Interessantes aus der Aquarienkunde - Kurzberichte  HTML clipboard
© Dr. Jörg Vierke
Alles Sport bei den Malabarbarben? Natürlich nicht, aber die Art, wie die Tiere um ihren sozialen Rang in der Gemeinschaft kämpfen, ist bei den Malabar-Bärblingen Devario aequipinnatus
recht originell. Die beiden Rivalen schwimmen mit äußerster Kraft
direkt nebeneinander hin und her. Es ist ein regelrechtes
Wettschwimmen, bei dem es darauf ankommt, dem anderen eine Kopflänge
voraus zu sein. Am Ende des Schwimmraumes wenden die Kämpfer
blitzschnell, und das Wettschwimmen nimmt seinen Fortgang. Dabei hat
der Unterlegene die Chance, etwas früher als der andere zu wenden und
so seinerseits nach vorn zu kommen. Mit kräftigen Flossenschlägen muss
der Stärkere sich dann wieder an die Spitze setzen. Dieser Kampf kann
stundenlang dauern, und es liegt auf der Hand, dass das außerordentlich
anstrengend ist. Aber nicht nur das! Vermutlich ist es für den an
zweiter Position schwimmenden Fisch auf die Dauer auch schmerzhaft. Er
erfährt über sein Seitenlinienorgan sehr hautnah die Flossenschläge
seines neben ihm schwimmenden Rivalen!
Salmler mit Schaumnestern Wohl
jeder Aquarienfreund hat schon davon gehört, dass Labyrinthfische
Schaumnester errichten, unter ihnen ablaichen und die Eier und die sich
entwickelnden Larven in diesen Nestern versorgen. Das gilt zwar nicht
für alle Labyrinthfische, aber doch für die meisten. Auch einige Welse
gehören zu den schaumnestbauenden Brutpflegern. Weniger bekannt
ist, dass es auch unter den Salmlern zumindest eine Art gibt, die ein
massives und sehr haltbares Schaumnest an der Wasseroberfläche baut, in
dem sie ihre Brut aufzieht und energisch verteidigt. Die Rede ist von Hepsetus odoe, dem Afrikanischen Hechtsalmler. Einigen Aquarianern ist die Zucht dieser schönen Fische bereits gelungen.

Kopfsteher fressen Segelflosser
Zugegeben, die Überschrift ist etwas reißerisch! Dennoch: es ist bekannt, dass Segelflosser (Pterophyllum scalare)
wie auch die Diskusfische (siehe unten!) zu bestimmten Zeiten ein
wohlschmeckendes oder zumindest energiehaltiges Körpersekret absondern.
Die Jungfische wissen das und weiden ihre Eltern regelrecht ab - bei
den Diskusfischen ist das die Regel, hin und wieder beobachtet man das
aber auch bei Schlangenkopffischen (7.2. Regenbogen-Channa), sowie bei anderen Buntbarschen, so auch beim Segelflosser. Diese Absonderung bleibt oft auch den Prachtkopfstehern (Anostomus anostomus)
nicht verborgen. Sie haben raspelharte Zähne, mit denen sie die
Segelflosser abweiden (vgl. die nebenstehende Abbildung). Die flächigen
Buntbarsche haben keine Chance gegen die wendigen Kopfsteher. Ihnen
werden Wunden beigebracht, die leicht verpilzen und zum Tod der großen
Fische führen. Fazit: Segelflosser und Kopfsteher sollte man lieber
nicht zusammen halten! Nachsatz: Einige Autoren stufen Anostomus als "Putzerfische" ein, vergleichbar den im Meer lebenden Labroides dimidiatus. Wie im entsprechenden Kapitel erwähnt >>> gibt es in der Tat auch derartige Beziehungen unter Süßwasserfischen. Das oben beschriebene Verhalten hat mit "Putzen" aber zweifellos nichts zu tun!
Schützenfisch Colisa lalia
Dass die Schützenfische Toxotes jaculatrix und Toxotes chatareus mit Wassertropfen nach Beutetieren außerhalb des Wassers jagen, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch die Colisa-Arten sich auf diese Jagdlist verstehen. Zwar schaffen die Colisas
gerade mal eine Schußweite, die etwa ihrer eigenen Körperlänge
entspricht, aber sie schießen im Gegensatz zu den echten
Schützenfischen gleich eine ganze Salve von schnell aufeinander
folgenden Spucktropfen ab. Das ist gewissermaßen das
Maschinengewehrprinzip. Und wie ein MG-Schütze streichen sie auch über
das Ziel, so dass sie es kaum verfehlen können! Das nebenstehende Foto
zeigt ein Colisa lalia-Männchen gerade in dem Moment, in dem es
einen Wassertropfen abschießt. Es reicht, um kleine Beutetiere ins
Wasser zu schwemmen.
Einen ausführlichen Bericht hierzu finden Sie unter 2.1. Wasserspucken!
Welse mit dicken Lippen
Maulbrüter tragen ihre Brut vor allem deswegen im
Maul, um sie vor Freßfeinden zu schützen. Das machen so auch einige
Harnischwelse aus der Loricaria Verwandtschaft. Sie leben in
Zonen, in denen keine oder nur wenige natürliche Laich- und Bruthöhlen
vorkommen. Allerdings ist ihre Art der Maulbrutpflege außergewöhnlich:
Während der Laichzeit vergrößert sich die Unterlippe des Männchens so
enorm, dass darin sein ganzer Laichballen Platz findet. Bis zum Schlupf
der Brut trägt der Vater die Nachkommenschaft auf diese Weise vor
Freßfeinden geschützt herum.

