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Foto oben: Bunter Kampffisch Betta macrostoma aus Brunei, Weibchen
Die 10 bedeutendsten Brutpflegestrategien bei Labyrinthfischen
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© Dr. Jörg Vierke
Tiere haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, ihre Art zu
erhalten. Entweder, die Eltern kümmern sich ganz besonders intensiv um
den Nachwuchs, oder sie ersetzen die persönliche Fürsorge durch eine
besonders hohe Eizahl. Bei einer gleichbleibend großen Population wird
jedes Elternpaar im Schnitt nur durch zwei Nachkommen ersetzt.
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| Der kleine
Honigfadenfisch Colisa chuna, ein Männchen im Prachtkleid |
Die Mehrzahl der Labyrinthfische versorgen ihre Eier und die daraus
schlüpfenden Larven. Meist ist die Brutpflege alleinige Aufgabe der
Labyrinthfisch-Väter, aber auch die Mütter haben oft mehr oder weniger
direkt Anteil am Überleben ihrer Brut.
Im weitesten Sinn verfolgt jede brutpflegende Art eine erfolgreiche
Strategie. Das ist auch das Erzeugen sehr vieler, vergleichsweise
kleiner Eier, wenn dadurch das Überleben der Art gewährleistet wird. Am
eindrucksvollsten wird dieser Erfolg dadurch bewiesen, dass gerade die
in ihren Heimatgewässern besonders häufig vorkommenden Arten
(Fadenfische der Gattungen Trichogaster und Colisa) diese
Strategie verfolgen. Als "Brutpflegestrategien im engeren Sinne" möchte
ich hier jedoch evolutive Lösungen verstehen, die die
Überlebenschancen des einzelnen Nachkommen vergrößern. Je geringer
die Eizahl, desto erfolgreicher ist eine so verstandene
Brutpflegestrategie.
Die Labyrinthfischeltern verhalten sich also so, dass ihre
Nachkommenschaft möglichst verlustfrei groß wird. Jede Art hat da ihre
eigenen Tricks, sie verfolgt eine arteigene Brutpflegestrategie.
Natürlich haben die Fische nicht Einsicht in die Folgen ihres
Verhaltens. Ihre Verhaltensweisen sind angeboren und haben sich im
Verlauf der Stammesgeschichte in der Art eines Optimierungsprozesses
herausgebildet. Oft sind solche Entwicklungen noch keineswegs
abgeschlossen und man kann sich mit wenig Phantasie vorstellen, wie die
Entwicklung in der Zukunft weitergehen könnte.
Man kann "Brutpflegestrategien im engeren Sinne" als evolutive
Lösungen definieren, die die Überlebenschancen des einzelnen
Nachkommen vergrößern. Hier sollen die wichtigsten der bei asiatischen
Labyrinthfischen aus der Familie der Belontiiden vorkommenden
Strategien vorgestellt werden. Die Mehrzahl dieser Strategien wird
innerhalb der Arten regelmäßig angewandt, wie Schaumnestbau,
Maulbrüten, Klumpenbildung und manches andere. Einige Strategien sind
aber keinesfalls regelmäßig zu beobachten, wie beispielsweise die
Strategie des Junge-Einsammelns beim Siamesischen Kampffisch Betta splendens. Ich will hier die wichtigsten 10 Strategien aufzählen und an Beispielen vorstellen.

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| | Der
Schaumnestbauer Colisa labiosa, das Weibchen (Vordergrund) leitet
die Paarung ein. |
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1. Schaumnestbau an der Wasseroberfläche: Da
Fische dieses Fortpflanzungstypes innerhalb der Belontiiden zu den
Arten mit der größten Eizahl und den kleinsten Eiern gehören, kann man
diese Strategie als weniger fortgeschritten betrachten. Jedoch ist der
Schaumnestbau im Vergleich zu anderen Labyrinthfischen, die ihren Laich
nicht betreuen (Helostoma, Anabas, viele Ctenopoma-Arten), durchaus eine Brutpflegestrategie im engeren Sinne.
Verschiedentlich wird argumentiert, das Schaumnest diene in erster
Linie zur Versorgung der Brut mit Sauerstoff. Natürlich ist dieses
besonders in warmen Gewässern bedenkenswert. Andererseits wird aber
gerade bei den Arten, deren Eier leichter als Wasser sind, deutlich,
dass das Schaumnest in erster Linie die Funktion hat, den Laich
zusammenzuhalten. Im Aquarium zeigt sich namlich, dass die
Entwicklungsraten der Eier, die ohne Schaumnest gehalten werden, denen
der im Schaumnest belassenen Eier um nichts nachstehen.
Gleichzeitig dient das Schaumnest auch dazu, das Gelege an aus dem
Wasser herausragenden Pflanzenteilen (z. B. Reispflanzen) zu
verankern. Das gilt für Fadenfische mit ihren Schwimmeiern, aber auch
für die Formen mit schwereren Eiern wie Knurrende Guramis (Trichopsis) und Kampffische (Betta),
für die das Schaumnest darüber hinaus eine Floßfunktion übernimmt.
Andere verschiedentlich diskutierte Aufgaben der Schaumnester
(antibakterielle Wirkung des Schaums, optisches Zentrum des
Laichreviers) einschließlich der oben erwähnten Versorgung der Brut
mit Sauerstoff, treten dagegen in den Hintergrund.
Auch unter den Schaumnestbauern gibt es deutliche Unterschiede in
der Art und der Intensität der Brutbetreuung. Bei den Sinkei-Formen
muss der Vater, oft zusammen mit der Mutter, dafür sorgen, dass die
Laichkörner ins Nest gebracht und an die Schaumblasen geklebt werden.
Bei den Schwimmei-Formen steigt der Laich von selbst nach oben in das
Schaumnest. Einige Arten (z.B. Colisa labiosa) lassen es dabei bewenden, andere (z.B. der Zwergfadenfisch Colisa lalia) sammeln abgedriftete Laichkörner einzeln wieder ein.

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| | Männchen des
Gestreiften Fadenfisches (Colisa fasciata) |
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| | Rote
Spitzschwanzmakropoden Pseudosphromenus dayi legen ihre Nester
bevorzugt in Höhlen oder wie hier versteckt unter einem Blatt an. |
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Diese Unterschiede im Verhalten erklären sich leicht durch den verschiedenen Bau des Nestes. Der Dicklippige Fadenfisch (C. labiosa) hat, wie auch der Gestreifte Fadenfisch (C. fasciata)
und verschiedene andere Labyrinthfische, ein nur aus wenigen
Schaumlagen bestehendes, sehr lockeres Schwimmnest, das jedoch eine
weite Fläche am Wasserspiegel einnimmt. Daher landen alle der nach
dem Laichen nach oben schwebenden Eier ohne Probleme im Nestbereich.
Der Durchmesser des mit Pflanzen durchsetzten und sehr kompakten Nestes
des Zwergfadenfisches (C. lalia) ist dagegen selten größer als
6 cm. Hier ist es notwendig, einen großen Teil des Laichs
einzusammeln, wenn er im Nest zusammengehalten werden soll.
Unter den Schaumnestbauern gibt es zwei Arten (den Zwergfadenfisch Colisa lalia und den Mondscheinfadenfisch Trichogaster microlepis),
die ihr Schaumnest regelmäßig mit Pflanzenteilen ausbauen. Das
Pflanzenmaterial gibt dem Nest nicht nur zusätzliche Festigkeit, es
dient als "Infusorienbrutkasten" zusätzlich auch der Bereitstellung
von Nahrung für die Brut gleich nach dem Selbständigwerden.
Die kleinen, meist glasklaren Eier sind zwischen den Schaumblasen
nur schwer zu finden. Daher bedienen sich einige Arten einer
besonderen Zusatz-Strategie, die ich als "Laichspucken" bezeichne.
