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Finding Seadragons!

© Dr. Jörg Vierke 5.2013

Kaum eine andere Fischart ist auch nur ansatzweise so pefekt getarnt wie die Fetzenfische! Sie im Freiwasser zu entdecken ist nahezu unmöglich, es sei denn, man hätte ein gut geschultes Auge oder die Hilfe eines entsprechenden Guides.

Fetzenfische sehen aus wie die Drachen, die bei großen chinesischen Volksfesten gezeigt werden! Aber als Meeresfische können sie natürlich nicht Feuer speien! Im Aquarium begegnet man den Seedrachen nur sehr selten. Es sind ausgesprochen empfindliche Tiere. Im Film zeige ich neben den Unter-Wasser-Aufnahmen im heimischen Lebensraum der Seedrachen, Szenen, die ich im besuchenswerten "Aquarium of Western Australia" (AQWA) in Perth erstellen konnte. Der Pflege der schwierig zu haltenden Seedrachen wird hier besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Neben dem normalen Seedrachen Phyllopteryx taeniolatus hält man hier auch den Leafy Seadragon Phycodurus eques.

Normaler Seedrachen Phyllopteryx taeniolatus(AQWA)
Ein Nudibranch der Art Ceratosoma brevicaudatum
 Der Schmetterlingsfisch Chelmonops curiosus im Jugendstadium
Cliona_intesinalis.jpg
Die Blaue Ascidie Ciona intesinalis
Rote Einsiedlerkrebse, vermutlich Paguristis frontalis.
seadragon1.jpg
Phycodurus eques

Die blattartigen Körperanhänge der Leafy Seadragons sind Tangbüscheln nachempfunden!
Beblätterter Fetzenfisch, Leafy Seadragon Phycodurus eques
Seestern (Asterias amurensis) unter dem Kingscote Jetty
Ein Fingerflosser, Cheilodactylus nigripes, Magpie perch und Seewalze, Kingscote
Zebra.jpg
Schwarm Girella zebra
Orangfarbener Kugelschwmm Tethya spec.

Diese bis zu 46 cm lang werdenden Fische leben in stark verkrauteten Küstengewässern. Im Deutschen nennt man sie Fetzenfische; die Bezeichnung "Seedrachen" bzw. Seadragon, gefällt mir jedoch weit besser! Es ist logischerweise nicht leicht, derart perfekt getarnte Tiere im Freiwasser zu finden. Ich hatte mich an verschiedenen Stellen auf die Suche gemacht - zunächst vergeblich!

Die Seedrachen führen an der Küste Süd- und Südwest-Australiens ein heimliches Leben zwischen Tangbüscheln. Gern halten sie sich in etwa 5 m Tiefe unter den hier häufigen alten Anlegestegen, den Jetties, auf. - Ihre Kopfregion macht deutlich, dass sie in die nahe Verwandtschaft der Seepferdchen gehören. Ihnen fehlt allerdings der für Seepferdchen typische Klammerschwanz. Ebenso haben sie nicht wie Seepferdchen Brutbeutel für ihre Nachkommenschaft. Seedrachenweibchen kleben den befruchteten Laich einfach an den Schwanzstiel der zukünftigen Väter! Die Brut entwickelt sich dort ovovivipar (vgl. Stichwort im Biokurs "Fortpflanzung" >>>)

Speziell die Leafy Seadragons, die "Beblätterten" also, leben nur in den kühlen Gewässern an der südaustralischen Küste. So sollen bis zu 35 cm lang werden. Diese Aushängeschilde der Marine Südaustraliens sind in ihrem Bestand gefährdet. Auf der IUCN Red List werden sie unter NT (Near Threatened) geführt.

Meine Suche begann im Norden von Känguru-Island in der vor American River gelegenen Bucht. Obwohl hier auf der Südhalbkugel jetzt Sommer ist (Februar!), ist das Wasser kühl. Man sollte sich ruhig daran erinnern, dass das südliche Gegenufer dieses Teiles des Indopazifiks aus den Eisbergen der Antarktis besteht! Das Wasser ist an dieser Stelle sehr flach, zu flach für Seedrachen, wie ich mittlerweile weiß! Auch die Pflanzen, Tasmans Aal Gras Heterozosta tasmanica und Caulerpa, haben keine Ähnlichkeiten mit dem Seedrachen - zwischen ihnen dürfte man die perfekt angepassten Fische nicht finden!

Um es kurz zu machen: Meine Suche hier blieb erfolglos. Ich versicherte mich nun professioneller Hilfe. Im unweit gelegenen Kingscote direkt am Jetty gibt es eine Tauchbasis. Hier erkundigte ich mich und buchte einen Tauchgang! Am 24. 2. gegen Mittag ging es los! - Es war zwar einer meiner teuersten Tauchgänge und er ging nur auf gut 5 m Tiefe.

