Vermutlich ist Ihnen etliches auf dieser Seite durchaus bekannt – aber ich wette: Jeder wird noch Neues finden!
Fischküsse und Schmecken auf Distanz
Dass die Barteln der Welse als Schmeckorgane dienen, ist weithin bekannt. So können Welse auch nachts unschwer Futter ertasten und erschmecken. Welchen Sinn aber haben die fadenartig verlängerten Bauchflossen der Fadenfische?
Man fand heraus, dass auch die Fäden der Fadenfische (Colisa und Trichogaster) mit Schmeckzellen besetzt sind. Andererseits kann sich jeder Aquarianer davon überzeugen, dass sich Fadenfische das Futter nicht ertasten oder erschmecken! Aber wenn sich Fadenfische unsicher fühlen, dann tasten sie einander ab - ganz offensichtlich erschmecken sie bei diesen Gelegenheit die Stimmungen ihres Gegenüber! Kurz vor der Paarung "umarmen" sich die Colisa fasciata und es gibt Küsschen für das Männchen!
Wenn Sie das alles "live" sehen wollen - und noch mehr - schauen Sie sich meinen Film an (6:58 min):
Koloniebrütende Buntbarsche
Einige Vogelarten bewohnen Höhlen in Steilwänden in denen sie in der Gemeinschaft von Artgenossen ihre Brut aufziehen (z. B. Bienenfresser und Uferschwalben). Entsprechendes gibt es auch unter Cichliden.
Im Crique Grand Laussat in Französisch Guayana konnte ich eine Brutkolonie von Sattelfleck Buntbarschen Guianacara owroewefi beobachten und filmen. Die Höhlen waren in den lehmigen Boden eines fast senkrechten Prallhangs nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche gebaut. Die Bruthöhlen waren nebeneinander, jeweils etwa im Abstand von 20 cm.
Die Fotos zeigen ein brutpflegendes Weibchen vor seiner Höhle bzw. beim Verlassen der Höhle. Beim rechten Bild erkennt man deutlich, dass der Fisch kräftig gefärbte Lippen hat. Bei den Männchen und bei nicht jungeführenden Weibchen sind die Lippen nicht verfärbt.
Hier der Film:
Ein maulbrütender Apistogramma
Da waren alle Spezialisten überrascht und konnten es zunächst nicht glauben. Die südamerikanische Zwergbuntbarsch-Gattung Apistogramma hat ein eigentlich sehr berechenbares Brutpflege-Verhalten. Die Fische sind Höhlenbrüter und die Brutpflege wird in erster Linie von den Müttern übernommen. Vor wenigen Jahren wurde ein bisher noch unbeschriebener Apistogramma beobachtet, der eine regelrechte Maulbrutpflege treibt. Man nennt diese bisher wissenschaftlich noch nicht beschriebene Art folgerichtig "Apistogramma sp. Maulbrüter" oder Maulbrut-Apistogramma.
Die Maulbrutpflege kann man in der Regel bei den Müttern beobachten, man hat aber auch schon den Vater bei dieser Tätigkeit beobachtet. Das Foto rechts zeigt ein Männchen dieser aus Peru stammenden Art.
Wenn die Männer Kinder gebären
Das Brutpflegeverhalten der Seepferdchen ist hochentwickelt und sehr interessant. Die Seepferdchen-Weibchen legen ihre Eier in einem Brutbeutel des Männchens ab! Ein Känguru unter den Fischen! Die sehr dotterreichen Eier und die sich daraus entwickelnden Larven bleiben mehrere Wochen im Brutbeutel ihres Vaters. Das Brutorgan bietet den Eiern und Larven nicht nur Schutz, sondern ermöglicht durch sein reiches Gefäßnetz auch den respiratorischen Gasaustausch der Jungen und vielleicht sogar ihre Versorgung mit Nährstoffen, wenn ihr Dottersack aufgebraucht ist. Wenn sie selbständig sind, werden sie in regelrechten Wehen vom Vater "geboren". Interessanterweise kann man den Geburtsvorgang bei diesen Fischen mit exakt demselben Medikament auslösen wie beim Menschen!
Fische im Schlafrock
Papageifische (Scaridae) sind eng mit den Lippfischen verwandt. Mit ihrem papageischnabelähnlichen Gebiss schaben sie ganze Korallenzweige vom Untergrund ab. Das wieder abgegebene Gesteinsmehl ist beim Aufbau der Sandstrände an tropischen Küsten von Bedeutung.
Übrigens: Die oft vorgetragene Sorge, der Klimawandel und der damit zusammenhängende Anstieg des Meeresspiegel würde die Malediven und andere "Korallen-Staaten" auslöschen, ist unbegründet. Korallen wachsen ausreichend schnell in die Höhe, sollte der Meeresspiegel wirklich stark ansteigen. Unsere Korallenfische und die Menschen, die auf diesen Inseln leben, werden also ganz sicher nicht heimatlos!
Viele Papageifische zwängen sich nachts in Felsspalten um dort ungestört zu schlafen. Viele scheiden auch rund um ihren Körper einen Schleimkokon ab. In diesem „Schlafanzug“ sind sie vor nächtlich jagenden Räubern (z. B. Muränen) weitgehend sicher. Fest in ihre Hülle eingeschlossen verraten sie sich nicht, denn ihre Duftstoffe können nicht nach außen dringen!
Einige Fischarten zeigen in der Nacht eine völlig andere Färbung als tagsüber. Ein Beispiel sind die links abgebildeten Zwergziersalmler Nannostomus marginatus. Oben ein Zwergziersalmler in der Tagesfärbung, unten in der Nachtfärbung. - Übrigens: alle Ziersalmler zeigen eine entsprechende Umfärbung, die von Art zu Art unterschiedlich aussieht.
Wie man sieht, ruht dieser Salmler nachts direkt auf dem Boden. Das ist allerdings auch für diese Art nicht unbedingt typisch - und zumindest im Freiwasser nicht ungefährlich! Welse und andere Grundfische sind dann beutesuchend unterwegs. Sicherer ist es für die Fische, nachts im freien Wasser zu stehen oder zwischen Pflanzen zu ruhen.
Küssende Fische
Dass Fadenfisch-Weibchen Colisa fasciata unbestreitbar ihre Partner kurz vor der Paarung intensiv küssen, zeigte der Film oben auf dieser Seite!
Häufiger sieht man Küssende Guramis (Helostoma temminckii) bei dieser Tätigkeit. Oft stehen sich diese Labyrinthfische gegenüber, schwimmen aufeinander zu und pressen ihre wulstigen Lippen aufeinander. Was wie Küssen aussieht sind aber eigentlich Maulkämpfe! So etwas sieht man auch bei anderen Fischen, z. B. bei vielen Buntbarschen.
Luxurierende Bastarde
Artfremde Fische sollten sich nicht verpaaren. Das ist kein moralischer Grundsatz sondern eine naturgegebene Vorgabe. Die Art-Mischlinge (Biologen dürfen auch ohne zu diskriminieren von Art-Bastarden sprechen!) sind in aller Regel unfruchtbar und das wäre im biologischen Sinne eine Sackgasse! Daher sorgen vor allem bestimmte Balzrituale dafür, dass keine artfremden Partner zur Fortpflanzung kommen.
Was aber, wenn doch? Speziell unter Aquarienverhältnissen kann man das erreichen. Die Bastarde sind in den meisten Fällen steril – aber sie zeigen oft einen Heterosis-Effekt: Merkmale beider Eltern sind jeweils verstärkt. Sie werden größer als jede ihrer Herkunftsarten oder sie zeigen gesteigerte Leistungen. Ein Beispiel für das sogenannte „Luxurieren der Bastarde“ zeigen Colisa lalia x labiosa Mischlinge. Wenn sie nach Beute spucken, erreichen sie größere Spuckhöhen und schnellere Frequenzen als die jeweiligen Eltern-Arten. – Nur als Anmerkung: In der professionellen Tierzucht (Haushühner!) macht man sich das routinemäßig zunutze.
Blinde Höhlensalmler sind nicht (völlig) blind
Erst 1936 wurde in Zentralmexiko bei Ciudad Valles in dem Kalkstein-Höhlensystem Cueva Chica der Blinde Höhlensalmler (Astyanax jordani) entdeckt. Bei diesem Fisch sind durch die ewige Finsternis der Höhlen die Augen evolutiv verkümmert, die Hautpigmente fehlen. Das durchscheinende Blut läßt den Fisch etwas rosa und irgendwie nackt erscheinen. Diese Salmler-Art leitet sich von der pigmentierten und sehtüchtigen Art Astyanax fasciatus ab (von vielen Autoren wird sie auch als eine Unterart von A. fasciatus angesehen).
Die Jungfische haben in den ersten Tagen noch voll funktionstüchtige Augen. Erst mit zunehmendem Alter werden die Augen zurückgebildet. Trotz ihrer vollständig zugewachsenen Augen können jedoch auch die erwachsenen Fische noch etwas Licht wahrnehmen.
Daher fühlen sich Blinde Höhlensalmler unter den üblichen Aquarienbedingungen nicht wohl. Zum vollen Wohlbefinden brauchen sie Dämmerlicht - dies wiederum schließt eine Bepflanzung des Beckens aus. Das Aquarium braucht aber dennoch nicht kahl auszusehen: Aus bizarr geformtem Kalkgestein läßt sich ihr Höhlenbiotop vorzüglich nachbilden. Wenn wir entsprechendes Gestein finden, können wir das Dämmerlicht durch überhängende Decken noch zusätzlich reduzieren.
Brutparasiten: Kuckuckswelse
Viele Jahre lang erschien es unmöglich, bestimmte Welse aus der Gattung Synodontis zu züchten. Bis man schließlich auf des Rätsels Lösung kam. Die Welse brauchen maulbrütende Buntbarsche als Ammen für ihre Brut. Beim Ablaichen der Buntbarsche unterschieben die Welse den Cichliden ihren eigenen Laich. Im Maul ihrer Stiefmutter machen sich die kleinen Welse sofort nach dem Schlupf über ihre Stiefgeschwister her um sie zu verspeisen. Das Ergebnis: eines Tages entlässt die Buntbarschmutter einen ganzen Schwung kleiner Welse aus ihrem Maul!
Bekanntlich erkennen junge Buntbarsche ihre Eltern an Merkmalen, die sie „von Geburt an“ kennen – besondere Farbmuster oder andere optische Signale. Wie aber erkennen die Buntbarsch-Eltern ihre Brut? Ganz offensichtlich auch an optischen Signalen, zusätzlich aber zweifellos auch am Geschmack. Das erstaunt nicht, denn schließlich nehmen nicht nur die Maulbrüter unter ihnen ihre Brut wieder und wieder bei der Pflege ins Maul!
Mir ist nicht bekannt, ob in dieser Hinsicht schon systematische Versuche angestellt wurden. Das ist zweifelsfrei schwieriger als Versuche mit optischen Merkmalen. Aber Einzelbeobachtungen lassen keine andere Erklärung zu. Ich selbst machte entsprechende Beobachtungen mit brutpflegenden Segelflossern (Pterophyllum scalare) und beim afrikanischen Maulbrüter Astatotilapia burtoni.
Zu entsprechenden Erfahrungen mit dem Blaumaul-Maulbrüter Astatotilapia burtoni mehr bei 8. Brutpflege
Fische mit vier Augen
Vieraugen (Anableps anableps) schwimmen fast immer direkt am Wasserspiegel. Eigentlich haben sie nur zwei Augen. Diese sind aber unterteilt in jeweils einen Augenteil, mit dem der Fisch außerhalb des Wassers scharf sehen kann und eine untere Augenpartie, die darauf eingerichtet ist, dass die Tiere im Wasser scharf sehen können.
Wie bei den Lebendgebärenden Zahnkarpfen haben die Männchen der Vieraugen ein Gonopodium (Begattungsorgan), womit eine innere Befruchtung möglich wird. Hier gibt es jedoch eine erstaunliche Spezialisierung: einige Männchen können ihr Gonopodium nur nach links bewegen, andere nur nach rechts. Die „linksdrehenden“ Männchen müssen also zur Befruchtung rechts an das Weibchen heranschwimmen. Das funktioniert aber nur dann erfolgreich, wenn dieses Weibchen eine nach rechts gerichtete Geschlechtsöffnung besitzt! Weibchen mit einer nach links ausgerichteten Geschlechtsöffnung können nur durch die entsprechend gebauten Männchen befruchtet werden!
Flugbarben (Esomus) fliegen wirklich!
Dass es Fliegende Fische im Meer gibt, weiß jedes Kind. Die Flugfische (Exocoetidae) nehmen mit kräftigen Schwanzflossenschlägen Geschwindigkeit auf und gleiten dann mehrere Meter hoch über die Wellen. Ein unvergesslicher Anblick, diese Segelflieger!
Dass auch die südamerikanischen Beilbauchfische (Gasteropelecidae) fliegen, weiß fast jeder Aquarianer. Sie schlagen dazu schnell mit ihren Brustflossen – man könnte sie also die „Motorflieger“ unter den Fischen nennen!
Dass die Flugbarben (Esomus) aus dem tropischen Asien fliegen, sollte eigentlich jedes Kind wissen, denn der Name sagt es bereits! Tatsächlich aber weiß das kaum ein Aquarianer und auch kein Wissenschaftler (oder?). Man liest über sie nur, dass sie ausgezeichnet springen! Sie sind jedoch richtige Flieger, sogar Motorflieger! Ich musste das zu meiner Überraschung erleben. Als ich während einer Fangreise im Süden Thailands eine Flugbarbe am Schwanz hochhielt um sie kopfüber in das Tötungsglas zu verfrachten (Verzeihung, bei Sammelreisen muss das manchmal sein!), schlug der Fisch brummend mit den Flügeln – pardon, den Brustflossen. Es klang wie ein Gummimotor. Ich ließ den Fisch vor Schreck los und er flog in hohem Bogen davon!