Lamprologus kungweensis-Männchen mit zwei Weibchen am Schneckenhaus
Not macht erfinderisch: Lamprologus kungweensis
Lamprologus kungweensis - Männchen
Nicht alle Verhaltensweisen, die man im Aquarium beobachtet, sind natürlich. Not macht auch bei Fischen erfinderisch.
Im Nordosten des Tanganjika-Sees im Gebiet der Kungwe Bay lebt Lamprologus kungweensis. Diese nur 4 cm groß werdenden Fische (nach anderen Angaben bis 8 cm!) leben auf sandig-schlammigem Untergrund. Die Weibchen haben eine markante Zeichnung in der Rückenflosse (vgl. Foto rechts), die die Männchen nur im Ansatz zeigen.
Lamprologus kungweensis wurde ursprünglich zu den Schneckencichliden gezählt und in der Not brüten die Fische tatsächlich in Schneckenhäusern oder in entsprechenden Plastikröhren (im Aquarium!). In der Natur graben sie sich jedoch bis zu 15 cm lange Röhren in den schlammigen Untergrund, in denen sie auch ablaichen.
Die Brut wächst überraschend schnell heran. Aber sollte man die Fische auch halten? Auf der Roten Liste der gefährdeten Arten (IUCN) werden sie als "Critically endangered" eingestuft.
Alles Sport bei den Malabarbarben?
Natürlich nicht, aber die Art, wie die Tiere um ihren sozialen Rang in der Gemeinschaft kämpfen, ist bei den Malabar-Bärblingen Devario aequipinnatus recht originell. Die beiden Rivalen schwimmen mit äußerster Kraft direkt nebeneinander hin und her. Es ist ein regelrechtes Wettschwimmen, bei dem es darauf ankommt, dem anderen eine Kopflänge voraus zu sein. Am Ende des Schwimmraumes wenden die Kämpfer blitzschnell, und das Wettschwimmen nimmt seinen Fortgang. Dabei hat der Unterlegene die Chance, etwas früher als der andere zu wenden und so seinerseits nach vorn zu kommen. Mit kräftigen Flossenschlägen muss der Stärkere sich dann wieder an die Spitze setzen. Dieser Kampf kann stundenlang dauern, und es liegt auf der Hand, dass das außerordentlich anstrengend ist. Aber nicht nur das! Vermutlich ist es für den an zweiter Position schwimmenden Fisch auf die Dauer auch schmerzhaft. Er erfährt über sein Seitenlinienorgan sehr hautnah die Flossenschläge seines neben ihm schwimmenden Rivalen!
Salmler mit Schaumnestern
Wohl jeder Aquarienfreund hat schon davon gehört, dass Labyrinthfische Schaumnester errichten, unter ihnen ablaichen und die Eier und die sich entwickelnden Larven in diesen Nestern versorgen. Das gilt zwar nicht für alle Labyrinthfische, aber doch für die meisten. Auch einige Welse gehören zu den schaumnestbauenden Brutpflegern.
Weniger bekannt ist, dass es auch unter den Salmlern zumindest eine Art gibt, die ein massives und sehr haltbares Schaumnest an der Wasseroberfläche baut, in dem sie ihre Brut aufzieht und energisch verteidigt. Die Rede ist von Hepsetus odoe, dem Afrikanischen Hechtsalmler. Einigen Aquarianern ist die Zucht dieser schönen Fische bereits gelungen.
