|
|
»» Biokurs FischflossenDr. Fischs Biokurs für Aquarianer Etwa jeden Monat gibt es ein neues Thema.
Fischflossen sind flächenhafte, zumeist bewegliche Körperanhänge, die der Fortbewegung, der Steuerung und der Stabilisierung des Körpers dienen. In Einzelfällen können Flossen oder Flossenteile auch zu Wehrorganen (beispielsweise Stacheln vieler Welse), Haftorganen (beispielsweise Grundeln), Begattungsorganen (zum Beispiel lebendgebärende Zahnkarpfen), Flugorganen (beispielsweise Beilbauchfische) oder Tast- oder Schmeckorganen (zum Beispiel Fadenfische) umgewandelt sein. Flossen bestehen in der Regel aus Flossenmuskulatur, Flossenhaut und den sie schützenden Flossenstrahlen. Man unterscheidet senkrechte oder unpaare und waagrechte oder paarige Flossen.
Flossen© Jörg Vierke Adipose (Fettflosse): Lachse, die meisten Salmler und viele Welse besitzen zwischen Rücken- und Schwanzflosse eine Fettflosse. Sie ist im Normalfall eine Hautfalte, die Fett eingelagert hat und keine Strahlen aufweist. Eine Ausnahme stellt die Fettflosse von Panzer- und Harnischwelsen, die vorn durch einen Stachel des Hautknochenpanzers gestützt wird.
Anale (Afterflosse): eine unpaare Flosse, die sich auf der Körperunterseite immer hinter dem After befindet. Sie kann mit der Schwanzflosse in Berührung stehen, vollkommen mit ihr verschmelzen oder auch ganz fehlen (beispielsweise bei Dornhaien). Ihre vorderen Flossenstrahlen sind oft stachelig. Afterflossen dienen in erster Linie der Stabilisierung des Fischkörpers. - Bei den Männchen der Lebendgebärenden Zahnkarpfen und bei einigen anderen Arten sind die Afterflossen zum Begattungsorgan (Gonopodium) modifiziert (Abb. rechts!). So wird bei diesen Arten eine innere Befruchtung möglich. Caudale (Schwanzflosse): Sie ist zusammen mit dem Schwanzstiel das Hauptantriebsorgan der Fische und daher mit der Wirbelsäule über spezielle Knochenelemente stabil verbunden. Zumeist endet die Wirbelsäule nicht gerade (diphycerke Caudale: Lungenfische, Quastenflosser), sondern ist nach oben schräg aufgebogen. Oft drückt dieses sich auch in einer äußeren Asymmetrie aus (heterocerke Caudale: Haie (Abb. rechts), Stör), bei den meisten Knochenfischen ist das aber nicht der Fall (homocerke Caudale). Homocerke Scllwanzflossen können durch unterschiedlich lang ausgestaltete Flossenstrahlen die verschiedensten Ausformungen haben (Bildtafel unten rechts). Dorsale (Rückenflosse): Unpaare Flosse auf der Körperoberseite, die in erster Linie die Funktion eines Kieles hat. Sie kann in mehrere Teile (D 1, D 2) aufgegliedert sein. Bei Fischen mit Hartstrahlen ist in der Regel die vordere Rückenflosse oder, bei einer einheitlichen Rückenflosse, ihr vorderer Teil mit harten Strahlen versehen. - Das Saugnapf der Schiffshalter (Remora) ist aus ihrer vorderen Rückenflosse gebildet; ebenso die Angeln der Anglerfische.
Flossenformel: Lage und Aufbau der Flossen sind wichtige Anhaltspunkte für den Systematiker. Die Anzahl und Beschaffenheit der Flossenstrahlen wird durch die Flossenformel ausgedrückt. Dabei wird hinter dem Anfangsbuchstaben der wissenschaftlichen Flossenbezeichnung die Zahl der in der Regel vorn stehenden und immer ungegliederten Hartstrahlen angegeben (zumeist in römischen Ziffern). Nach einem Schrägstrich oder Komma folgt dann in arabischen Ziffern die Anzahl der Weichstrahlen.
Für den Nander (Nandus nebulosus) wird zum Beispiel angegeben: D XIV-XV/11-12. Das heißt, diese Art hat in der Dorsale (Rückenflosse) 14 bis 15 Hart- und 11 bis 12 Weichstrahlen.
Flossenstrahlen: Werden bei Knochenfischen embryonal als Hornstrahlen angelegt und werden später durch Knochenstrukturen ersetzt. Man unterscheidet die kräftigeren, ungegliederten und meist spitzen Hartstrahlen (Stachelstrahlen) von den zumeist elastischeren und gegliederten Weichstrahlen (Gliederstrahlen). Weichstrahlen sind oft fächerartig aufgespalten. In seltenen Fällen können Weichstrahlen auch stachelartig strukturiert sein (oft bei Karpfenfischen und Welsen). Sie sind dann sehr hart, somit sind die Bezeichnungen Hart- und Weichstrahlen nicht wörtlich zu nehmen. Die Unterscheidung eines stachligen Weichstrahis vom Hartstrahl wird erst bei der Ansicht von vorn möglich. Hartstrahlen sind immer einheitlich, Weichstrahlen dagegen bestehen stets aus einer rechten und linken Hälfte, die miteinander verwachsen sind.
Pectorale (Brustflosse): Pectoralen sind paarige Flossen, die den Vordergliedmaßen der Landwirbeltiere entsprechen. Sie sind immer knapp hinter den Kiemenöffnungen eingelenkt und dienen der Balance, dem Bremsen und der Steuerung, in vielen Fällen auch dem Antrieb (z. B. bei Kugelfischen). Die Brustflossen können symmetrisch oder asymmetrisch, spitz zulaufend oder abgerundet sein. Die Brustflossenstachel einiger Arten haben Sperrgelenke. - Einige Arten, wie die Knurrhähne (Trigla), benutzen ihre beweglichen, frei stehenden Pectoralstrahlen zur krabbelartigen Fortbewegung auf dem Meeresgrund. Die Spitzen dieser Flossenstrahlen sind mit Geschmackzellen versehen und können auch bei der Nahrungssuche helfen (vgl. Abb. rechts!).
Ventrale (Bauchflosse): Die paarigen Bauchflossen stehen stets vor den Afterflossen, zumeist bauchständig, oft aber auch direkt unter den Brustflossen (brustständig) oder noch weiter vorn (kehlständig). Sie dienen im Allgemeinen der Balance des Fischkörpers, können aber verschiedene Spezialisierungen aufweisen (zum Beispiel als Haftorgane bei einigen Grundeln) oder auch völlig fehlen (zum Beispiel bei manchen Stachelaalen und Schlangenkopffischen). - Bei den zu den Labyrinthfischen gezählten Fadenfischen haben sich die kehl- bis brustständigen Ventralen zu langen Tastfäden aus nur einem langen und beweglichen Flossenstrahl entwickelt. Damit ertasten und erschmecken sie nicht ihre Nahrung, sondern in erster Linie ihre Artgenossen! |