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Pflege und Zucht von Betta unimaculata

Betta unimaculata Männchen

©  Dr. Jörg Vierke


Im äußersten Norden Borneos ist Betta unimaculata ein häufig vorkommender Kampffisch. Er gehört mit einer möglichen Gesamtlänge von 11 cm zu den großen Kampffischen und wird daher auch als "Riesenkampffisch" bezeichnet. Ganz passend erscheint mir dieser deutsche Name allerdings nicht; denn der ebenfalls auf Borneo beheimatete und auch schon in unseren Aquarien gepflegte Betta anabatoides wird noch einen vollen Zentimeter länger. Besser ist wohl die Bezeichnung Großmaul-Kampffisch.


Der wissenschaftliche Artname unimaculata (mit einem Fleck versehen) bezieht sich auf den zumeist deutlich sichtbaren Fleck an der Basis der Schwanzflosse. Gewöhnlich zeigen die Fische auch einen dunklen Längsstreifen, der Auge und Schwanzwurzelfleck verbindet. Da Oberkopf und Rücken ebenfalls dunkel gefärbt sind, bleibt zwischen Rücken und Längsstreifen eine auffallende, helle Zone. Auch unterseits sind die Tiere normalerweise einfarbig hellbeige. In dieser Normalfärbung und auch in der Prachtfärbung sind die Männchen leicht von den Weibchen zu unterscheiden. Sie haben am Rücken und auf den Kiemendeckeln eine größere Zahl golden, oder in Abhängigkeit vom Lichteinfall auch grünlich, schimmernder Flecken. In der Region des Oberkopfes und des Nackens fehlen diese Glanzschuppen.


In nicht zu hell stehenden Behältern sieht man häufig die kräftig dunkle Prachfärbung der Männchen (siehe Foto). Die hellgrün oder bläulich glänzenden Körperpartien der Männchen sind bei erwachsenen Fischen zumeist auch dann zu erkennen, wenn sie nicht ihr dunkles Farbkleid angelegt haben.


Verbreitung und Ökologie


Wie schon angemerkt, sind die Großmaul-Kampffische im Norden Borneos beheimatet. Zur Ökologie und Biologie liegt eine ausführliche Beschreibung von INGER und CHIN (1962) vor, die ich für so interessant halte, dass ich sie hier teilweise wörtlich übersetzt, zum Teil auch in gestraffter Form wiedergeben möchte:

Betta unimaculata-Männchen"In den Bewässerungsgräben von Kretam Kechil war unimaculata in Richtung zum Ursprung der Waldströme am allerhäufigsten. Er ging die Bäche weiter als jeder andere Fisch hoch. Er trat gewöhnlich dort auf, wo die Bäche aus hintereinandergereihten kleinen Tümpeln bestehen, die durch über Gesteinsstufen rinnendes Wasser verbunden waren. Weiter stromaufwärts waren sie dicht bei den Quellen, wo die Strömung aussetzt.- Das Gebiet in der Kretam-Gegend ist sehr rau, und die Quellen liegen gewöhnlich in tiefen, engen Rinnen. Nach sturzbachartigen Regenfällen, die häufig gerade in der "Trocken"-Zeit des östlichen Nordborneo fallen, werden diese Rinnen durch die heftigen, schweren Regenfälle regelrecht ausgespült. Wahrscheinlich werden die Populationen von unimaculata in diesen Quellen periodisch reduziert, und viele Tümpel sind daher fischfrei. Um dieses Gebiet wieder zu besiedeln, muss Betta in viele Tümpel wiedereinwandern, die 15 bis 45 cm über niedrigen Wasserfällen liegen. Tatsächlich erfordert die Einwanderung zu einigen der Quellen, die wir untersucht haben, die Bewältigung von senkrechten Felsenflächen von wesentlich größerer Höhe. In einem Fall fanden wir Exemplare über einem 2 m hohen Wasserfall, in einem anderen über einem 5 m hohen. Untersuchungen dieses physiogeographisch jungen Gebiets schlossen die Möglichkeit aus, dass eine Flußverlagerung den unimaculata ermöglicht hatte, diese Sperren zu überwinden."