Die Männchen stellen sich nach dem Ablaichen an den Wasserspiegel und
spucken Wassertropfen in die Luft. Die ins Schaumnest gefallenen
Spucktropfen reißen die zwischen den Blasen enthaltenen Eier in
tiefere Wasserschichten, wo sie durch ihre Bewegung jetzt leichter
aufgefunden und eingesammelt werden können. Man sieht dieses
keinesfalls immer auftretende Verhalten besonders bei Colisa chuna, Trichogaster trichopterus und Macropodus opercularis.
2. Versteckbrüten: einige Arten
pflegen Laich und Larven ausschließlich oder bevorzugt in Höhlen. Es
sind ausnahmslos Formen, deren Eier schwerer als das Wasser sind, also
mit Sinkeiern. Sie legen unter dem Höhlendach vollständige oder auch
nur rudimentäre Schaumnester an. Die Eier und die Larven werden
vorzugsweise an diesen Blasen angeheftet, seltener auch an
Festsubstraten. In der Natur befinden sich diese Höhlen wahrscheinlich
vorwiegend unter Baumwurzeln, unter Blättern und in dichten
Pflanzenbüscheln, im Aquarium werden ersatzweise auch Steinhöhlen
angenommen.
Es gibt Arten und Gattungen, die ihre Nester allem Anschein immer in
Höhlen oder unter Blättern anlegen (Prachtzwergguramis aus der Gattung Parosphromenus) und andere, die auch an der Oberfläche Schaumnester bauen, wenn keine Höhlen zur Verfügung stehen (Spitzschwanzmakropoden, Pseudosphromenus-Arten).
Dem Freilandbeobachter sind die versteckt angelegten Nester weit
weniger offensichtlich als die Schwimmnester. Daher werden sie leicht
übersehen.
Der Knurrende Gurami (Trichopsis vittata) laicht wenn immer
möglich in Höhlen ab, pflegt dort auch den Laich, zieht dann aber mit
den geschlüpften Larven zu einem am Wasserspiegel errichteten
Schaumnest um.

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| | Belontia
signata-Männchen beim Versorgen des Laichklumpens. |
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| Nach der Paarung wartet das unter dem Weibchens stehende B. smaragdina-Männchen auf die Eier, die jetzt einzeln nach unten rieseln.
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3. Klumpenbildung: Arten aus verschiedenen Familien (Macropodus ocellatus, Belontia signata, Colisa chuna, Betta bellica, Trichopsis pumila)
lassen bald nach dem Ablaichen ihr oft schon von vorneherein
unvollständiges Schaumnest zerfallen. Der Laich wird dann zu kompakten
Haufen zusammengetragen. Die vom Speichelsekret umhüllten Eier kleben
aneinander, müssen aber im Hinblick auf den notwendigen Gasaustausch
ständig umgeschichtet werden. Diese Strategie erfordert unablässigen
Einsatz des Vaters. Sie hat sich sowohl bei Formen mit Schwimmeiern
verwirklicht als auch bei Sinkei-Formen. Bei der letzten Gruppe
befinden sich allerdings immer noch einige Schaumblasen zwischen den
Eiern (Floßfunktion). Die Klumpenbildung hat den Vorteil, dass der so
untergebrachte Laich besser versteckt und verteidigt werden kann.