Kopfsteher fressen Segelflosser
Zugegeben, die Überschrift ist etwas reißerisch! Dennoch: es ist bekannt, dass Segelflosser (Pterophyllum scalare) wie auch die Diskusfische (siehe unten!) zu bestimmten Zeiten ein wohlschmeckendes oder zumindest energiehaltiges Körpersekret absondern. Die Jungfische wissen das und weiden ihre Eltern regelrecht ab - bei den Diskusfischen ist das die Regel, hin und wieder beobachtet man das aber auch bei Schlangenkopffischen (7.2. Regenbogen-Channa), sowie bei anderen Buntbarschen, so auch beim Segelflosser. Diese Absonderung bleibt oft auch den Prachtkopfstehern (Anostomus anostomus) nicht verborgen. Sie haben raspelharte Zähne, mit denen sie die Segelflosser abweiden (vgl. die nebenstehende Abbildung). Die flächigen Buntbarsche haben keine Chance gegen die wendigen Kopfsteher. Ihnen werden Wunden beigebracht, die leicht verpilzen und zum Tod der großen Fische führen. Fazit: Segelflosser und Kopfsteher sollte man lieber nicht zusammen halten!
Nachsatz: Einige Autoren stufen Anostomus als "Putzerfische" ein, vergleichbar den im Meer lebenden Labroides dimidiatus. Wie im entsprechenden Kapitel erwähnt >>> gibt es in der Tat auch derartige Beziehungen unter Süßwasserfischen. Das oben beschriebene Verhalten hat mit "Putzen" aber zweifellos nichts zu tun!
Schützenfisch Colisa lalia
Dass die Schützenfische Toxotes jaculatrix und Toxotes chatareus mit Wassertropfen nach Beutetieren außerhalb des Wassers jagen, ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass auch die Colisa-Arten sich auf diese Jagdlist verstehen. Zwar schaffen die Colisas gerade mal eine Schußweite, die etwa ihrer eigenen Körperlänge entspricht, aber sie schießen im Gegensatz zu den echten Schützenfischen gleich eine ganze Salve von schnell aufeinander folgenden Spucktropfen ab. Das ist gewissermaßen das Maschinengewehrprinzip. Und wie ein MG-Schütze streichen sie auch über das Ziel, so dass sie es kaum verfehlen können! Das nebenstehende Foto zeigt ein Colisa lalia-Männchen gerade in dem Moment, in dem es einen Wassertropfen abschießt. Es reicht, um kleine Beutetiere ins Wasser zu schwemmen.
Maulbrüter tragen ihre Brut vor allem deswegen im Maul, um sie vor Freßfeinden zu schützen. Das machen so auch einige Harnischwelse aus der Loricaria Verwandtschaft. Sie leben in Zonen, in denen keine oder nur wenige natürliche Laich- und Bruthöhlen vorkommen. Allerdings ist ihre Art der Maulbrutpflege außergewöhnlich: Während der Laichzeit vergrößert sich die Unterlippe des Männchens so enorm, dass darin sein ganzer Laichballen Platz findet. Bis zum Schlupf der Brut trägt der Vater die Nachkommenschaft auf diese Weise vor Freßfeinden geschützt herum.
Ein Fisch, der seine Eier außerhalb des Wassers ablegt!
Der nur etwa fingerlange Spritzsalmler (Copella arnoldi) kennt einen besonderen "Trick", um seine Brut vor Laichfeinden zu schützen. Das paarungswillige Männchen hält nach einem über dem Wasser hängenden Pflanzenblatt Ausschau. Es darf natürlich nicht zu hoch hängen - aber 5 cm dürfen das schon sein. Dann lockt er ein laichbereites Weibchen unter das Blatt. Wenig später springt das Paar gleichzeitig und fast in Körperkontakt aus dem Wasser heraus, um seinen Laich an das Blatt zu kleben. Natürlich fällt das Paar gleich wieder ins Wasser zurück, aber die kurze Zeit reicht zum Anheften und Besamen des Laichs. Anschließend sorgt das Männchen dafür, dass die Eier nicht vertrocknen. In regelmäßigen Abständen spritzt es gezielt mit kräftigen Schlägen seiner Schwanzflosse Wasser gegen das Laichblatt! So werden schließlich auch die frischgeschlüpften Larven zurück in ihren eigentlichen Lebensraum befördert!
Fische mit äußeren Kiemen
Erwachsene Fische haben ihre Kiemen immer unter Kiemendeckeln verborgen. Das ist sinnvoll, denn hier sind diese sehr empfindlichen Atemorgane gut geschützt. Äußere Kiemen findet man bei den Wirbeltieren nur bei Amphibienlarven, zum Beispiel bei den Kaulquappen, und bei einigen sehr altertümlichen Fischen - ebenfalls aber nur im Larvenstadium. Zu diesen Arten gehören die afrikanischen Flösselhechte. Es sind zwar meist recht unverträgliche Raubfische, aber in geräumigen Aquarien wurden sie bereits gezüchtet. Das Flösselhecht-Paar verteilt seine Eier mehr oder weniger wahllos im Becken. Aus den zu Boden gesunkenen mit einem Durchmesser von nur etwa 2 mm schlüpfen nach 4 Tagen die Larven. Nach weiteren sechs Tagen können die nun etwa 10 mm langen Larven schwimmen und fressen. Wenn sie eine Länge von etwa 15 mm erreicht haben, sind die Außenkiemen der Kleinen deutlich zu erkennen.
Kugelfische alsSchneckenvertilger?
Wasserschnecken können im Aquarium zur Plage werden, wenn sie überhand nehmen und sich dann nicht mehr als Restevertilger nützlich machen. Stattdessen fallen sie dann über zartblättrige Wasserpflanzen her. Als Abhilfe werden oft Kugelfische empfohlen. Tatsächlich fressen diese Fische gern Wasserschnecken, deren Gehäuse sie mit ihrem schnabelartigen Gebiss ohne Schwierigkeiten knacken. Somit sind sie in der Tat gute Helfer gegen eine Schneckenplage. Andererseits sind Kugelfische jedoch gegen andere Fischarten ausgesprochen unduldsam. Und auch bei solchen Gelegenheiten wird das kräftige Gebiss eingesetzt! Besser ist es, die Schnecken doch mit der Hand abzusammeln. man kann sich das erleichtern, wenn man abends ein Schälchen mit (nicht zu weich-!)gekochten Kartoffeln in das Aquarium gibt. Bei Dunkelheit kommen die Schnecken von allen Seiten, um sich über die Nahrung herzumachen. Wer dann spät abends noch einmal das Licht einschaltet, kann mühelos viele Schnecken absammeln.
Hier noch eine andere Möglichkeit, unliebsame Schnecken los zu werden: Man holt sich eine Raubschnecke (Anentome helena) ins Aquarium. Bald wird sie auch die letzte Schnecke verzehrt haben. Aber was dann? - Sie nimmt auch Trockenfutter, aber nur ungern.
Fische aus Glas?
Einige Fischarten sind fast glasartig durchsichtig. Bei genauerem Hinschauen kann man dann die Schwimmblase, die Gräten und manches von den Innereien sehen. Zweifellos ist diese Erscheinung als eine Form der Tarnung zu verstehen. Fressfeinde haben es mit Glasfischen aus verständlichen Gründen schwerer, ihre Beutetiere auszumachen.
Das Foto zeigt Indische Glaswelse Kryptopterus bicirrhis. Daneben gibt es aber noch andere Glasfische, so die Glasbarsche aus Hinterindien. Einige der südostasiatischen Exporteure färben diese Fische künstlich ein und verkaufen dann die so aufgepeppten Tiere. Es ist nicht bekannt, inwiefern diese Farben den Fischen schaden und nach einiger Zeit verblassen diese Farben auch wieder. Tierfreunde sollten solche Praktiken jedoch nicht unterstützen und künstlich eingefärbte Fische zurückweisen!
Der Film unten zeigt das Treiben auf einem Zierfischmarkt in südlichen Thailand! Hier werden neben Kugelfischen, Goldfischen und Kampffischen auch gefärbte Glasfische angeboten.