Fischverhalten beobachten und verstehen
 
 SUCHE:
 

Besucherzähler


»» Apistogramma regani

Apistogramma_regani_1.jpg
Nach dem Ablaichen verläßt das Apistogramma regani-Männchen die Bruthöhle
Apistogramma_regani_2.jpg
Das Weibchen sieht in dieser Phase kaum anders aus. Hier steht es über der Höhle
Apistogramma_regani_3.jpg
3 Tage später. Der Stein wurde aufgestellt. Die ersten Larven sind schon geschlüpft
Apistogramma_regani_4.jpg
Das Weibchen fächelt dem Gelege Frischwasser zu.
Apistogramma_regani_5.jpg
Stets ist die Mutter bereit, die Brut zu verteidigen
Apistogramma_regani_6.jpg
Jetzt hat auch das Männchen seine Brutpflegefärbung angelegt

Etliche Zwergbuntbarsche zeigen in der Schreckfärbung mehr oder weniger deutliche Querstreifen. Für den Zebra-Zwergbuntbarsch (Apistogramma regani) ist es aber charakteristisch, dass er dieses Muster auch dann trägt, wenn er sich augenscheinlich allerbestens fühlt.

Quergestreiftes: Zebra-Zwergbuntbarsche

©  Dr. Jörg Vierke

Häufig sieht man sie nicht. Nur bei echten Zwergcichliden-Fans kann man sie gelegentlich entdecken: Wenige Zentimeter große Buntbarsche, die zwar nicht bunt sind, aber dennoch durch ein bezeichnendes Querstreifen-Muster auffallen: Zebra- Zwergbuntbarsche. Im Jahre 1980 wurde die Art wissenschaftlich beschrieben. Allerdings entdeckte dabei Kullander, der Erstbeschreiber, dass dieses Fischchen schon verschiedentlich Wissenschaftlern unter die Lupe gekommen ist. Haseman identifizierte es 1911 irrtümlich als Apistogramma ortmanni, und Hermann Meinken hielt es 1971 gar für Apistogramma borellii. Zu seiner Ehrenrettung sei aber hinzugefügt, dass dieser Irrtum aus seiner Sicht verständlich war: Er verstand damals unter "borellii" den uns jetzt als Apistogramma cacatuoides bekannten Zwergbuntbarsch, und eines seiner auffallendsten Kennzeichen sind die 2 bis 3 schmalen Unterkörperstriche. Gerade diese Unterkörperstriche kann man gelegentlich auch bei Apistogramma regani sehen (vgl. die Abbildung oben rechts!). Allerdings fällt es schwer, sonst weitere Gemeinsamkeiten bei diesen beiden Arten zu finden.

Die typischen Merkmale

Am besten erkennt man die Art ganz sicher an ihrem Zebrakleid. Sieben breite dunkle Streifen, die nur von schmalen hellen Zwischenräumen getrennt werden, überziehen den Körper der Tiere. Dabei sind die durch die Augen gehenden Stirn- und Wangenbänder sowie der Schwanzwurzelfleck noch nicht mitgezählt. Diese Zeichnung tritt regelmäßig in beiden Geschlechtern auf. Eine ähnliche Zeichnung beobachtet man gelegentlich aber auch bei anderen Zwergbuntbarschen, so bei Apistogramma ortmanni. Dieser Fisch kommt aber nicht wie der regani aus dem Amazonasgebiet, sondern aus Britisch-Guayana und Venezuela. Die Art ist schlanker gebaut, und hat eine weit ausgeprägtere Kiemendeckel-Zeichnung als der regani.

Zur eindeutigeren Identifizierung des regani orientiert man sich am Schwanzwurzelfleck. Er ist regelmäßig zu sehen und durch seine Form sehr typisch. Er ist etwa 2-3mal höher als breit und reicht wie eine Binde fast über die ganze Höhe der Schwanzwurzel. Auch ist er immer durch eine helle Zone von der übrigen Körperzeichnung getrennt.

