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Burgunderrot mit einem Hauch von Pink, dazu himmelblau strahlende Augen! Nicht nur die Männchen sind derart phantastisch gefärbt, ihre Weibchen stehen ihnen in punkto Farbe nicht nach. So gesehen müsste der Tussi-Kampffisch (Betta tussyae) ein Renner unter den Zierfischen sein. Leider ist er nicht sonderlich produktiv. Er wird daher nicht häufig angeboten. Darüber hinaus stellt er in mancher Hinsicht auch gehobene Ansprüche an die Wasserbeschaffenheit und die Ernährung. So wird dieser kleine Kampffisch sicher immer ein Juwel für speziell interessierte Aquarianer bleiben.

 

 
     

Eine besondere Kostbarkeit: der Tussi-Kampffisch


© Dr. Jörg Vierke

       
        Die wwesentlich robustere rote Zuchtform von Betta splendens ist eine völlig andere Art!
         


Knallrote Kampffische sind doch nichts Besonderes, wird vielleicht der eine oder andere Leser sagen. Das wundert mich nicht, denn durch die prächtigen Zuchtformen unserer Schleierkampffische (Betta splendens) ist man als Aquarianer in der Tat verwöhnt. Bei den hier vorgestellten Fischen handelt es sich jedoch um Tiere, die so auch in freier Natur vorkommen, um echte Wildfische also!

Nur wenn man sehr großes Glück hat, wird man derart seltene Fische beim Händler ergattern können. Normalerweise werden die Nachzuchten als Kostbarkeiten von einem Labyrinthfischfreund an den anderen weitergereicht.

In der Färbung sind Männchen und Weibchen kaum zu unterscheiden. Die Männchen werden etwas größer als die Weibchen und sind am ehesten an ihren flächiger ausgebildeten Flossen zu erkennen. Bestes Kennzeichen sind die länger als beim Weibchen ausgezogenen Bauchflossen.

   
  Betta tussyae-Paar unter dem Schaumnest  

Männchen wie Weibchen zeigen im Zuchtbecken unter guten Bedingungen fast ständig ihre herrliche Rotfärbung. Die Bilder geben eine gute Vorstellung vom Aussehen der Tiere, insofern erübrigt es sich, die Prachtfärbung zu beschreiben. Im Auflicht ist die rote Körperfärbung meist etwas von einem bläulichen Glanz überdeckt. Gelegentlich sehen die Fische aber auch schlichter aus: Auf bräunlicher Grundfärbung prägen sich dann oft zwei helle, parallel verlaufende Körper-Längsstreifen aus.

Im Aquarium wie im Freiland handelt es sich beim Roten Kampffisch um eine ruhige, sehr versteckt lebende Art. Ihre Heimat ist der Osten der malaiischen Halbinsel. Gern liegen die Fische in Bodennähe versteckt zwischen Steinen oder im dichten Pflanzendickicht. Barbara und Allen Brown beschrieben mir einen Fundort bei Rawang. Hier leben die Fische in flachen, nur maximal 30 cm tiefen und dicht mit Laub angefüllten Pfützen im Schatten des Urwalds. Das Wasser ist dort moorbraun gefärbt und hat eine Temperatur von 26,5° C (pH unter 6, dGH unter 0,5°).

Man kann sich vorstellen, daß die schlanken, nur etwa 4,5 cm groß werdenden Fischchen sich nicht sonderlich für das Durchschnitts-Gesellschaftsaquarium eignen. Hier sollte man dann doch den größeren und robusteren Betta splendens vorziehen. Dagegen kann man Rote Kampffische ohne Schwierigkeiten in kleineren dichtbepflanzten Becken in der Gesellschaft von Guppys oder Boraras-Arten halten. Sie sind weder untereinander noch gegen andere Fische sonderlich aggressiv.

 Zur Pflege und Zucht

   
  Tussi-Kampffisch Betta tussyae-Männchen  

Die Vermehrung dieser kleinen Kostbarkeiten ist weit schwieriger als die anderer nestbauender Kampffische. Wichtig ist natürlich weiches, saures Wasser, Temperaturen 25 – 28 ° C. Keine oder nur sehr geringe Wasserströmung. Sinnvoll ist ein paarweiser Ansatz in einem nicht zu kleinen Zuchtbecken, das mit ausreichend Versteckplätzen ausgestattet sein sollte. Gut bewährt haben sich bei mir alte Buchenblätter, die ich den Fischen als Bodenverstecke und als schwimmende Nestunterlage angeboten hatte. Aber auch Cryptocorynen werden gern als Zufluchtsort genutzt, wenn sie nur ausreichend dicht stehen. Oft sind laichwillige Weibchen sehr aktiv, und einige Aquarianer haben schon geklagt, daß sie ihre unwilligen Fischmännchen zu Tode gequält hätten!

Um die Tiere in Laichstimmung zu bringen, müssen sie gut mit Lebendfutter angefüttert werden. Wasserflöhe werden nur widerwillig genommen, und die von allen Fischen heiß geliebten Weißen Mückenlarven werden oft nur unter Schwierigkeiten erbeutet. Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, dass diese Kampffische mit dem Erfassen dieser Beute so offensichtliche Probleme haben. Gern und vorzugsweise werden dagegen Tubifex gefressen. Da diese Würmer auch in den Heimatgebieten dieser Fische häufig sind, darf man annehmen, dass sie dort ihr Normalfutter darstellen. Allerdings: Es ist ja bekannt, dass die hier zu bekommenden Tubifex wegen ihrer Herkunft aus belasteten Gewässern nicht unproblematisch sind!

Gerade im Hinblick auf das Wasser sollte man achtgeben. Ich halte meine Roten Kampffische in schwach saurem Regenwasser, das ich mit Tümpelwasser so vermische, dass ich Leitwerte um 150 µS/cm bekomme. Leider sind dies Wasserwerte, bei denen auch Oodinium recht gut gedeiht. Hier muss man sehr aufpassen und rechtzeitig mit Medikamenten etwas dagegen unternehmen. Wenn man sofort handelt, ist Oodinium nicht gefährlich; aber gerade bei Fischen, die oft ruhig in einer Ecke oder unter einem Pflanzenblatt stehen, kann man diese Erreger leicht übersehen.

Wie schon angedeutet, ist das Weibchen in der Regel weit aktiver als das Männchen. Meist errichtet das Männchen nur ein sehr kleinflächiges Schaumnest. Oft muß man lange darauf warten, bis das Männchen mit dem Nestbau beginnt. Ein teilweiser Wasserwechsel - weiches und leicht saures Wasser sollte für diese Fische eine Selbstverständlichkeit sein - gibt manchmal den Anstoß zum Nestbau. Wichtig ist aber auch ein gut motiviertes Weibchen!

Beim Laichvorgang dominiert die Mutter

   
  Paarungsschlinge bei Betta tussyae  

Gern werden die Blasen unter einem Schwimmblatt zusammengetragen. Die Paarungsvorspiele sind sehr viel ruhiger als die, die man sonst von den meisten Labyrinthfischen gewöhnt ist. Das Weibchen, jetzt ebenso kräftig gefärbt wie das Männchen, läßt nun eine kleine, weißliche Genitalpapille erkennen. Auf dem roten Körpergrund sind oft vier oder fünf dunklere, schräg nach hinten versetzt laufende Querstreifen zu erkennen. Bedeutend auffälliger ist beim Weibchen jetzt ein heller Streifen, der an der Schnauzenspitze beginnt und sich, in der Profillinie verlaufend, bis zum Ansatz der Rückenflosse hinzieht. Während das Männchen nun meist müde unter einem Blatt steht, wird es vom Weibchen eifrig umschwommen. Überhaupt ist es erstaunlich, welche Verführungskünste das Weibchen aufzubringen versteht! Ich habe mal Protokoll geführt. Außer dem Umschwimmen hat das Weibchen noch andere Möglichkeiten, sein Männchen in Stimmung zu bringen:

