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Besuch im Unterwasserobservatorium in Busselton – West Australien

© Dr. Jörg Vierke

Die Brücke steht auf 16 m langen Stützpfeilern aus Jarrah (Eucalyptus marginata) Holz. Sie sind an einem Ende zugespitzt und wurden 4 bis 5 m tief in den aus Kalksteinen bestehenden Meeresboden getrieben. Nach einem zerstörerischen Wirbelsturm 1978 musste das ursprüngliche Bretterdeck durch ein stabilisierendes , zwölf Meter breites Betondeck ersetzt werden.

Etwa zwei Drittel der Erdoberfläche sind vom Meer eingenommen. Die allermeisten Menschen kennen die See lediglich von außerhalb, von oben; vom Blick an der Küste, von einer Schiffstour, von einem Angelurlaub oder von einem mehr oder weniger kurzen Bad in den Wellen. Nur wenige ahnen, wie es unter der Wasseroberfläche ausschaut. Wer nicht taucht oder schnorchelt kann sich in einem Unterwasserobservatorium davon überzeugen, wie faszinierend und teilweise filigran und schön die weitgehend noch unerforschte Welt dort unten ist - nicht nur das: Man erkennt, dass das Meer schützenswert ist und unseren Einsatz braucht!

Wir sind in Westaustralien auf dem bekannten Busselton Jetty. Dieser ehemalige Schiffsanlegesteg ist mit 1841 m der längste Holzjetty auf der südlichen Hemisphäre.

Hierher kommen viele Besucher, darunter auch zahlreiche Freizeit-Angler. Dieses Hobby ist in Australien in allen Kreisen und Altersstufen weit verbreitet.

Vor gut 100 Jahren war Busselton der zentrale Umschlagplatz für die mächtigen Jarrah-Holzstämme aus dem Südwesten des Kontinents nach Übersee. Wer die Wälder mit den himmelhoch ragenden Eukalypten im Südwesten Australiens gesehen hat, ist davon bleibend beeindruckt. Für den Export dieses Holzes baute man 1860 den Anlegesteg für Frachtschiffe in Busselton.

Am Ende des Stegs wurde im Dezember 2003 ein sehenswertes Unterwasserobservatorium (UWO) errichtet. Besucher können hier einen Blick aus der Taucherperspektive auf die Unterwasserwelt werfen. Die ist speziell hier besonders reichhaltig. Wie an den Westküsten aller Südkontinente treffen hier eine von Süden kommende kühle, sauerstoff- und nahrungsreiche Strömung (hier: Capes Strom) auf eine südwärts ziehende warme Strömung (hier: Leewin-Strom). In solchen Zonen ist das Meeresleben besonders reichhaltig, denn hier kann man auf Arten aus kühl-gemäßigten Breiten treffen, ebenso auf tropische Arten.

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Über Wasser: Sportangler aller Altersstufen auf dem Busselton-Jetty Unter Wasser: Großer Andrang vor den Fenstern im UWO

Im Schattenbereich unter der Busselton-Seebrücke gedeihen zahllose niedere Tiere auf den Holzunterlagen und immer wieder gibt es überraschenden Fisch-Besuch aus den umliegenden Bereichen der Geographe Bucht! Dieses Gebiet wird zu den Top Ten Tauchplätzen Australiens gezählt.

Im Hinblick auf die zahlreichen Angelsehnen würde ich hier allerdings nicht auf mein Tauchermesser verzichten!

Als ich vor wenigen Jahren in den eindrucksvollen Eukalyptuswäldern des australischen Südwestens zwischen Denmark und Nannup im Karri Country unterwegs war, konnte ich mir nicht vorstellen, was diese Respekt einflößenden Baum-Riesen (sie ragen immerhin bis zu 60 m in den Himmel!) mit Fischen zu tun haben könnten. Aber jetzt hat sich der Kreis geschlossen!

Jetzt im UWO. Eine Gruppe wartet bereits darauf die etwa 8 m über Treppen zum Boden der Geographic Bay zu steigen! Zunächst halten wir beim ersten Fenster im Tidenbereich. Es sind ca. 1 m Tidenhub hier. Nur im Rahmen einer Führung hat man Zugang zum UWO. Die großen Fenster geben  Einblick in die abwechslungsreiche Welt unter Wasser. Sie bestehen aus 100 mm dickem Acrylglas. Sie kosteten jeweils 20000 Austr. $. Das notwendige dicke Glas erschwert das Fotografieren und Filmen. Man muss direkt senkrecht auf die Scheibe halten. Beim Schrägfilmen wird das Ergebnis unscharf und verzerrt. Natürlich ist es auch wichtig, Reflexe aus dem Innenraum zu vermeiden. Bei den zahlreichen Besuchern oft nicht einfach! Das ist in großen Schauaquarien im Prinzip nicht anders.

Das obere Fenster gibt den Blick auf die Gezeitenzone frei. Der Tidenhub beträgt hier gerade mal 1 m. - Die Stützpfeiler aus Jarrah-Holz sind dicht mit wirbellosen Organismen bewachsen: Schwämme, Moostierchen, Ascidien und Korallen. Es dauert etwa 10 bis 12 Jahre bis ein Stützpfeiler so perfekt bewachsen ist.