INGER und CHIN erklären diese erstaunlichen Leistungen der B. unimaculata durch ihr unglaubliches Springvermögen. Es ermöglicht ihnen, kleine Stromschnellen direkt zu überwinden und die größeren auf dem Landweg zu umgehen. Von großer Bedeutung hierfür dürfte ihr Labyrinthorgan sein.


In den jeweils durch Rinnwasserströme verbundenen Miniaturtümpeln von nur 60 bis 100 cm Durchmesser und bis zu 15 cm Tiefe leben gewöhnlich nur jeweils ein Alttier und ein oder zwei Jungfische. Dafür dürfte in erster Linie der Nahrungsmangel verantwortlich sein. Den Tümpeln fehlt jede Vegetation, doch zumeist ist der Boden mit abgestorbenem Laub bedeckt, und auch an der Oberfläche schwimmen gewöhnlich einige Blätter. Unter diesen Betta unimaculata - PaarungBlättern halten sich die Alttiere auf, und wenn das Blatt von Wind oder Strömung über den Tümpel getrieben wird, nutzt der Altfisch dieses, um die Wasserfläche ungesehen unter dem Blatt schwimmend zu überqueren.


Die Fische fressen hauptsächlich Erdinsekten, die in den Tümpel fallen bzw. in ihn geschwemmt werden, gelegentlich werden aber auch im Wasser lebende Wirbellose gefressen.


Ein anspruchsloser Aquarienfisch


Im Aquarium erweisen sich Betta unimaculata als zähe, überaus anspruchslose Tiere, die weder an die Wasserwerte noch an die Futterqualität besondere Ansprüche stellen. Allerdings sollten die Tiere, ihrer Größe entsprechend, in nicht zu kleinen Aquarien gepflegt werden. Untereinander sind die Fische friedlich. Gelegentlich drohen sich sowohl Männchen als auch Weibchen mit weit geöffneten Mäulern an. Beißereien habe ich aber bei meinen Fischen noch nie beobachtet. Am meisten Freude wird man an den Fischen sicherlich im Artaquarium haben.


Betta unimaculata sind praktisch Allesfresser. Neben Flockenfutter jeder Art, kann man ihnen alles Lebendfutter anbieten, das sie hinunterwürgen können. Gern nehmen sie kleine und mittelgroße Regenwürmer. Selbst große Mehlkäferlarven (Mehlwürmer) werden von größeren Tieren ohne Schwierigkeiten verschlungen. Der Futterbedarf ist nicht gerade gering: Nach der Fütterung kann man die oft unförmig angeschwollenen, blasenartigen Bäuche bestaunen.

Fotos oben links und unten rechts: Betta unimaculata, Paarung am Boden.


Betta unimaculata - PaarungLaichverhalten und Zucht


Die Zucht ist im Vergleich zu manchen anderen maulbrütenden Bettas einfach. Gut gefütterte Tiere wird man bald beim Ablaichen sehen. Meine Fische haben immer in den Abendstunden gelaicht. Zu diesem Zweck suchen sie sich einen ruhigen Platz im Aquarium, fast immer eine freie Sand- oder Steinfläche. Hier beginnen die Tiere sich zu umkreisen. Das geschieht in aller Regel direkt am Boden. Das Weibchen ist dabei eindeutig der aktivere Partner. Die Kreise werden immer enger gezogen, bis sich die Tiere gegenseitig in die Flanken schwimmen. Dabei wird das Männchen regelrecht auf die Seite gedreht. Es umschlingt dann das Weibchen und bildet mit seinem Körper ein U. In dieser Situation legt das Weibchen die Laichkörner ab. Sie liegen in der Körperbeugung des Männchens und auf seiner gebogenen Afterflosse wie in einer Schale.


Soweit verläuft die Paarung ganz entsprechend allen anderen bisher bekannten maulbrütenden Betta-Arten. Jetzt aber geschieht etwas Ungewöhnliches, ein Verhalten, das ich bei den anderen Kampffischen nicht beobachtet habe und das mir recht ursprünglich erscheint: Wenn sich die Umklammerung des Männchens löst, sammelt das Weibchen nicht etwa die Eier auf. Es kümmert sich überhaupt nicht um den Laich, schwimmt von dannen und sucht in weiter Entfernung vom Ablaichort die Wasseroberfläche auf, um Luft zu holen. In der Zwischenzeit streckt sich das Männchen und nimmt wieder seine normale Schwimmhaltung ein. Dabei rutschen die Eier natürlich zu Boden. Das Männchen wendet sich nun sofort den Eiern zu und verstaut sie in seinem Maul. Nach wenigen Augenblicken ist auch das Weibchen zurückgekehrt, eine weitere Paarung kann beginnen. Nach etwa zwei Stunden ist das Ablaichen beendet. Jetzt ist das Maul des Vaters oder, besser gesagt, der Kehlsack, mit Eiern voll gefüllt. Schwer atmend zieht er sich unter ein Blatt an der Wasseroberfläche zurück.

Foto unten: Das Betta unimaculata-Männchen sammelt den Laich direkt vom Boden auf. Die Eier werden nicht wie bei den anderen maulbrütenden Kampffischen vom Weibchen eingesammelt und dem Männchen durch Vorspucken übergeben.


Bei Temperaturen um 24 bis 25 Grad Celsius dauert es neun Tage, bis die Jungen freigegeben werden. Das geht schneller als bei Betta picta, wo es immerhin fast zwei Wochen dauert. Dafür sind die frisch freigelassenen Betta picta mit einer Länge von sieben Millimetern genau einen Millimeter größer als die jungen "Riesenkampffische". Die kleinen unimaculata haben ihre Gattungsgenossen aber bald im Wachstum eingeholt. Sie fressen von Anbeginn gleich frisch geschlüpfte Artemien und gehen nach einer Woche bereits gierig an zerriebenes Flockenfutter. Die Aufzucht dieser gefräßigen Kleinen bereitet keinem Aquarianer Schwierigkeiten und auch nicht viel Mühe, da die Nahrung leicht zu beschaffen ist.


Wenn man das maulbrütende Männchen im Becken bei den Artgenossen lässt, kann es bei guter Fütterung bereits zwei Tage nach dem Entlassen der Brut erneut wieder paarungsbereit sein. Bei einer Gelegenheit ließ ich die Jungen im Artenbecken bei den Eltern. Sie stellten den Kleinen nicht nach - fast ein Wunder bei diesen immer hungrigen und gefräßigen Tieren! Zumindest habe ich nicht beobachten können, dass erwachsene Tiere Jagd auf Jungfische machten. Immerhin waren die Kleinen aber deutlich auf der Hut und ließen die Alttiere nie zu nahe an sich herankommen! - Wer gezielt züchten will, sollte den maulbrütenden Vater zur Sicherheit aber doch lieber getrennt unterbringen.

Bildfolge unten von links oben bis rechts unten: 1. Betta unimaculata - die Paarung erfolgt am Boden, 2. Direkt nach dem Ablaichen liegen die weißen Eier auf der Afterflosse des Vaters; das Weibchen kümmert sich aber nicht um den Laich, sondern verläßt für kurze Zeit das Männchen. 3. Das Männchen (oben links im Bild) nimmt den Laich vom Boden auf. 4. Der maulbrütende Vater mit dem laichvollen Maul.


Literatur:
Inger, R. F. u. Chin Phui Kong (1962): The Freshwater Fishes of North Borneo. Fieldiana Zool. Chicago Nat. Hist. Mus.
Vierke, Jörg (1978): Labyrinthfische und verwandte Arten. Engelbert Pfriem Verlag, Wuppertal-Elberfeld
Vierke, Jörg (1982): Pflege, Zucht und systematische Einordnung von Betta unimaculata. Das Aquarium, S. 290 - 293

©  Dr. Jörg Vierke


 


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