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| Das Trichopsis vittata Männchen schnappt sich ein Laichpaket
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| Bei Pseudosphromenus dayi riesen die Laichkörner ungeschützt zu Boden
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4. Laichpakete: Fast alle Labyrinthfische geben Laichkörner ab, die nach der Ei-Abgabe sofort auseinanderfallen. Die Knurrenden Guramis (Trichopsis-Arten)
machen hiervon eine bemerkenswerte Ausnahme. Sie geben ihren Laich als
verklebten Klumpen ab. Beim Ablaichen wird er regelrecht aus der
weiblichen Genitalöffnung herausgeschossen. Innerhalb von
Sekundenbruchteilen schnappt das darauf schon wartende Männchen das
gesamte Laichpaket (Abb. rechts!) und bringt es dann ins Nest. Daher werden sehr kurze Paarungszeiten möglich. Beim Knurrenden Zwerggurami T. pumila
dauert die Paarung vom Beginn der Umschlingung bis zur Aufnahme des
Laichs im Mittel nur 2 Sekunden. Hierdurch wird es auch möglich, dass
die Paarung nicht in unmittelbarer Nestnähe erfolgen muss. Das Nest
kann daher in kleinsten Pflanzenbüscheln versteckt werden, unter denen
eine Paarung nicht stattfinden könnte.Der kurze Foto-Film unten auf
dieser Seite veranschaulicht das!
5. Taschenbildung: Rote Spitzschwanzmakropoden (Pseudosphromenus dayi) haben eine ausgesprochen riskante Ablaichstrategie (Abb. rechts): Beim Ablaichen rieseln die Eier ungeschützt zu Boden. Besser ist das schon bei den Siamesischen Kampffischen (Betta splendens) und bei den Smaragdkampffischen (Betta smaragdina).
Auch hier hängt das Weibchen direkt nach der Paarung wie im Trance an
der Wasseroberfläche und läßt seine weißen Eier einzeln nach unten
rieseln. Aber dann hat sich das Kampffischmännchen bereits von seiner
Partnerin gelöst und stellt sich direkt unter das Weibchen. Dann
schnappt es die nach unten rieselnden Eier einzeln auf. Das Foto links zeigt diese Situation bei Betta smaragdina! Oft erfolgt dann
noch zusammen mit dem Weibchen eine Nachsuche am Boden nach
möglicherweise übersehenen Eiern. Es ist aber klar, daß Laichfeinde
auch bei dieser Art des Ablaiches gute Chancen haben, einen Teil des
Laiches zu bekommen. Immerhin ist das hier geschilderte Verhalten von B. splendens und B. smaragdina schon fortgeschrittener als das der
Spitzschwanzmakropoden. Bei denen bleibt das Männchen meist fast so
lange wie das Weibchen in der Starre oder sogar länger. Hier werden nur
wenige Eier noch im Fallen erwischt. Die Fische müssen daher die
meisten Eier am Boden suchen.
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| Taschenbildung bei Betta bellica |
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| Maulbrütende Sumatra-Kampffische Betta falx bei der Laichübergabe
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Der Kämpferische Kampffisch Betta bellica hat dagegen eine
Methode entwickelt, die die besonders riskanten Stadien (nach unten
rieselnde Eier, am Boden liegende Eier) umgeht. Das Weibchen gibt
seine Eier in eine Flossentasche ab, die es aus seinen Brustflossen
gebildet hat und hält sie so an seinem Körper fest. Das Foto rechts
zeigt diese Situation deutlich. Der vergrößerte Ausschnitt läßt die
Laichkörner deutlich erkennen. Nun kann der Vater (links im Bild) die
Eier in aller Ruhe aus der Tasche aufsammeln und ins Schaumnest
bringen. Anmerkung: Das Foto verdeutlicht natürlich auch sehr gut die 3. Strategie - Klumpenbildung (siehe oben!). -
Gelegentlich kann man eine derartige Taschenbildung auch bei einigen
anderen Kampffisch-Arten beobachten. Dort geschieht das jedoch nicht
regelmäßig und erscheint dem Beobachter immer wie zufällig. Immerhin
sieht man dort, wie ein derartiges Verhalten entstehen kann.
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| | Schüsselbildung
beim Faden-Prachtzwerggurami (Parosphromenus filamentosus) |
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6. Schüsselbildung: Es gibt eine weitere Methode, das Zu-Boden-Rieseln des Laichs direkt nach dem Ablaichen zu verhindern. Die Abbildung vom Faden-Prachtzwerggurami (Parosphromenus filamentosus)
links verdeutlicht sie. In diesen Fällen ist es das Männchen, das
länger in der Laichstarre verharrt. Es formt mit seinem Körper und den
unpaaren Flossen eine Schüssel, in der die Eier nach dem Ablaichen
zunächst verbleiben. Auf dem Foto sind sie als helle Masse zu erkennen.