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Blue-Fish Pomatomus saltatrix
Eubalichthys mosaicus (Ramsay & Ogilby, 1886) Mosaic leatherjacket

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Carijoa spec. (Telesto-Koralle) mit Symbiose-Schwamm

 

Wer könnte wohl besser den Konflikt zwischen Tierfreunden und Hobbyanglern verdeutlichen als dieser Blau-Fisch Pomatomus saltatrix (Fotos oben!)? Der arme Fisch hatte sich einem Schwarm Stachelmakrelen angeschlossen. Er ist mit Angelschnüren und Blinkern dekoriert wie ein Sowjet-General mit Schnüren und Orden aus der Zeit des Kalten Krieges. Aber auch weitere von Anglern lädierte Fische begegnen uns hier.

Sehr eindrucksvoll für mich die dicht mit wirbellosen Tieren bewachsenen Stützpfeiler ein Stockwerk tiefer. Nur der Schatten der Seebrücke ermöglicht hier diesen Bewuchs. Stattdessen würden hier sonnenhungrige Seegräser und Tange wachen. Es dominieren hier die weißen, achtstrahligen Sternchen der Telesto-Koralle (Carijoa spec.), die hier ihre Zweige wie lange Finger ins Wasser strecken. Diese im weiteren Sinne zu den Weichkorallen gezählte Octokoralle lebt hier offenbar in einer Symbiose mit einem gelblichen, bzw. orangefarbenen Schwamm (Hemimycale spec.), der sie in weiten Teilen überkrustet. Der Schwamm bietet mit seinen Skelettelementen Schutz vor Fressfeinden und rauher See; ebenso schützen die Nesselzellen der Korallen vor Räubern. Die vorläufig als Snowflake Soft Coral bezeichnete Species hat derzeit noch keinen wissenschaftlichen Namen. - Nur wer sich die Zeit nimmt, kann an den Zweigen der Telestotentakel sehr gut getarnte Krebse und Schnecken finden.

Dieses von Menschen erschaffene Riff wird regelmäßig von vielen Fischschwärmen besucht, von kleinen Bullseyes und von Trachinops noarlungae, dem Yellowhead Hulafish. - Da hinten scheint ein Elefantenkopf hervorzuschauen. Es sollte sich um den Grauen Hornkieselschwamm Carteriosponga foliascens handeln. - Als schöne blaue Farbtupfer kann man Clavelina molluccensis Blue-throated Ascidian antreffen.

Natürlich gibt es noch weitere interessante Fische zu sehen. Aber wenn die nächste Besuchergruppe bereits wartet, bleibt nicht immer ausreichend Zeit für das Warten auf den Rochen oder den Tintenfisch! Man sieht aber doch mal einen Trupp Drückerfische und verschiedene Falterfische! Dort nähert sich ein eindrucksvolles, typisch gestaltetes und gezeichnetes Tier: Cheilodactylus gibbosus (Western crested morwong), ein für Westaustralien endemischer Fisch.

Zum Schluss noch ein Blick auf die "Sexy Nude". Die Bezeichnung ist gewissermassen halboffiziell: Diese Nacktkiemenschnecke ist wissenschaftlich noch nicht beschrieben. - Auf einer der Scheiben, die den Blick in die Bay freigeben, kriecht der Strudelwurm Eurylepta fuscopunctatus, der Dusky Spotted Flatworm.

Zurück die knappen 2 km bis zum Ende der Seebrücke! Man kann auch die kleine Touristenbahn nehmen. Wer zu Fuss geht, hat allerdings die vage Chance, im Wasser noch zu sehen, wie ein Buckelwal abtaucht (!) oder ein Pinguin vorbeischaut.

Literaturhinweise:

Albrecht, Steffen (2002): Australien Reisehandbuch. Kleve.

Briedahl, Harry. (1997) Australia’s Southern Shores. Environment Australia, Victoria Edgar, G. (1997) Australian Marine Life: The Plants and Animals of Temperate Waters, Australia

Morrison, S and P., Storrie, A. (2003) Beneath Busselton Jetty. Department of Conservation and Land Manag

Morrison, S and P., Storrie, A. (2010): Wonders of Western Waters. Dept. Enviroment and Conservation. Kensington.

NN (2013): Offizielles Informationsblatt zum Busselton Jetty (deutsche Version)

NN (2013): About the UWO / Busselton Jetty >>>

© Dr. Jörg Vierke

 

Im Netz kann man auch zwei Live Underwater Webcams aus dem UWO beobachten! Beachte die Zeitverschiebung; tagsüber in Deutschland ist es in Australien Nacht! Hier der direkte Link zu der betreffenden offiziellen Seite des Busselton UWO mit den Lifecams (sehr zu empfehlen!) und einer englischsprachigen Erklärung : >>>

Machen Sie bitte bei der Meinungsabfrage mit und geben Sie unten einen Kommentar dazu ab! Kann ein Fischfreund gleichzeitig engagierter Aquarianer und begeisterter Hobby-Angler sein? Ich bin an einer regen Diskussion interessiert und mache den Anfang!

 Gelbkopf-Mirakelbarsche, Yellowhead Hulafish Trachinops nuarlungae

Hier der Film zum Busselton Jetty und zum UWO: