eidurchmesser schwankt zwischen 1,0 und 1,2 mm. Beim Einsammeln der
Eier ist das Weibchen in vielen Fällen aktiver als das Männchen. Dann
löst es sich schon früher als sein Partner aus der Paaungsstarre und
beginnt sofort die zu Boden sinkenden Laichkörner aufzusammeln. Wenig
später beteiligt sich auch das Männchen an dieser Arbeit.
Nicht
nur am Einsammeln der Eier können sich die Weibchen beteiligen, in
manchen Fällen wirken sie auch bei der Aufzucht der Jungen mit. In
einem Fall konnte ich ein Weibchen beobachten, das sich weit ab vom
Nest des brutpflegenden Männchens ein eigenes Nest errichtet hatte. Ich
kann nicht sagen, ob es die Schaumblasen selbst erzeugt hatte,
jedenfalls betreute es in diesem Nest nicht weniger intensiv als der
Vater eine Vielzahl von Larven. Die Mütter übernehmen regelmäßig die
Brutpflege, wenn man anstelle des Weibchens den Vater nach dem
Ablaichen aus dem Zuchtbecken herausfängt.
Bei
25° C schlüpft die Brut nach ca. 35 Stunden. Am dritten Tag schwimmen
die Jungen frei und beginnen im Aquarium nach kleinsten Infusorien zu
suchen. Damit sie damit auch ausreichend Erfolg haben, ist es sinnvoll
die Zucht in einem alteingerichteten Aquarium mit vielen Pflanzen
vorzunehmen. Gerade Schwimmpflanzen wie Riccia sind hier zu empfehlen.
Bald können dann auch frischgeschlüpfte Artemia-Larven gereicht werden.
Normalerweise stellen die Eltern ihren Kindern nicht nach. In einem nicht zu kleinen, gut bepflanzten Aquarium mit einem Pseudosphromenus cupanus-Paar, werden auch ohne Mithilfe des Pflegers regelmäßig einige Jungtiere groß.
Zu den Fotos unten: Links das cupanus-Paar
in der Laichhöhle, im Vordergrund das dunkel glänzende Weibchen. Rechts
das Paar direkt nach der Paarung. Gerade hat das Männchen die
Paarungsschlinge gelöst. Beim genauen Hinschauen sieht man ein gerade
erscheinendes, weißliches Ei, das auf dem Bauch des Weibchens liegt.
 
Literatur:
CHEVEY (1929): Inventaire de la faune Ichthyologique de l´Indochine. Inst. oceonographique de l´Indochine
DAY (1889): The Fauna of British India, Fishes, Vol. 11, 368/369.
HOLLY, MEINKEN, RACHOW (ab 1932 fortlaufend): Die Aquarienfische in Wort und Bild, Lieferung 24.7, Kernen Verlag, Stuttgart
HORA (1942): Fishes of the Myosore State. Records of the Indian Museum, Kalkutta
VIERKE (1975): Beiträge zur Ethologie und Phylogenie der Familie Belontiidae. Z. Tierpsych. 38, 163-199.
VIERKE (1976): Spitzschwanzmakropode Pseudosphromenus cupanus. Das Aquarium 64 - 66
HTML clipboard
© Dr. Jörg Vierke
Zurück zur Inhalt-Startseite
weiter zur nächsten Seite: Schlangenkopffisch: Regenbogen-Channa
|