Das Weibchen schnappt den Laich hier nun auf und bringt ihn entweder
selbst in das Nest oder übergibt ihn durch Vorspucken dem Männchen.
Man findet Schüsselbildung bei den Zwergprachtguramis (Malpulutta und Parosphromenus-Arten) und den meisten maulbrütenden Kampffischen.
7. Maulbrüten: Im
Gegensatz zu Cichliden, bei denen Maulbrüten vor allem bei Bewohnern
von Stillwassergebieten vorkommt, findet man unter den Belontiiden
Maulbrüter ganz vorwiegend in langsam oder auch stärker strömenden
Gewässern. Die Schaumnestbauer dagegen sind eher in stehenden
Gewässern anzutreffen. Das trifft besonders für die Schaumnestbauer zu,
die ihre Nester direkt am Wasserspiegel anlegen. Versteckbrüter wie
die Prachtzwergguramis (Parosphromenus-Arten) findet man mit ihren mehr oder weniger rudimentären Schaumnestern oft auch in langsam fließenden Gewässern.
Ohne Zweifel ist Maulbrüten im Bereich der Labyrinthfische nicht nur
eine Anpassung an Fressfeinde, sondern ebenso eine Anpassung, die dem
Abtreiben des Laichs vorbeugt. Das ist bei den Cichliden, die ihren
Laich an Substrate ankleben können, nicht erforderlich gewesen.
Viele Betta-Arten sind Maulbrüter. Das Weibchen legt den
Laich in eine Körperbeugung des Männchens, aus der es dann die Eier
aufschnappt. Es findet also eine Schüsselbildung wie oben bei Parosphromenus filamentosus
gezeigt statt. Anschließend spuckt das Weibchen die Eier einzeln oder
in kleinen Portionen dem Männchen vor, das sie dann aufschnappt und für
etwa zwei Wochen in seinem Kehlsack verstaut. Bei einigen Arten geht
die Eiübergabe blitzschnell von Maul zu Maul, bei anderen ist es ein
langwieriges Vorspucken und Wiederaufnehmen der Eier.
Unabhängig von der Gattung Betta (Kampffische) tritt Maulbrüten innerhalb der Belontiiden auch in den Gattungen Sphaerichthys (Schokoladenguramis) und Ctenops (Spitzkopfgurami) auf, möglicherweise auch bei Parasphaerichthys.

Fotos links und rechts: Der kleine maulbrütende Kampffisch Betta channoides, links das Männchen, rechts bei der Paarung. - Achtung: Unter "1.1. Wissenswertes" finden Sie einen Videofilm zum Fortpflanzungsverhalten dieser Art!
Ansätze zur Maulbrutpflege kann man bei verschiedenen Arten
beobachten. So beobachtete ich bei einem durch Photoblitze
beunruhigten Belontia signata-Vater, dass er seinen an der
Wasseroberfläche zusammengetragenen Laichklumpen mit wenigen
Schnappbewegungen im Maul verstaute und sich mit ihm für einige Minuten
hinter einen Stein in Bodennähe zurückzog. Danach entließ er die Eier
wieder am alten Platz.
8. Weibchen als Ersatzbrutpfleger:
Normalerweise ist innerhalb der brutpflegenden Labyrinthfische die
Vaterfamilie üblich. Die Laich- und Larvenbetreuung ist Aufgabe des
Männchens. Es erstaunt im Vergleich zu den Cichliden, dass die
Labyrinthfischeltern (mit der bemerkenswerten Ausnahme von Belontia signata)
die Brut nicht gemeinsam verteidigen. Das hängt damit zusammen, dass
junge Labyrinthfische keinen Schwarmzusammenhalt kennen, dass sie also
nicht, wie bei den meisten Cichliden üblich, geführt werden können.