Zusammen mit einem weiteren Mittaucher blieben unser Guide und ich - etwa 70 Minuten - direkt im Bereich des Kingscote-Jetty. Einige Seedrachen kamen uns vor die Linse und manches andere Schöne. Der Tauchgang hatte sich gelohnt! Der Bewuchs der hölzernen Pfosten des alten Jetty war sehenswert.

Auch zahllose Fische begrüßten uns: Zunächst ein etws größerer Trupp Gelbkopf-Hulafische bzw. Noarlunga Hulafish (Trachinops noarlungae). Diese für Südaustralien endemischen Fische erreichen gerade mal eine Länge von 15 cm. Die schlanken, silbrigen Fische mit dem gelben Kopf und der gelben Schwanzflosse stehen gern im schwarmartigen Verband in der Sonne vor einem dunklen Höhleneingang und versuchen hier Planktonorganismen zu schnappen. Sie sollen zu den Mirakelbarschen gehören. Das allerdings sieht man den Fischchen nicht an! Über aquaristische Erfahrungen mit dieser Art ist derzeit nur wenig bekannt. Die Männchen sollen Brutpflege betreiben (Abb. hier >>> ganz unten!).

Auch zahllose Fische begrüßten uns: Moonlighther Tilodon sexfasciatus und die ihnen auf dem ersten Blick recht ähnlichen Westlichen Talma, spitzköpfige Schmetterlingsfische Chelmonops curiosus, die im Jugendstadium einen auffallenden Augenfleck oben am hinteren Ende der Rückenflosse tragen, aber auch die dort als Zebrafische bezeichneten Girella zebra.

Häufig sieht man hier, die schönen und wenig scheuen Barsche Cheilodactylus nigripes (Magpie perch oder magpie morwong). Die nach den auffallenden in Australien schwarz-weißen Vögeln (Magpies) benannten Fische können bis zu einem halben Meter lang werden! Im deutschen Sprachgebrauch benutzt man für diese Barsche im Hinblick auf die verlängerten, dunklen Flossenstrahlen in den Brustflossen gern die Bezeichnung "Fingerflosser". Man kann das auf dem Foto rechts und im Film gut erkennen.

An vielen Orten fielen uns zahlreiche rote Seesterne auf. - Im Bewuchs der Holzpfosten leben Nacktkiemenschnecken, Nudibranchien der Art Ceratosoma brevicaudatum. Als hochspezialisierte Nahrungsspezialisten sind diese Schnecken wie auch ihre zahlreiche farbenprächtige Verwandtschaft nicht für die Aquarienhaltung geeignet. Individuen dieser Art sind oft sehr variabel gefärbt. Typisch für die mehr oder weniger rosa gescheckten Tiere sind ihre dunklen, hell eingefassten Ocellen im Dorsalbereich. Die großen Schnecken können eine Länge von 15 cm erreichen.

Hier treffen wir auch auf attraktive große, rote Einsiedlerkrebse. Dabei handelt es sich vermutlich um Paguristis frontalis. Zwei dieser eindrucksvollen Tiere hatten offenbar miteinander ein Problem.

Senkrecht im sandigen Bodengrund sieht man überall halbeingegrabene, große Steckmuscheln Pinna bicolor. Sie erreichen eine  Länge von einem halben Meter und können bis zu 10 Jahre alt werden!<

Am Boden halten sich diverse Holothurien (Seewalzen) auf. Ich hielt die oft orangeroten etwa faustgroßen bunten Kugeln, zunächst für einen Ascidien (Botrilloides spec.). Tatsächlich handelt es sich bei den ins Auge fallenden Tieren um Schwämme der Gattung Tethya.

Hier begegnen wir dann auch den ersten Phycodurus eques, Leafy-Seadragons! Man sollte diese langsamen Fische auf keinen Fall anrühren und nicht versuchen, sie mitzunehmen. Sobald man sie zur Wasseroberfläche hebt, bekommen Seedrachen dramatische Schwimmblasenprobleme. Erfreuen wir uns am Anblick der seltenen Fische in ihrer angestammten Heimat!

© Dr. Jörg Vierke, 5 2013

Literatur

Kuiter, R.H. (1993): Coastal fishes of south-eastern Australia. University of Hawaii Press. Honolulu, Hawaii. 437 p. - in FishBase 2013: >>>

Morrison, Sue and Ann Storrie (2010): Wonders of Western Waters. Dept. Enviroment and Conservation. Kensington.


Hier der Film: