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Erlebnisse mit Apistogramma trifasciata

© Dr. Jörg Vierke


Der Dreistreifen-Zwergbuntbarsch Apistogramma trifasciata gehört zu den Kleinen seiner Gattung. Auch wenn schon von Wildfangmännchen berichtet wurde, die 59 mm Gesamtlänge aufwiesen, erreichen diese Fische im Aquarium gerade mal 5 cm, die Weibchen bleiben noch einen Zentimeter kleiner.
Ich werde im Folgenden einige allgemeine Bemerkungen zu diesem kleinen Cichliden machen, will dann aber von eigenen Erfahrungen bei der Haltung und Zucht berichten ohne weiter auf andere Zuchtberichte einzugehen.

   
     
     


Kennzeichen: Es ist eine zierliche Apistogramma-Art. In beiden Geschlechtern kann man einen Afterfleck sehen, der sich im typischen Fall strichartig nach vorn in Richtung des Brustflossenansatzes ausdehnt. Das Körperlängsband beginnt zunächst schmal, um nach hinten hin an Breite deutlich zuzunehmen. Es zieht übergangslos durch eine fleckenartige Erweiterung in der Schwanzwurzel und verläuft sich danach in der Schwanzflosse. Die Schwanzflosse ist normalerweise ungefleckt, kann aber auch ganz zart gefleckt sein.

Es wurden drei Unterarten beschrieben, über deren Status man aber streiten kann:
A. trifasciata trifasciata stammt aus dem Gebiet des oberen Rio Paraguay. Bei dieser Form beginnt die Längsbinde direkt an der Oberlippe. A. trifasciata haraldschultzi kommt aus der Gegend des Rio Guapore, einem der Grenzflüsse zwischen Brasilien und Bolivien. Bei ihm beginnt die Längsbinde deutlich oberhalb der Oberlippe, auch die "trifasciata „- Binde beginnt nicht am Brustflossenansatz, sondern darüber. Östlich vom Areal des haraldschultzi liegt das Verbreitungsgebiet von A. trifasciata maciliense. Kullander (1982) hatte die Typus-Exemplare überprüft und war zu der Einsicht gekommen, dass es sich um Synonyme handeln dürfte.

       
         
       
       
Ein Apistogramma trifasciata-Männchen. Seine Färbung variiert in Abhängigkeit vom Lichteinfall und der jeweiligen Stimmung des Tieres        
         
       
         
       
         
       
        Das trifasciata-Weibchen. Oben in seiner Blumentopf-Höhle, unten hat es seinen Laich unter einer Wurzel angeklebt.
         

Geschlechtsunterschiede: Die Männchen werden größer und sind am Körper und dem größten Teil der Flossen je nach Lichteinfall prächtig blau oder grünlich glänzend. Die Weibchen sind grau, während der Fortpflanzungsphase leuchtend gelb gefärbt und zeigen auch bei der Brutpflege das typische Streifenmuster. Bei jüngeren Tieren sind die Schwanzflossen in beiden Geschlechtern rund, aber ältere Männchen können auch mehr oder weniger eckig ausgewachsene Schwanzflossen haben. Die Spitzen ihrer Bauchflossen sind fadenartig verlängert. Als besonderer Schmuck des Männchens wirkt die mächtige, indianerhaubenartige Rückenflosse: die zugespitzten Enden der Zwischenstrahlenhäute sind oft herrlich orange bis feuerrot gefärbt und stark verlängert.

Herkunft: Wohl kaum eine andere Apistogramma-Art bewohnt ein derart großes Areal wie A. trifasciata. Die Fische leben weit im Süden Südamerikas im mittleren Einzugsgebiet des Rio Paraná in Argentinien, im Bereich des Rio Paraguay und nördlich bis zum Gebiet um den Rio Marmoré in Bolivien. Das entspricht einer Nord-Süd-Erstreckung von über 3500 km!
Da die Temperaturen im Süden ihres Verbreitungsgebiets im dortigen Winter relativ tief fallen können, kann man die Fische (zumindest, wenn sie aus dieser Region stammen) gut zeitweise auch bei 15° C halten. Zur Zucht allerdings sind Temperaturen von 26 bis 30° angemessen!

Das große Verbreitungsgebiet legt es auch nahe, dass die Fische recht anpassungsfähig im Hinblick auf die Wasserwerte sind. Tatsächlich gehören sie zu den Anspruchsloseren unter den Apistogramma-Arten, die man auch bei mittleren Härtegraden noch züchten kann.

Erfahrungen bei der Haltung und Zucht: Im Folgenden werde ich ganz bewusst Berichte aus der Literatur vernachlässigen und mich auf die Wiedergabe eigener Erfahrungen beschränken.