Offenbar wäre aber erst in diesem Stadium der zweite Elter wirklich
gefordert. Zumindest zeigen viele Buntbarsche, dass die Pflege der
Eier und der noch schwimmunfähigen Larven ausgezeichnet allein von
einem Elternteil (hier der Mutter) übernommen werden kann, dass der
andere dann aber beim Führen der Brut gebraucht wird (Beispiel:
verschiedene Pelvicachromis- und Apistogramma-Arten).
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| Auch Paradiesfisch-Weibchen (hinten rechts) Macropodus opercularis stehen als Ersatz-Brutpfleger für den Fall bereit, dass dem Vater ihrer Brut etwas zustößt.
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Immerhin halten sich bei den oben als Beispiel genannten
Zwergcichliden die Väter in der Nähe auf und sind bereit, das Revier
ihres Weibchens mit der Brut zu verteidigen. Entsprechendes kann man
bei einigen Belontiiden beobachten, vor allem beim Siamesischen
Kampffisch Betta splendens. Hier kann man in großen Aquarien
durchaus beobachten, dass die Weibchen sich gelegentlich an der
Mitverteidigung des Reviers beteiligen. Zweifellos stehen sie aber auch
als Ersatz-Brutpflegerinnen bereit. Wenn man im Experiment bald nach
dem Ende des Ablaichens das Männchen herausfängt, ist das Weibchens
willens und in der Lage, alle Brutpflegehandlungen zu übernehmen, die
sonst der Vater allein vorgenommen hätte.
Auch bei vielen anderen Sinkeiformen gibt es Weibchen als
Ersatzbrutpfleger, ebenso beim Makropoden, einem
Schwimmeierproduzenten. Dagegen fressen Zwergfadenfisch-Weibchen ihr
Gelege regelmäßig, wenn sie nicht von ihren Männchen daran gehindert
werden.
9. Versorgung der schon freischwimmenden Brut: Viele Labyrinthfische stellen ihrer freischwimmenden Brut nach. Bei einigen Arten (z. B. beim Punktierten Fadenfisch Trichogaster trichopterus und bei den Prachtzwergguramis Parosphromenus)
haben die Altfische jedoch ihrer Brut gegenüber eine mehr oder
weniger stark ausgebildete Fresshemmung. Zumindest im Aquarium zeigt
es sich, dass auch schon die seit langer Zeit freischwimmende Brut von
keinem der Eltern verfolgt wird, obwohl sie von der Größe her
fresstauglich wäre.
Wenn ein oder beide Eltern ihr Revier auch nach dem Freischwimmen
der Brut verteidigen und die Jungen im Revierbereich verbleiben, werden
die Jungen noch indirekt von den Eltern geschützt. Belontia signata-Eltern sichern ihre Brut auf diese Weise in den ersten Lebenswochen .
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| Parosphromenus alfredi vor seiner Laichhöhle
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| Dunkler Kampffisch
Betta persephone, Männchen im Prachtkleid |
Entsprechendes beobachtet man bei Prachtzwergguramis. Junge Parosphromenus alfredi
kehren auch viele Tagen nach dem Freischwimmen in ihre vom Vater auch
weiterhin bewohnte und gegen andere Tiere verteidigte Bruthöhle zurück.
Hier sind die Verhältnisse exakt so, wie es der Cichlidenfreund von den
Julidochromis Arten her kennt.
Ansonsten ist ein Versorgen der Jungen wegen ihres fehlenden Schwarmzusammenhalts schwierig. Betta splendens
Väter sammeln ihre schon freischwimmende Brut mit Hilfe von
Vibrationssignalen ein, die die Kleinen anlocken. Dieses Verhalten
tritt nicht regelmäßig auf. Ich kenne langjährige Kampffischzüchter,
die es nie beobachten konnten! Ich konnte dokumentieren, dass diese
Art des Einsammelns auch bei splendens-Müttern auftreten kann, wenn sie als Ersatzbrutpflegerinnen wirken.