Der Körper der relativ kompakt gebauten Zwergbuntbarsche ist in der Regel zebraartig gestreift. Allerdings können sich die Querstreifen gelegentlich so weit auflösen, dass nur noch ein fleckenartiger Körperlängsstreifen übrig bleibt. Zeitweise verbinden sich diese Flecken zu einem einheitlichen Längsstreifen, der aber immer etwa zwei Schuppenreihen vor dem Schwanzwurzelfleck endet. Manchmal erkennt man kurz vor dem Ansatz der Afterflosse einen kleinen Analfleck. Weitere typische Artkennzeichen sind 4-9 feine Querbänder in der Schwanzflosse, die im Übrigen in beiden Geschlechtern rund ist.

Wie die Fotos zeigen, legen die Fische während der Brutpflege die zebraartige Querstreifung völlig ab. Sie zeigen dann einen unterbrochenen Längsstreifen. Das gilt sowohl für die brutpflegenden Weibchen als auch für die Männchen.

Die Geschlechter sind nur schwer auszumachen, denn auch in der Beflossung gibt es kaum Unterschiede. Lediglich die hintere Kontur der Rücken- und Afterflossen geben Hinweise. Sie sind bei erwachsenen Männchen etwas zugespitzt, bei den Weibchen bleiben sie eher abgerundet. Deutlichster Geschlechtsunterschied ist die Größe: Ausgewachsene Männchen erreichen Gesamtlängen von fast 7 cm, die Weibchen dagegen nur etwa 4,5 cm.

Zebra-Zwergbuntbarsche sind aus der unmittelbaren Umgebung von Manaus bekannt, so beispielsweise aus dem "Lago Redondo", einem Weißwassersee etwa 25 km südwestlich der Stadt. Man fand das Fischchen aber auch in der Umgebung von Manaus im Bereich des mittleren Amazonas und am Rio Negro.

Erfahrungen bei der Pflege und Zucht

Unter den Apistogramma-Arten gibt es recht einfach zu haltende Fische, aber auch ausgesprochen problematische. Um es vorweg zu nehmen, die Zebra-Zwergbuntbarsche stellen keine sehr hohen Anforderungen an den Pfleger! Ich will hier daher auch keine allgemeine Diskussion über generelle Erfahrungen führen. Lieber beschreibe ich hier, was ich speziell mit meinen Fischen erfahren habe. In mittelhartem Wasser (120 dGH) bei einem pH-Wert von 6,9 waren die Fische am Fortpflanzen nicht mehr zu hindern!

Ich hielt die regani zusammen mit vier Tieren einer weiteren kleinwüchsigen Art und einem Paar der vergleichsweise kräftigen Apistogramma hippolytae in einem gut mit Höhlen ausgestatteten und dicht bepflanzten 100-Liter-Aquarium. Alle Fische stammten offenbar aus dem gleichen Import aus Manaus, zu dem auch einige der kleinen Zwergpanzerwelse Aspidoras pauciradiatus gehörten. Das Wasser war mittelhart (12° dGH) und der pH-Wert lag bei 6,9. Das entsprach den Werten, bei denen die Fische beim Händler gehalten wurden. Ich hatte vor, sie langsam an extremere, sprich weichere und saurere Werte anzupassen, doch kam ich gar nicht dazu. Schon nach wenigen Tagen hatten die kleinen regani sich ein Revier geschaffen, das gut die Hälfte des Beckens ausmachte. Mit dem Kopf schräg nach unten zeigend, die Flossen weit abgespreizt und immer kräftig gestreift, trieben sie unnachsichtig jeden anderen Cichliden aus ihrer Hälfte. Auch das große und weit stämmiger gebaute hippolytae-Männchen hatte gegen den Eifer der Zebras keine Chance. Lediglich die Zwerg-Panzerwelse wurden nicht sonderlich beachtet.