Meine ersten Erfahrungen beziehen sich auf ein Männchen und zwei Weibchen aus dem Zoohandel. Dieses Trio bezog ein kleines 30-Liter-Aquarium, in dem bereits einige Spritzsalmler lebten. Diese Kombination erwies sich als überaus günstig. Beide Arten kamen sich nicht ins Gehege, da die Buntbarsche vorwiegend in Bodennähe blieben, während die Spritzsalmler die oberen Wasserschichten vorzogen. Als Futter gab es ausschließlich abwechslungsreiches Tümpelfutter. Temperatur 28 ° C, dGH um 10°. - Die Zwergcichliden fanden bald in liegenden Blumentöpfen und unter einer kleinen Baumwurzel Unterschlupf, und bereits zwei Tage später hatte das Männchen mit einem der Weibchen abgelaicht.
Gut eine Woche später, das erste Weibchen führte bereits Junge, konnte ich auch das andere Weibchen beim Eierpflegen beobachten. Nach zwei Tagen waren seine Eier jedoch verschwunden, und es wurde von der jungeführenden Mutter und vom Vater gejagt. Ich musste es herausfangen und in ein Becken zu einigen Großcichliden setzen. Dort hat es sich ganz gut behaupten können, jedoch - es ist zu einem Männchen geworden. Besser gesagt, es hat die langausgezogenen Flossen und den blaugrünen Metallglanz eines Männchens. Ob es auch als Männchen fungieren kann, ob es also zeugungsfähig ist, das möchte ich bezweifeln.
Die jungen trifasciata wurden übrigens wochenlang von der Mutter betreut. Gegen Abend lockte die Mutter sie in eine Höhle. Wer nicht schnell genug kam, wurde von der Mutter geschnappt und hineingetragen. Sehr bald zeigten die Jungen nur noch einen äußerst schwachen Schwarmzusammenhalt. Dennoch wurden sie weder vom Vater, der sich aktiv nicht an der Kinderpflege beteiligte, noch von den weitgehend auf die oberen Wasserschichten fixierten Spritzsalmlern verfolgt.
Da ich die Jungen nach einigen Wochen ungestört von den Eltern weiter aufziehen wollte, musste ich das Paar umquartieren. Es bezog mit einigen der Spritzsalmler ein gut bepflanztes und mit vielen Höhlenverstecken versehenes Aquarium. Leider - und das war wirklich ein böser Fehler – hatte es nicht feinen Sand als Bodengrund sondern groben Kies. Das ist schon deshalb nicht zwergcichlidengerecht, weil die Fische aus ihren Höhlen noch gern etwas Sand herausbaggern wollen.
Das Paar vertrug sich und schon bald hatten die Fische wieder unter einem Höhlendach abgelaicht. Drei Tage später war die Mutter damit beschäftigt, ihre frischgeschlüpften Larven in einer Bodenmulde zu sammeln. Mit Sicherheit sind dabei sehr viele der noch nicht schwimmfähigen Larven in den großen Zwischenräumen zwischen den einzelnen Kieseln auf Nimmerwiedersehen verloren gegangen.
Als ich am Abend noch einmal das Becken kontrollierte, wollte ich meinen Augen nicht trauen. Elf eifrig schwänzelnde trifasciata-Larven lagen völlig frei auf dem Blumentopfdach und wurden von der Mutter intensiv bewacht. Immer wenn sie in Gefahr waren, vom abschüssigen Dach herunterzurutschen, wurden sie von der Mutter aufgeschnappt und wieder zurechtgelegt. Diese elf Larven waren zweifellos die letzten Jungfische; alle anderen waren im Kies verschwunden. Hatte die Mutter das Dilemma bemerkt und daraus die Konsequenzen gezogen? Eine andere Erklärung habe ich nicht. Immerhin ist bekannt, dass trifasciata (wie auch andere Apistogramma-Arten) gelegentlich auch weit über dem Boden in Schwimmpflanzengürteln leben und brüten.  Sie sind daher ganz offensichtlich nicht einseitig darauf angelegt, ihre Larven in Bodengruben zu sammeln. Mich hat diese Fischmutter aber dennoch beeindruckt. Ganz offensichtlich hatte sie das Problem erkannt und die Brut an der einzigen Stelle deponiert, die in dieser Situation sinnvoll war.
Letztlich ging diese spezielle Sache natürlich nicht gut aus. In der nächtlichen Dunkelheit war die Mutter nicht mehr in der Lage, die ständig vom gewölbten Blumentopfdach hinabrutschenden Kleinen zu retten. Am nächsten Morgen waren auch die letzten Larven verschwunden.

 
A. trifasciata-Weibchen mit Larven auf dm Dach der Bruthöhle (Zeichnung nach einem Foto!)  
   


Literatur:
KULLANDER, S. O. (1982): Cichlid Fishes from the La Plata Basin, Pt. IV. Review of the Apistogramma Species, with description of New Species (Teleostei, Cichlidae). Zool. Scripta 11 (4): 307-313.
STAECK, W., & H. LINKE (2006): Amerikanische Cichliden I. Kleine Buntbarsche. 8. Auflg., Tetra Verlag, Velten.
STAECK, W. (2008): Apistogramma trifasciata – ein Zwergbuntbarsch aus dem südlichen Südamerika. Aquanet – Magazin
STAECK, W. (2008): Zur Variabilität von Apistogramma trifasciata. DCG-Informationen, Sonderheft 5, 11 - 18
VIERKE, J. (1976): Zwerg unter Zwergen, Beobachtungen an Apistogramma trifasciatum. Aquarien-Magazin, 298 - 301
VIERKE, J. (1987): Zwergcichliden. Albrecht Philler Verlag, Minden.

© Dr. Jörg Vierke