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Smaragdkampffische aus Thailand

 

©  Dr. Jörg Vierke


Smaragdkampffische gehören zu den schaumnestbauenden Betta-Arten, die jeder Aquarianer züchten kann. Zur Laichzeit sind es wirklich schwimmende Schmuckstücke. Leider bekommt man sie im Handel nur selten. Wer dennoch mal auf sie stößt - beim Fachhändler, auf einer Zoobörse oder beim Aquarienfreund - sollte sich diese Labyrinthfische mitnehmen.

Smaragd-Kampffisch Betta smaragdina, Männchen
Smaragd -Kampffisch - Männchen Betta smaragdina. Balzend zeigt es seine prächtigen Farben!

 



Zur Herkunft der Smaragd -Kampffische: Betta smaragdina ist aus verkrauteten Gräben und Teichen im Nordosten Thailands bekannt. D. Schaller, der Erstfänger, fand sie zunächst auf den Reisfeldern in den Fußabdrücken der Wasserbüffel. Terra typica ist die Ortschaft Nongkhai am Mekong, unweit der laotischen Hauptstadt Vientiane, am Ufer des Grenzflusses. Leider kann man die herrliche Färbung des Fisches im Gesellschaftsaquarium nicht so häufig sehen. Die Art ist in der Gesellschaft anderer, nicht so großer Fische jedoch gut zu halten. Ich pflegte Betta smaragdina zusammen mit Rasbora Arten, Eilandbarben, Fadenfischen, Blaubarschen, Knurrenden Guramis (Trichopsis vittata) und anderen Asiaten. Bei 25° C stellen sie keine Ansprüche an die übrigen Wasserwerte.



Richtig zur Geltung kommen die Kampffische aber erst, wenn man sie in ein kleines Extrabecken setzt und die Temperatur auf 28° C einstellt. Dann sind sie schnell laichbereit. Es genügt ein Becken von zehn Liter Inhalt, besser nimmt man aber ein doppelt so großes, damit das Weibchen nicht zu sehr gejagt wird. Bei Ernährung mit Lebendfutter kann man die Fische im Abstand von zwei Wochen zum Ablaichen bringen. Vielleicht geht es auch in kürzeren Abständen, aber das habe ich mit Rücksicht auf die Tiere nicht versucht.



So kleine Zuchtbecken sollten gut bepflanzt werden, damit das Weibchen sich vor den Aggressionen des Partners verstecken kann. Ich habe als Zufluchtsort zusätzlich auch einen umgestülpt stehenden Blumentopf eingebracht. Nach kurzer Zeit haben sowohl Männchen als auch Weibchen ihr dunkles, mit grünlichen Punkten verziertes Prachtkleid angelegt. Nun beginnt das Männchen, sein Schaumnest zu errichten. Das geschieht in der Regel direkt am Wasserspiegel.

Smaragdkampffisch Betta smaragdinaAuch wenn das Männchen nicht so aggressiv ist, wie man es meist bei Fadenfischen beobachtet, das Weibchen braucht jetzt seine Verstecke! Mit weit abgespreizten Kiemendeckeln nähert sich der Kampffisch-Mann seinem Weibchen. Dann versucht das Weibchen zu beschwichtigen: Dazu legt es alle Flossen eng an den Körper, stellt sich schräg, so dass der Kopf nach unten zeigt, und macht mit dem ganzen Schwanz (nicht nur mit der Schwanzflosse!) schlängelnde Bewegungen. Oft besänftigt diese Gebärde das Männchen, so dass es alle Flossen weit abspreizt, vor seiner Partnerin stehen bleibt und dann mit weitgespreizten Flossen zum Nest zurückschwimmt. Wollte man die Stimmung des Männchens vermenschlicht in Worte fassen, müßte man sie etwa so übersetzen: "Nun komm' aber endlich mit, hier ist das Nest!"



Smaragdkampffisch - Betta smaragdinaDas Laichen erfolgt direkt unter dem Blasennest. Im Gegensatz zu den Fadenfischen dürfen bei den Kampffischen die Weibchen während der ganzen Laichphase unbehelligt unter dem Nest bleiben. Ja, sie helfen vielfach auch beim Aufsammeln und Unterbringen der Eier mit. Eine Laichphase besteht aus etwa zwanzig bis dreißig Paarungen, den eigentlichen Umschlingungen mit Eiabgabe. Die ersten und letzten Umschlingungen, die noch keine Eier bzw. keine Eier mehr ergeben, werden Scheinpaarungen genannt. Bei jedem Laichakt erscheinen ein bis etwa fünfzehn schneeweiße, bohnenförmige Laichkörner.



Beim Ablaichen hängt das Paar schwebend unter dem Nest. Das Weibchen liegt dabei gestreckt oder etwas S-förmig gekrümmt auf dem Rücken, das Männchen hat es von oben klammerartig umschlossen. Das Paar fällt nach einigen Sekunden auseinander - zumeist ohne dass schon Laich erschienen wäre. Während das Weibchen in seiner Starre verharrt, stellt das Männchen sich unter ihm auf und wartet auf die nun erscheinenden Laichkörner. Sie sind schwerer als Wasser und rieseln nach unten, so dass das Männchen sie nun bequem aufschnappen kann. Gelegentlich bleiben einige Eier auch in der Körperbeuge des noch starr liegenden Weibchens liegen. Auch sie werden vom Männchen aufgesammelt. Selbst in ihre weiße Laichpapille wird bei dieser Gelegenheit manchmal gebissen - sie ist in der Tat leicht mit einem Ei zu verwechseln.



Betta smaragdina Vater mit frischgeschlüpfter BrutNach Beendigung der Laichakte wird die Mutter nicht mehr unter dem Nest geduldet. Jetzt übernimmt allein der Vater die Brutpflege. Die schwärzliche Grundfärbung seines Prachtkleides hellt sich nun etwas auf - er sieht aber immer noch schön aus. Die Jungen schlüpfen nach etwa vierzig Stunden. Sie hängen mit am Kopf befindlichen Klebedrüsen unter den Schaumblasen und an Wasserpflanzen in Nestnähe. Gelegentlich sinken sie zu Boden; dann werden sie vom Vater aufgeschnappt und wieder zurückgebracht. Erst wenn sie frei schwimmen, sollte man sie vom Vater trennen. In einem nicht allzu kleinen Becken können aber auch in Anwesenheit beider Eltern einige Jungtiere großkommen - und das, ohne dass wir füttern müßten.


Die freischwimmenden Jungfische füttert man die ersten Tage am besten mit Pantoffeltierchen. Bald müssen frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien zugefüttert werden. Wenn man dann auch noch daran denkt, möglichst alle zwei Tage etwa ein Drittel des Wassers gegen abgestandenes, frisches Wasser auszutauschen, dann ist die Aufzucht von Smaragdkampffischen wirklich ein Kinderspiel.

 

©  Dr. Jörg Vierke

 



Unten sehen Sie eine animierte Fotoschau zum Ablaichverhalten der Smaragdkampffische

 


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