Es stellt sich quer vor ihm auf und macht durch wellenartige Bewegungen mit dem Hinterleib auf sich aufmerksam. Oder es spreizt sämtliche Flossen und sendet mit einem kräftigen Schwanzflossenschlag eine Druckwelle auf den Partner zu. Oder es stellt sich quer vor das Männchen, schwimmt jetzt langsam rückwärts! Gelegentlich sieht es aus, als würde das Weibchen nun wirklich ungeduldig: Dann strampelt es regelrecht mit den Bauchflossen, indem es sie abwechselnd vor- und zurückbewegt! Das alles blieb in den von mir beobachteten Fällen immer friedlich, aber ich kann mir schon vorstellen, daß ein Weibchen letzten Endes doch nachhaltig aggressiv werden kann und dass die Berichte von den männermordenden Kampffischweibchen durchaus ernst zu nehmen sind.

 
Betta tussyae   beim Lösen der Paarungsschlinge

Auch das eigentliche Ablaichen verlief in den von mir beobachteten Fällen sehr ruhig und friedlich. Das Weibchen näherte sich dem in Nestnähe wartenden Partner, stupste ihn an, ein kurzes Umschwimmen, und das Männchen hatte sich um sein Weibchen herumgebogen. Die Umschlingung dauerte nur wenige Sekunden, dann löste sich das Paar wieder. Meist verharrte das Weibchen noch einen Augenblick länger in Paarungsstarre, während das Männchen nach Eiern Ausschau hielt. Ich muss gestehen, dass es oft vergeblich auf Laichkörner warten mußte, genauso wie ich! Nur selten erschienen mal ein, zwei oder auch drei Laichkörner, die das Männchen dann aufschnappte und ins Nest brachte. Nein, sehr produktiv sind diese Kampffische nicht!

Ich habe mir ein paar der Eier herausgeholt und unter dem Mikroskop vermessen. Ich war überrascht, denn es stellte sich heraus, daß die Eier der Roten Kampffische größer waren als die der anderen schaumnestbauenden Bettas. Lediglich der größte Schaumnestbauer, Betta bellica, kann hier mithalten! Die tussyae-Eier haben einen Durchmesser von 1,2 bis 1,4 mm. Splendens, imbellis und smaragdina erreichen nur maximale Ei-Durchmesser von 1,3 mm.

Bedenkt man, daß Betta tussyae einer der kleinsten Kampffische und gleichzeitig die schlankste der hier aufgeführten Arten ist, dann wird klar, dass sie von der Eizahl her schon wegen des fehlenden Volumens nicht mit den anderen Arten mithalten kann. Das ist die Erklärung für die geringe Produktivität.

Brutpflege - nicht nur Angelegenheit des Vaters

Die Brutpflege ist normalerweise Aufgabe der Kampffisch-Männchen. Aber auch die Weibchen sind oft am Laich interessiert und verdrängen das Männchen vom Nest oder stibitzen einige der Eier. Aber auch sie pflegen perfekt. Ähnliches beobachtet man ja auch beim Betta splendens. Wenn die Jungen nach etwa 5 Tagen freischwimmen endet die Brutpflege. Bei paarweiser Haltung kann man die Eltern gern bei den Jungen belassen. Sie stellen ihnen in der Regel nicht nach. Wenn man dann regelmäßig auch frischgeschlüpfte Artemien zufüttert, kann man beobachten, dass die Jungen neben ihren Eltern groß werden. Das entspricht übrigens exakt einigen Freiwasserbeobachtungen in Malaysia, wo man in einer nur kleinen Pfütze ein Paar Roter Kampffische zusammen mit einer kleinen Gruppe Halbwüchsiger gefunden hatte.

© Dr. Jörg Vierke 6.2013

Quellenhinweise:

Vierke, J. (2012): Eine besondere Kostbarkeit: Der Rote Kampdffisch. Aquarium International 1

Tan, H.H. and P.K.L. Ng, 2005. The fighting fishes (Teleostei: Osphronemidae: Genus Betta) of Singapore, Malaysia and Brunei. Raffles Bull. Zool. Supplement (13):43-99.