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Dr. Fischs Bio­kurs für Aquarianer

Etwa jeden Monat gibt es ein neues Thema.



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Der südamerikanische Spatelwels Sorubim lima verharrt in dieser Kopfuntenstellung an Schilfhalmen - im Zusammenhang mit seiner Körperform und Färbung eine vorzügliche Tarnung.

Auf verschiedene Weisen versuchen sich Tiere vor ihren Feinden zu schützen. Die folgenden Stichworte berücksichtigen die wesentlichen Formen der Schutzanpassungen. Bei vielen Tieren sind mehrere Schutzanpassungen kombiniert. Einen absoluten Schutz kann es natürlich niemals geben; jede Anpassung bringt ihrem Träger nur eine relative Verbesserung.

Mimese: Ein Steinbutt Rhombus maximus

Akinese

Tarnfarben sind nur sinnvoll, wenn der Träger vorwiegend oder zumindest in der akuten Gefahrensituation in absoluter Bewegungslosigkeit (Akinese) verharrt. Manche Tiere stellen sich regelrecht tot. Viele Buntbarsche pressen sich vor dem Kescher in ausweglos erscheinender Situation bewegungslos an den Boden.

Autotomie

Autotomie ist eine Form des Schutzverhaltens. In höchster Gefahr opfern einige Tiere Körperteile oder Körperanhänge, um den Fressfeind zu irritieren und selbst zu entkommen. Am bekanntesten ist dieses Verhalten bei Eidechsen, die ihren Schwanz an einer präformierten Stelle abwerfen können, oder bei manchen Vögeln, die Teile ihres Gefieders abstoßen (Schreckmauser).

Gegenschattierung

Die meisten Tiere sind oberseits dunkler gefärbt als an ihrer Unterseite. Dadurch wird die Licht-Schatten-Verteilung des von oben einfallenden Lichtes vorteilhaft ausgeglichen, das Tier damit visuell gewissermaßen entkörperlicht. Der Rückenschwimmende Kongowels, ein Fisch, der üblicherweise mit dem Bauch nach oben schwimmt, hat dagegen einen dunklen Bauch und eine hellere Rückenseite.

Mimese

Einige Tiere tarnen sich, indem sie in Form und Farbe Gegenstände, Pflanzen und andere Tiere nachahmen. Bekannteste Beispiele hierfür sind Heuschrecken, die Blätter (Wandelndes Blatt) oder kleine Ästchen (Stabheuschrecke) imitieren. Unter den Fischen ahmen einige treibende Tangbüschel (Phyllopteryx eques, Fetzenfisch >>>), Steine (Steinfisch, Titelfoto!) oder Blätter (Blattfisch, einige Buschfische, Wabenschwanzgurami) nach.

Mimikry

Gelegentlich wird ein gut geschütztes Tier, das über eine Warntracht verfügt, von einem ungeschützten Tier anderer Artzugehörigkeit so perfekt imitiert, dass das eigentlich schutzlose Tier von der Ähnlichkeit profitiert. Beispielsweise ähnelt der Hornissenschwärmer (Trochilium apiforme), ein harmloser Schmetterling, sehr einer Hornisse. Auch die auffallend gefärbten, hoch giftigen Korallennattern werden von verschiedenen harmlosen Schlangen nachgeahmt.

Schreckfärbung

Diese gebräuchliche, aber durchaus mißverständliche Bezeichnung wäre besser durch "Erschreckfärbung" zu ersetzen. In höchster Gefahr können einige Tiere ihre Feinde mit unerwarteten Farbmustern erschrecken und dadurch in die Flucht jagen. Dieser Methode bedient sich beispielsweise das sonst ausgezeichnet getarnte Abendpfauenauge, ein Schmetterling. Wenn das am Stamm sitzende Tier tagsüber von einem Vogel belästigt wird, zeigt es urplötzlich die von den oberen Flügeldecken versteckten Augenflecken auf den unteren Flügeln. Das Augenpaar suggeriert dem Vogel das Auftauchen eines großen Tieres; er flieht sofort. - Häufig wird diese Bezeichnung aber auch gebraucht, um die Färbung erschrockener, bzw. stark verängstigter Tiere zu beschreiben. Fische drücken sich in dieser Situation oft an den Boden und zeigen eine Tarntracht.

Schutzverhalten

Dem Schutz vor Feinden gilt das vorbeugende Ausschauhalten ("Sichern"), die Flucht und das Verstecken. Auch die Akinese, das Totstellen (Thanatose) und die Autotomie gehören zum Schutzverhalten. Letztlich sind auch die Anpassungen in Organ- oder Körperform, in Färbung und Zeichnung ohne ein entsprechendes Schutzverhalten wirkungslos. Beispielsweise ist eine Tarnfärbung nur dann sinnvoll, wenn sich das betreffende Tier auch in dem Lebensraum aufhält, an den seine Färbung angepasst ist.

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Somatolyse: Man muss genau hinschauen, um das gelbe Gebilde als Fisch zu identifizieren. Man achte auf die raffinierte Tarnung des Auges!

Somatolyse

Tiere in vielgestaltiger Umgebung haben oft Muster, die ihren Körperumriss auflösen (Somatolyse), also Flecken, Streifen und andere Muster. Viele Zeichnungen dienen auch dazu, das durch seinen Bau notwendigerweise recht auffallend geformte und daher verräterische Auge zu tarnen (dunkle Augenstreifen).

Tarnung

Tiere, die optisch ihrer Umwelt weitgehend angepasst sind, nennt man getarnt. Spezialfälle der Tarnung sind Mimese, Somatolyse und Gegenschattierung. Meister der Tarnung sind Chamäleons und Plattfische, die durch rasche Anpassung ihrer Pigmente in der Färbung, teilweise auch im Muster, dem Wechsel ihrer jeweiligen Umgebung folgen können.

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Mit gefährlichen Giftstacheln und Warnfarben: Der Rotfeuerfisch Pterois miles auf Sandboden vor Eilat (Rotes Meer) beim nächtlichen Beutezug.

Waffen

Waffen sind ebenfalls als Schutzanpassungen anzusehen. Bei den Fischen gibt es mechanische Waffen (Stacheln, Zähne), elektrische Organe (Zitteraal, Zitterwels) und chemische Waffen (Gifte). Die am häufigsten benutzten Verteidigungswaffen bei Fischen sind Stacheln, zumeist in der Form der Hartstrahlen der Flossen, seltener als umgebildete Schuppen oder als Kiemendeckelränder. Besonders wirksam sind Stacheln, wenn sie wie beim Korallenwels mit Giftdrüsen verbunden sind.

Warnfärbung

Bei wehrhaften oder übelschmeckenden Tieren treten oft grelle Farben bzw. Farbmuster auf. Als Beispiele seien die hochgiftigen Korallenschlangen, Rotfeuerfische und Korallenwelse genannt, die mit feststellbaren Unteraugendornen bewehrten Dornaugen und die durch ätzenden Schleim geschützten Feuersalamander. Wenn ein potentieller Fressfeind einmal eine negative Erfahrung gesammelt hat, wird er diese Tiere in Zukunft verschonen (Dressureffekt). Eine Warnfärbung ist im Gegensatz zur Schreckfärbung nur wirksam, wenn es sich dabei nicht um eine leere Drohung handelt.


Als Ergänzung zu diesem Biokurs gibt es bei Fischverhalten noch einen weiteren Bericht zum Thema Schutzverhalten; dazu auch einen kleinen Film über Kardinalbarsche, die zwischen den Stacheln eines Seeigels Schutz finden. >>>