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Nahrungsverhalten

Ein Blaupunktrochen Taeniura lymna durchwühlt den Bodengrund nach Nahrung

 

Zwergwels, Katzenwels - Ictalurus nebulosus
Katzenwels oder Zwergwels Ameiurus nebulosus

Katzenwelse und andere Schnüffler

Zu meinen ersten Aquarienfischen gehörten Zwergwelse. Die einfarbig dunkelgrauen Tiere werden auch als Katzenwelse bezeichnet. Mit den dicken Köpfen erinnerten sie mich damals jedoch mehr an Kaulquappen. Meist lagen sie träge hinter einem großen Stein. Glücklicherweise hatte man mir erzählt, dass man sie ohne weitere Beifische halten müsse, sonst hätte ich diese Räuber bald gehasst. So aber gehören sie - was Fische betrifft - zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Niemand von meinen Freunden schenkte dem pflanzenlosen, unbeleuchteten Becken in der Ecke meines Kinderzimmers Beachtung. Es hatte keine Heizung und normalerweise brannte auch kein Licht. Wirklich nichts war da zu sehen, außer ein paar Steinen und einer alten Baumwurzel. Aber wenn ich an das Becken trat und mich davor setzte, sah ich hinter den Steinen lange Fäden, die sich hin und herbewegten. Und wenn ich die Aquarienbeleuchtung anschaltete oder selbst wenn ich nur eine der kleinen Deckscheiben etwas zur Seite schob, war das Becken urplötzlich belebt. Schnell, oft richtig wild sausten die dunklen Schatten über den Boden. Sie wussten, dass es jetzt Futter gab. Gern gab ich ihnen Fleischstückchen. Sie sanken zu Boden und sobald sie einer der Welse zufällig mit seinen langen Barteln berührt hatte, war er schon mit dem riesigen Maul an dem Brocken und hatte ihn blitzschnell verschluckt. Großen Regenwürmern erging es nicht anders. Selbst aus der Hand nahmen sie mir das Futter. Nach kurzer Zeit hatten die Welse richtig kugelrunde Bäuche. Muss ich hinzufügen, dass meine Welse erschreckend schnell wuchsen und ihr Name "Zwergwelse" mich bald irritierte?

Katzenwelse sind nichts für das Gesellschaftsbecken. Die kleineren Mitbewohner würden dann - besonders natürlich in der Nacht, wenn viele in Bodennähe ruhen - aufgespürt und verspeist. Man sieht Katzenwelse daher nur noch selten im Angebot der Aquariengeschäfte. An ihrer Stelle haben viele Aquarianer andere Welse in ihren Aquarien.

Sehr beliebt sind die kleinen und völlig harmlosen Panzerwelse, die unermüdlich mit ihren kurzen Barteln im weichen Bodensand nach Würmern oder anderen Nahrungsobjekten herumwühlen. In ihrer südamerikanischen Heimat trifft man sie in Bächen und Urwaldflüssen in mehr oder weniger großen Schwärmen an. Fast immer sind sie in der sandigen Uferzone, nur selten in steinigen Zonen. Wir sollten diese Bedürfnisse bei der Einrichtung eines Panzerwelsbeckens berücksichtigen. An scharfkantigen Steinen haben sie ihre Barteln sonst bald bis auf blutige kurze Stümpfe abgerieben.

Metall Panzerwelse Corydoras aeneus bei der Futtersuche im sandigen Boden

Diese Metall-Panzerwelse (Corydoras aeneus) verschwinden bei der Nahrungssuche fast bis zu den Augen im sandigen Bodengrund.

Beobachten wir einen Panzerwels genauer beim Suchen nach einem kleinen Klumpen Tubifex. Dieser Haufen roter Würmchen liegt jetzt völlig frei auf dem Sandboden. Zielgerichtet holt sich ein Skalar einen Bissen Würmchen aus dem Klumpen. Dabei wird der Wurmhaufen ein paar Zentimeter weiter auf dem Boden entlang geschleift. Die Welse scheinen den Wurmhaufen nicht zu sehen, obwohl er doch fast direkt vor ihrer "Nase" liegt. Jetzt wühlt einer ganz aufgeregt genau an der Stelle im Sand, wo der Klumpen eben noch lag. Bis weit über die Augen ist er im Sand verschwunden - aber er hat keinen Erfolg! Ein anderer Panzerwelse zieht schnüffelnd im Boden eine regelrechte Pflugfurche - und verfehlt den Klumpen auf seiner Bahn nur um einen Zentimeter. Man mag es gar nicht mit ansehen, denn die anderen Fische fressen und fressen und fressen und die kleinen "dummen" Welse suchen und suchen. Sehen die Welse das Futter denn nicht? Fast jeder Panzerwelsbesitzer weiß, dass diese Fischchen sehr wohl ausgezeichnet sehen können. Sie reagieren ebenso schnell wie andere Fische mit Flucht, wenn man ihnen vor der Aquarienscheibe mit plötzlichen Bewegungen Angst einjagt - nebenbei, das sollte man natürlich nicht zu oft ausprobieren! Erst wenn der Wels zufällig auf die Tubifex stößt, kann auch er mit seiner Mahlzeit beginnen.

* * *

Jede Fischart stellt ihrer Beute auf arteigene Weise nach: die meisten Raubfische lauern, oft phantastisch getarnt, Beutetieren auf und schnappen sie im schnellen Vorstoß. Andere Fische haben sich auf kleinere Beutetiere spezialisiePlatyrt, kleine im Wasser treibende Krebschen, an Pflanzenstängeln kletternde Insektenlarven und am Boden kriechende Würmer, die sie gezielt aufsuchen. Zu ihnen gehört die Masse unserer Aquarienfische. Einige Aquarienfische wie Platys (Abb. links) sieht man oft dabei, wie sie unablässig an den Aquarienwänden, an Pflanzen oder an anderen Gegenständen im Aquarium lutschen. Immer wieder stoßen sie mit ihrem Maul dagegen. So nehmen sie an diesen Substraten wachsende Algenteilchen und sicher auch darin lebende Kleinsttiere auf. Fadenfische und Lebendgebärende erweitern so ihren Speisezettel. Schützenfische und Fadenfische verstehen es sogar, mit einem gezielt aus dem Wasser abgeschossenen Wasserstrahl kleine Beutetiere ins Wasser zu spülen. Und wieder andere Fische wühlen wie unsere oben vorgestellten Panzerwelse (Corydoras) Mulm und Sand systematisch durch, um im Boden lebende Würmchen und anderes Bodengetier aufzuspüren. Im Meer kann man das als Taucher sehr schön bei der Rotmeerbarbe Parupeneus forsskali sehen (vgl. das Filmchen!).

Welche außergewöhnliche Methode der Anker-Zahnlippfisch aus dem Großen Barriere Riff benutzt, um im Sandboden versteckte Beute aufzuspüren, sollten Sie sich selbst anschauen - im kurzen Dokumentarfilm unten auf dieser Seite!

Es haben sich in der Natur also Formen herausgebildet, die sowohl von ihren Aufspür- und Fresswerkzeugen als auch von ihrem Verhalten her Spezialisten sind. Selbstverständlich braucht ein Schützenfisch nicht nur eine andere Ausrüstung für den Nahrungserwerb als ein Panzerwels sondern auch andere angeborene Verhaltensweisen. Die Spezialisten ermöglichen so eine nahezu optimale Ausnutzung des Lebensraumes. Ökologen würden sagen, jedes Tier hat innerhalb eines Biotops eine ganz bestimmte ökologische Nische. Die unterschiedlich spezialisierten Tiere konkurrieren nicht direkt miteinander. Um bei unserem Panzerwelsbeispiel zu bleiben: Panzerwelse sind von Natur aus darauf ausgerichtet, im Boden lebende Kleinstlebewesen mit ihren Barteln zu schmecken und zu erbeuten. Das Ertasten dürfte hier wie auch bei den anderen Welsen erst in zweiter Linie von Bedeutung sein. Chemische Reize sind in dieser Situation entscheidender. Wie anders ließe sich erklären, dass Panzerwelse dort besonders intensiv schnüffeln, wo vor wenigen Augenblicken noch die Beute war?

Rotmeerbarbe.gif
Die Rotmeerbarbe P. forsskali beim Nahrungswühlen
Welswasserschoepf.jpg
Panzerwelse wie hier Corydoras paleatus suchen gelegentlich bauchoben  die Wasseroberfläche nach Nahrung ab.

Der Skalar oder die Schwertträger, die zielgerichtet auf das Futter zuschwimmen,scheinen uns weitaus intelligenter zu sein. Liegt es daran, dass wir Menschen uns beim Nahrungsfinden auch in erster Linie vom Auge her leiten lassen? Verstehen wir unsere Welse nur deshalb nicht, weil wir ihre Methoden nicht nachvollziehen können? Zumindest im Freiwasser dürfte die Schnüffelmethode doch ausgesprochen effektiv sein, besonders natürlich bei Dunkelheit oder wenn das Wasser trüb ist.

Darüber hinaus verfügen Panzerwelse über eine Methode des Nahrungserwerbs, die für typische Bodenfische wirklich erstaunlich ist. Normalerweise beobachtet man das sogenannte Wasserschöpfen nur bei Fadenfischen, Lebendgebärenden und einigen Buntbarschen. Die Fische stehen dann direkt am Wasserspiegel und schlürfen mit schnellen Pumpbewegungen ihrer Kiemendeckel das Oberflächenhäutchen des Wassers mit allen Teilchen, die darauf treiben, ein. So erhalten sie an der Wasseroberfläche schwimmende Trockenfutterteilchen oder auch die viele Kleinstlebewesen enthaltende Kahmhaut. Auch Panzerwelse (Corydoras paleatus) habe ich schon bei dieser Art der Nahrungsaufnahme beobachtet (Abb. rechts).


Unten ein Film, den ich kürzlich am Großen Barriere-Riff aufnehmen konnte: Ein Anker-Zahnlippfisch Choerodon anchorago bei seiner außergewöhnlichen Methode der Nahrungsbeschaffung.

Und hier die Fütterung der Raubfische: links Schwarze Schlangenkopffische (Channa melasoma), rechts Seewölfe (Anarhichas lupus) - Ton an und volle Größe!


Auf der Folgeseite 9 kurze Filme, die das Fress-Verhalten diverser Fische im Freiwasser Südamerikas dokumentieren! >>>

Ein sehr interessanter Spezial-Aufsatz zum Thema "Nahrungsverhalten" auf der übernächsten Seite: Wasserspucken

 

 

 

 

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