Ein Fisch, der seine Eier außerhalb des Wassers ablegt!
Der nur etwa fingerlange Spritzsalmler (Copella arnoldi)
kennt einen besonderen "Trick", um seine Brut vor Laichfeinden zu
schützen. Das paarungswillige Männchen hält nach einem über dem Wasser
hängenden Pflanzenblatt Ausschau. Es darf natürlich nicht zu hoch
hängen - aber 5 cm dürfen das schon sein. Dann lockt er ein
laichbereites Weibchen unter das Blatt. Wenig später springt das Paar
gleichzeitig und fast in Körperkontakt aus dem Wasser heraus, um seinen
Laich an das Blatt zu kleben. Natürlich fällt das Paar gleich wieder
ins Wasser zurück, aber die kurze Zeit reicht zum Anheften und Besamen
des Laichs. Anschließend sorgt das Männchen dafür, dass die Eier nicht
vertrocknen. In regelmäßigen Abständen spritzt es gezielt mit kräftigen
Schlägen seiner Schwanzflosse Wasser gegen das Laichblatt! So werden
schließlich auch die frischgeschlüpften Larven zurück in ihren
eigentlichen Lebensraum befördert!
Fische mit äußeren Kiemen
Erwachsene Fische haben ihre
Kiemen immer unter Kiemendeckeln verborgen. Das ist sinnvoll, denn
hier sind diese sehr empfindlichen Atemorgane gut geschützt. Äußere
Kiemen findet man bei den Wirbeltieren nur bei Amphibienlarven, zum
Beispiel bei den Kaulquappen, und bei einigen sehr altertümlichen
Fischen - ebenfalls aber nur im Larvenstadium. Zu diesen Arten gehören
die afrikanischen Flösselhechte. Es sind zwar meist recht
unverträgliche Raubfische, aber in geräumigen Aquarien wurden sie
bereits gezüchtet. Das Flösselhecht-Paar verteilt seine Eier mehr oder
weniger wahllos im Becken. Aus den zu Boden gesunkenen mit einem
Durchmesser von nur etwa 2 mm schlüpfen nach 4 Tagen die Larven. Nach
weiteren sechs Tagen können die nun etwa 10 mm langen Larven schwimmen
und fressen. Wenn sie eine Länge von etwa 15 mm erreicht haben, sind
die Außenkiemen der Kleinen deutlich zu erkennen.
Kugelfische als Schneckenvertilger?
Wasserschnecken können im
Aquarium zur Plage werden, wenn sie überhand nehmen und sich dann nicht
mehr als Restevertilger nützlich machen. Stattdessen fallen sie dann
über zartblättrige Wasserpflanzen her. Als Abhilfe werden oft
Kugelfische empfohlen. Tatsächlich fressen diese Fische gern
Wasserschnecken, deren Gehäuse sie mit ihrem schnabelartigen Gebiss
ohne Schwierigkeiten knacken. Somit sind sie in der Tat gute Helfer
gegen eine Schneckenplage. Andererseits sind Kugelfische jedoch gegen
andere Fischarten ausgesprochen unduldsam. Und auch bei solchen
Gelegenheiten wird das kräftige Gebiss eingesetzt! Besser ist es, die
Schnecken doch mit der Hand abzusammeln. man kann sich das erleichtern,
wenn man abends ein Schälchen mit (nicht zu weich-!)gekochten
Kartoffeln in das Aquarium gibt. Bei Dunkelheit kommen die Schnecken
von allen Seiten, um sich über die Nahrung herzumachen. Wer dann spät
abends noch einmal das Licht einschaltet, kann mühelos viele Schnecken
absammeln. Hier noch eine andere Möglichkeit, unliebsame Schnecken los zu werden: Man holt sich eine Raubschnecke (Anentome helena)
ins Aquarium. Bald wird sie auch die letzte Schnecke verzehrt haben.
Aber was dann? - Sie nimmt auch Trockenfutter, aber nur ungern.
Fische aus Glas?
Einige Fischarten sind fast
glasartig durchsichtig. Bei genauerem Hinschauen kann man dann die
Schwimmblase, die Gräten und manches von den Innereien sehen.
Zweifellos ist diese Erscheinung als eine Form der Tarnung zu
verstehen. Fressfeinde haben es mit Glasfischen aus verständlichen
Gründen schwerer, ihre Beutetiere auszumachen.
Das Foto zeigt indische
Glaswelse. Daneben gibt es aber noch andere Glasfische, so die
Glasbarsche aus Hinterindien. Einige der südostasiatischen Exporteure
färben diese Fische künstlich ein und verkaufen dann die so
aufgepeppten Tiere. Es ist nicht bekannt, inwiefern diese Farben den
Fischen schaden und nach einiger Zeit verblassen diese Farben auch
wieder. Tierfreunde sollten solche Praktiken jedoch nicht unterstützen
und künstlich eingefärbte Fische zurückweisen! HTML clipboard
© Dr. Jörg Vierke
Der
Film unten zeigt das Treiben auf einem
Zierfischmarkt in südlichen Thailand! Hier werden neben Kugelfischen,
Goldfischen und Kampffischen auch gefärbte Glasfische angeboten.
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