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»» Biokurs InstinkteDr. Fischs Biokurs für Aquarianer Etwa jeden Monat gibt es ein neues Thema. Der Instinktbegriff ist in der Verhaltenskunde (Ethologie) nicht unumstritten. Es gibt viele unterschiedliche Definitionen, aber am Vorhandensein der für Instinktbewegungen zuständigen Mechanismen zweifelt kein Ethologe. Tinbergen definiert Instinkt als einen "hierarchisch organisierten nervösen Mechanismus, der auf bestimmte vorwarnende, auslösende und richtende Impulse, sowohl innere wie äußere, anspricht und sie mit wohl koordinierten, lebens- und arterhaltenden Bewegungen beantwortet." InstinkteJörg Vierke AAM (Angeborener Auslösemechanismus): die Tiere reagieren auf bestimmte äußere Reize (Schlüsselreize) angeborenerweise mit ganz bestimmten Handlungen (Instinktbewegungen, Erbkoordinationen). Es muss also im Gehirn der Tiere eine wie immer geartete nervöse Instanz (AAM) geben, die die Schlüsselreize von anderen Außen reizen trennt. Nur die Schlüsselreize gelangen zu den entsprechenden Instinktzentren, die für die Auslösung der jeweiligen Reaktion sorgen. Appetenz wird das Suchverhalten eines Tieres genannt, das bei starkem Drang auftreten kann. Das Appetenzverhalten ist das aktive Anstreben einer auslösenden Reizsituation, z. B. dem Auffinden eines Individuums (Beute, Geschlechtspartner), eines Objektes (Nistmaterial) oder eines Ortes (Laich platz). Das Suchverhalten allein führt dabei aber nicht zum Abbau des Dranges. Auslöser werden alle Körpermerkmale und Verhaltensäußerungen eines Tieres genannt, deren Aufgaben darin bestehen, bei einem anderen Tier (Geschlechtspartner, Eltern- oder Jungtiere, Symbiosepartner) eine Instinkthandlung auszulösen. Sie sind daher Schlüsselreize. Beide Bezeichnungen sind aber insofern nicht begriffsgleich, als Auslöser wie Sender gezielt auf Artgenossen oder Symbiosepartner als Empfänger gerichtet sind. Auslöser nutzen Sender und Empfänger, andere Schlüsselreize dagegen nur dem Empfänger. Beispiel: Das Schwanzschlagen von noch nicht schwimmfähigen Buntbarschlarven in der Nestgrube ist Schlüsselreiz und gleichzeitig Auslöser (es nützt Eltern und ihrem Nachwuchs), das Hüpfen des Wasserflohs ist ein Schlüsselreiz für die Beutereaktion des Fisches, jedoch im ethologischen Sprachgebrauch kein Auslöser (das Verhalten nützt nur dem Empfänger).
Drang ist die innere Bereitschaft eines Tieres zur Ausführung einer bestimmten Instinkthandlung. Der Drang sinkt mit der Ausführung der Handlung oft sprunghaft ab, um danach langsam wieder anzusteigen. Die Beziehung zwischen Drang als innere Bereitschaft und Schlüsselreiz als reizauslösender Außenfaktor wird plastisch durch das hydraulische Instinktmodell ausgedrückt (vgl. Abb. rechts). Die Bezeichnungen Stimmung, spezifische Handlungsbereitschaft, Antrieb, Motivation und Trieb sind im Wesentlichen begriffsgleich. Erbkoordinationen sind erblich festgelegte und arttypische Bewegungsmuster, die bei entsprechender innerer Bereitschaft über einen AAM durch bestimmte äußere Reize (Schlüsselreize) ausgelöst werden können. Leerlaufhandlungen sind in Abwesenheit von Schlüsselreizen spontan auftretende Verhaltensweisen, die normalerweise nur durch die Schlüsselreize ausgelöst werden. Sie sind die Folge eines besonders starken Triebstaus. Das Sandhügelbauen der Mosaikfadenfische ist als Leerlaufhandlung aus dem Brutpflegebereich aufzufassen. Brutgestimmte Mosaikfadenfisch-Männchen, die längere Zeit keine Gelegenheit zur Brutpflege hatten, sammeln Sandkörner ein, die sie in ihr Nest spucken. Der Sand rieselt unter dem Nest zu Boden und bildet dort einen Hügel. Reizsummation bezeichnet man das Phänomen, dass Schlüsselreize, die ein und dieselbe Verhaltensweise auslösen, sich in ihrer Wirkung gegenseitig fördern können. Beispiel: Die Nachfolgereaktion junger Buntbarsche kann sowohl durch bestimmte Bewegungsweisen der Eltern als auch durch bestimmte Farbmuster ausgelöst werden. Am besten wirkt - wie in der Natur üblich - beides zusammen. Schlüsselreize sind Außenreize oder Reizkombinationen, die ein bestimmtes Instinktverhalten in Gang setzen. Man kann diese Reize mit Schlüsseln vergleichen, die die als "Türschlösser" wirkenden Filtermechanismen (AAM) aufschließen. Schlüsselreize, die auf Mitglieder der eigenen Art bezogen sind, können auch als Auslöser bezeichnet werden. Umorientierte Bewegungen treten am häufigsten bei kämpferischen Auseinandersetzungen auf: Wird ein Tier von einem überlegenen Gegner angegriffen, dann richtet sich seine Gegenreaktion oft nicht direkt auf den Angreifer, sondern an ein schwächeres Tier ("Radfahrerreaktion" - nach oben buckeln, nach unten treten!) oder an einen neutralen Gegenstand. Buntbarsche beißen in solchen Situationen oft in den sandigen Bodengrund. Alle Stichworte oben behandeln angeborene Mechanismen, die eine Auseinandersetzung mit der Umwelt ermöglichen. Im normalen Sprachgebrauch wird "Instinkt" sehr vielseitig verwendet, oft auch mit Automatismen gleichgesetzt. Es ist aber wichtig, beide Begriffe auseinander zu halten: Automatismen sind (oft mühsam!) erlernte Verhaltensabläufe, die sich im Laufe ihrer wiederholten Ausübung so eingeschliffen haben, dass man über sie nicht mehr nachdenken muss. Beispiele beim Menschen sind Autofahren, Musikinstrumente spielen oder Sprachen lernen. Einfache Automatismen dürfte es auch bei Fischen geben. Natürlich werden Automatismen nicht an die Nachkommen weitergegeben. |