Fischverhalten beobachten und verstehen
 
 SUCHE:
 

Besucherzähler


»» Biokurs Typen

Dr. Fischs Bio­kurs für Aquarianer


Was sind Typen?

© Dr. Jörg Vierke


Typus
Bei der wissenschaftlichen Artbestimmung gibt es immer wieder Schwierigkeiten. Oft sind die alten Artbeschreibungen unzugänglich und lassen keine eindeutige Identifizierung zu. Dann dienen hinterlegte, konservierte Bezugsexemplare als das offizielle Richtmaß für die Namen der Arten, die Typen. Die Methode, Namen durch Typen festzulegen, wird als "Typusverfahren" bezeichnet. Typen sind nach Artikel 72f der internationalen Nomenklaturregel "Allgemeingut der Wissenschaft" und sollten daher öffentlichen Institutionen (Forschungsinstitute, Museen o. ä.) übergeben werden.

Ediths Kampffisch, Betta edithae im Aquarium
Dicrossus_filamentosus.jp...
 Der Schachbrett-Buntbarsch (hier ein Männchen) hieß ursprünglich Crenicara filamentosa Ladiges, 1958. Der korrekte Name heute: Dicrossus filamentosus (Ladiges, 1958).
Betta_edithae_Typus1.jpg
Foto vom Holotypus Betta edithae

Betta_edithae_Typus.jpg

Auszug aus der Originalbeschreibung zu Betta edithae mit Angaben zu den Typen, zu ihrem Aufbewahrungsort und zum Fundort. SMF = Senckenberg Museum Frankfurt

Holotypus
Die Festlegung eines Typusexemplars ist für die Gültigkeit eines Artennamens nicht zwingend notwendig. Dennoch wird heutzutage von jedem Zoologen erwartet, dass er bei der Artbeschreibung ein einzelnes Exemplar eindeutig als Holotypus seiner neuen Art festlegt. Dazu sollte der Autor den genauen Fundort (locus typicus) und den bleibenden Aufbewahrungsort (öffentliche Institution) des Typus angeben.
 
Lectotypus
Wenn der ursprüngliche Beschreiber seine Art auf der Grundlage mehrerer Typen festgelegt hat (Syntypen), von denen er kein Tier als Holotypus bestimmt hat, dann kann ein die Art bearbeitender Zoologe eins dieser Exemplare als Lectotypus festlegen. Beispiel: Werner Ladiges beschrieb 1958 an Hand von zwei Exemplaren die Art Crenicara filamentosa (heute: Dicrossus filamentosus). Bei der Bearbeitung stellte S. O. Kullander fest, dass keiner dieser beiden Syntypen als Holotypus bezeichnet war. Er legte daraufhin fest, dass das größere der beiden Exemplare, das Männchen, als Lectotypus zu gelten hat.

Neotypus
Wenn durch Verlust oder Vernichtung kein Holo-, Lecto- oder Syntypus mehr existiert, kann ein Neotypus festgelegt werden. Eine derartige Festlegung ist jedoch in den allermeisten Fällen überflüssig und daher nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen erlaubt. So fehlen beispielsweise die Typen der meisten älteren Vogelarten. Da es aber keine Zweifel an der Identität gibt, ist auch die Erstellung von Neotypen überflüssig.

Paratypoide
Die Exemplare, die dem Autor bei seiner Beschreibung vorgelegen haben, werden als Typusserie bezeichnet. Aus ihnen hat der beschreibende Autor ein Exemplar als Holotypus auszuwählen. Die verbleibenden Stücke werden als Paratypen oder besser noch als Paratypoide bezeichnet, da sie keine eigentlichen Namensträger sind.

Syntypus
Syntypen sind nomenklatorisch gleichrangige Typen, die entstehen, wenn der ursprüngliche Bearbeiter keinen Holotypus festgelegt hat.

Topotypoide
Topotypoide oder Topotypen sind Tiere, die am Fangort des Holotypus dieser Art erbeutet wurden, also am locus typicus. Der locus typicus ist in der Originalbeschreibung genau anzugeben. Stellt sich heraus, daß er nicht oder falsch genannt wurde oder nur sehr vage erwähnt wurde ("möglicherweise vom Amazonas" beim Schachbrett-Cichliden Crenicara filamentosa, heute Dicrossus filamentosus), kann er vom ursprünglichen Autor oder einem späteren Bearbeiter präzisiert oder auch korrigiert werden. Entsprechende Korrekturen sind auch beim Gattungsnamen möglich, so wie es beim Schachbrett-Cichliden erfolgt ist.

© Dr. Jörg Vierke

13.09.2012