Schon bald begann das Weibchen, mehr und mehr Sand unter einer schräg liegenden Schieferplatte herauszubaggern. Es ist für Apistogramma-Arten typisch, dass sie gerade dort ihre Kinderstube anlegen, wo man weder mit dem Auge noch mit der Fotolinse hinreicht. Das regani-Weibchen schien es in dieser Hinsicht besonders ernst zu nehmen. Das Ablaichen geht bei den Apistogramma-Arten meist recht schnell, da die Gelege oft nicht sonderlich groß sind. So verpasste ich bei regani immer wieder den eigentlichen Laichvorgang. Da ich aber doch zumindest das Gelege sehen und fotografieren wollte, nahm ich die Schieferplatte und stellte sie schräg in die Lage, die die Bilder zeigen. Wie man sieht, hat sich das Weibchen durch meine Manipulation nicht lange aus der Ruhe bringen lassen. Es pflegte den Laich weiter, als sei nichts geschehen. Das Männchen war zu dieser Zeit nicht mehr in der unmittelbaren Umgebung der Höhle. Es war stattdessen aber heftig bemüht, niemanden in das Revier eindringen zu lassen. Ich kann ihm bestätigen, dass es diese Vaterpflichten so gut erfüllt hat, dass die zur anderen kleinen Apistogramma-Art gehörenden Tiere sich nicht mehr aus ihren Verstecken hervorwagten. Selbst das große hippolytae-Männchen fühlte sich in seiner "Ecke“ oft nicht mehr wohl!

Das Gelege war mit etwa 30 Eiern nur sehr klein. Auch bei weiteren Bruten blieb es bei geringen Eizahlen. Eifrig pflegte die Mutter die Eier, säuberte sie durch Ablutschen, fächelte ihnen Frischwasser zu und half immer wieder dem Männchen an den Reviergrenzen. Interessanterweise konnte ich nie Aggressionen größeren Ausmaßes zwischen den Partnern beobachten.

Die geschlüpften Jungen werden zunächst am Boden der Höhle in einer Grube gelagert. Nach dem Freischwimmen führte sie die Mutter durch alle Regionen ihres Territoriums. Von Anfang an nahmen die Kleinen frisch geschlüpfte Artemien, aber offenbar bot das alteingerichtete Aquarium der nur kleinen Schar auch sonst allerhand Fressbares. Gelegentlich übernahm auch der Vater die Kinderschar, in der Regel aber blieb er bei seiner Aufgabe, die anderen Fische von der Brut fernzuhalten. Gegen Abend führte die Mutter die Jungen wieder in die Höhle zurück, in der die Brut die Nacht zubrachte.

Fazit

Die Haltung, die Zucht und die Aufzucht dieser kleinen Zwergbuntbarsche ist alles andere als problematisch. Wer Apistogramma regani im Zoofachhandel sieht, kann also ohne Bedenken zugreifen. Sicher eignen sich die Fische auch für das mit kleineren Salmlern bevölkerte Gesellschaftsaquarium. Selbst was die Futteransprüche betrifft, sind die regani genügsam. Auch Kunstfutter haben sie bei mir nach einiger Zeit des Eingewöhnens genommen. Allerdings glaube ich nicht, dass man bei ihnen auf die Dauer ganz ohne Lebendfutter auskommen kann. Zur Zucht sollte man die regani auf jeden Fall gut mit Tümpelfutter anfüttern. Ich habe sie bevorzugt mit den Larven der Büschelmücke, den sogenannten Weißen Mückenlarven, verköstigt.

©  Dr. Jörg Vierke


Weiteres für Apistogramma-Freunde in Fischreisen.de:

Apistogramma agassizii  >>>

Apistogramma resticulosa >>>

Apistogramma cacatuoides >>>

Apistogramma hongsloi >>>

Apistogramma rubrolineata (Film, unten auf der Seite!)  >>>

Apistogramma borellii (Laichserie, unten auf der Seite!)  >>>

Apistogrammoides pucallpaensis  >>>

 

nächste Seite: Die 10 bedeutendsten Brutpflegestrategien bei Labyrinthfischen  >>>