10. Größere Weibchen: bei fast
allen Belontiiden sind die Männchen mehr oder weniger deutlich größer
als die Weibchen. Das erklärt sich aus ihrer Aufgabe als Revierbesitzer
und Brutpfleger. Bezeichnenderweise ist es bei den Zwergformen genau
umgekehrt. Sehr kleine Weibchen sind offensichtlich stark
benachteiligt, da sie zu wenig Laich produzieren können. Man trifft
diese Verhältnisse bei einigen Prachtzwerggurami-Arten an (besonders
bei Parosphromenus parvulus), beim Knurrenden Zwerggurami Trichopsis pumila (nicht beim größeren Trichopsis vittata) und beim Honigfadenfisch Colisa chuna (nicht bei den anderen, größer werdenden Colisa-Arten).
Diskussion
Es ist leicht zu erkennen, dass kaum eine der vorgestellten Arten
nur einer einzigen Brutpflegestrategie folgt. Der Knurrende
Zwerggurami Trichopsis pumila verfolgt 4 der oben
vorgestellten Strategien: Versteckbrüten, Klumpenbildung, Laichpakete,
größere Weibchen. Beim Siamesischen Kampffisch Betta splendens
lassen sich 3 Strategien zeigen: Schaumnestbau an der Wasseroberfläche,
Weibchen als Ersatzbrutpfleger, Versorgung der schon freischwimmenden
Brut. Weitere Beispiele lassen sich unschwer finden. Es ist üblich,
dass sich verschiedene Brutpflegestrategien kombinieren. Letztlich wird
damit der Erfolg vergrößert.
Weiterhin fällt auf, dass viele gleichartige Strategien in
verschiedenen Gattungen auftauchen. Beispielsweise findet man
Klumpenbildung beim Schwimmeier-Produzenten Belontia, beim Sinkei-Produzenten Trichopsis, aber auch bei einzelnen Vertretern aus den Gattungen Colisa, Macropodus und Betta.
Zweifellos wurden diese Verhaltensweisen unabhängig voneinander
erworben. Entsprechendes gilt für das gleichzeitige Auftreten in
verschiedenen Gattungen vom Versteckbrüten, Maulbrüten und vielleicht
selbst beim Schaumnestbau, wenn man dort Schwimmei- und Sinkeiformen
gegenüberstellt.
Anmerkung: dieser
Bericht ist eine gekürzte und populärere Fassung meines Aufsatzes
"Brutpflegestrategien bei Belontiiden" in den Bonner zoologischen
Beiträgen 1991, S. 299-324. Bei Interesse können Sie bei mir
Literaturnachweise oder ein "Abstract" per e-mail erhalten.
Kontaktformular unter IMPRESSUM / LINKS
Auf der folgenden
Seite habe ich diverse Daten zum Fortpflanzungsverhalten von über 30
Labyrinthfischarten aufgelistet und interpretiert: Eizahl, Eigröße,
Schlupfdauer u.a. - Dieser Link verweist Sie dahin: Labyrinther
Hier noch ein wichtiger Zusatz zu den Namen: In den
Publikationen der letzten Jahre ist im Hinblick auf die
wissenschaftlichen Namen der Fadenfische blankes Chaos ausgebrochen.
Die seit den dreißiger Jahren fest in Wissenschaft und Aquaristik
etablierten Namen Colisa sollen durch Trichogaster und und der jetzige Trichogaster soll durch Trichopodus ersetzt werden. So kommt es, dass der Gestreifte Fadenfisch Colisa fasciata heutzutage ernsthaft als Trichogaster fasciatus oder gar als Polyacanthus fasciatus bezeichnet wird. Ich habe gute Gründe, zumindest jetzt noch bei den alteingeführten Namen zu bleiben! Mehr Informationen hierzu bei "Fischreisen"! HTML clipboard
© Dr. Jörg Vierke |