Wissenswertes aus der Welt der Fische
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© Dr. Jörg Vierke
Vermutlich ist Ihnen etliches auf dieser Seite durchaus bekannt – aber ich wette: Jeder wird noch Neues finden!
Fischküsse und Schmecken auf Distanz
Dass die Barteln der Welse als Schmeckorgane dienen, ist weithin
bekannt. So können Welse auch nachts unschwer Futter ertasten und
erschmecken. Welchen Sinn aber haben die fadenartig verlängerten
Bauchflossen der Fadenfische?
Man fand heraus, dass auch die Fäden der Fadenfische (Colisa und Trichogaster)
mit Schmeckzellen besetzt sind. Andererseits kann sich jeder Aquarianer
davon überzeugen, dass sich Fadenfische das Futter nicht ertasten oder
erschmecken! Aber wenn sich Fadenfische unsicher fühlen, dann tasten
sie einander ab - ganz offensichtlich erschmecken sie bei diesen
Gelegenheit die Stimmungen ihres Gegenüber! Wenn Sie das alles "live" sehen wollen - und noch mehr - schauen Sie sich meinen Film an (4 min):

Koloniebrütende Buntbarsche
Einige
Vogelarten bewohnen Höhlen in Steilwänden in denen sie in der
Gemeinschaft von Artgenossen ihre Brut aufziehen (z. B. Bienenfresser
und Uferschwalben). Entsprechendes gibt es auch unter Cichliden.
Im Crique Grand Laussat in Französisch Guayana konnte ich eine Brutkolonie von Sattelfleck Buntbarschen Guianacara owroewefi
beobachten und filmen. Die Höhlen waren in den lehmigen Boden eines
fast senkrechten Prallhangs nur wenige Zentimeter unter der
Wasseroberfläche gebaut. Die Bruthöhlen waren nebeneinander, jeweils
etwa im Abstand von 20 cm.
Die Fotos zeigen ein brutpflegendes Weibchen vor seiner Höhle bzw. beim
Verlassen der Höhle. Beim rechten Bild erkennt man deutlich, dass der
Fisch kräftig gefärbte Lippen hat. Bei den Männchen und bei nicht
jungeführenden Weibchen sind die Lippen nicht verfärbt. Der Film kann auf meiner zweiten Webseite "Fischreisen.de" gesehen werden. >>>
Ein maulbrütender Apistogramma Da waren alle Spezialisten überrascht und konnten es zunächst nicht glauben. Die südamerikanische Zwergbuntbarsch-Gattung Apistogramma hat
ein eigentlich sehr berechenbares Brutpflege-Verhalten. Die Fische sind
Höhlenbrüter und die Brutpflege wird in erster Linie von den Müttern
übernommen. Vor wenigen Jahren wurde ein bisher noch unbeschriebener
Apistogramma beobachtet, der eine regelrechte Maulbrutpflege treibt.
Man nennt diese bisher wissenschaftlich noch nicht beschriebene Art
folgerichtig "Apistogramma sp. Maulbrüter" oder Maulbrut-Apistogramma. Die
Maulbrutpflege kann man in der Regel bei den Müttern beobachten, man
hat aber auch schon den Vater bei dieser Tätigkeit beobachtet. Das Foto
rechts zeigt ein Männchen dieser aus Peru stammenden Art.

Wenn die Männer Kinder gebären
Das
Brutpflegeverhalten der Seepferdchen ist hochentwickelt und sehr
interessant. Die Seepferdchen-Weibchen legen ihre Eier in einem
Brutbeutel des Männchens ab! Ein Känguru unter den Fischen! Die sehr
dotterreichen Eier und die sich daraus entwickelnden Larven bleiben
mehrere Wochen im Brutbeutel ihres Vaters. Das Brutorgan bietet den
Eiern und Larven nicht nur Schutz, sondern ermöglicht durch sein
reiches Gefäßnetz auch den respiratorischen Gasaustausch der Jungen und
vielleicht sogar ihre Versorgung mit Nährstoffen, wenn ihr Dottersack
aufgebraucht ist. Wenn sie selbständig sind, werden sie in regelrechten
Wehen vom Vater "geboren". Interessanterweise kann man den
Geburtsvorgang bei diesen Fischen mit exakt demselben Medikament
auslösen wie beim Menschen!
Fische im Schlafrock
Papageifische
(Scaridae) sind eng mit den Lippfischen verwandt. Mit ihrem
papageischnabelähnlichen Gebiss schaben sie ganze Korallenzweige vom
Untergrund ab. Das wieder abgegebene Gesteinsmehl ist beim Aufbau der
Sandstrände an tropischen Küsten von Bedeutung.
Übrigens:
Die oft vorgetragene Sorge, der Klimawandel und der damit
zusammenhängende Anstieg des Meeresspiegel würde die Malediven und
andere "Korallen-Staaten" auslöschen, ist unbegründet. Korallen wachsen
ausreichend schnell in die Höhe, sollte der Meeresspiegel wirklich
stark ansteigen. Unsere Korallenfische und die Menschen, die auf diesen
Inseln leben, werden also ganz sicher nicht heimatlos!
Viele
Papageifische zwängen sich nachts in Felsspalten um dort ungestört zu schlafen.
Viele scheiden auch rund um ihren Körper einen Schleimkokon ab. In diesem
„Schlafanzug“ sind sie vor nächtlich jagenden Räubern (z. B. Muränen) weitgehend
sicher. Fest in ihre Hülle eingeschlossen verraten sie sich nicht, denn ihre
Duftstoffe können nicht nach außen dringen!
Einige Fischarten
zeigen in der Nacht eine völlig andere Färbung als tagsüber. Ein Beispiel sind
die rechts abgebildeten Zwergziersalmler Nannostomus marginatus. Oben
ein Zwergziersalmler in der Tagesfärbung, unten in der Nachtfärbung. - Übrigens:
alle Ziersalmler zeigen eine entsprechende Umfärbung, die von Art zu Art
unterschiedlich aussieht.
Wie man sieht,
ruht dieser Salmler nachts direkt auf dem Boden. Das ist allerdings auch für
diese Art nicht unbedingt typisch - und zumindest im Freiwasser nicht
ungefährlich! Welse und andere Grundfische sind dann beutesuchend unterwegs.
Sicherer ist es für die Fische, nachts im freien Wasser zu stehen oder zwischen
Pflanzen zu ruhen.

Küssende Fische
Dass Fadenfisch-Weibchen Colisa fasciata unbestreitbar ihre Partner kurz vor der Paarung intensiv küssen, zeigte der Film oben auf dieser Seite! Häufiger sieht man Küssende Guramis (Helostoma temminckii)
bei dieser Tätigkeit. Oft stehen sich diese Labyrinthfische gegenüber,
schwimmen aufeinander zu und pressen ihre wulstigen Lippen aufeinander.
Was wie Küssen aussieht sind aber eigentlich Maulkämpfe! So etwas sieht
man auch bei anderen Fischen, z. B. bei vielen Buntbarschen.
Luxurierende Bastarde
Artfremde
Fische sollten sich nicht verpaaren. Das ist kein moralischer Grundsatz
sondern eine naturgegebene Vorgabe. Die Art-Mischlinge (Biologen dürfen
auch ohne zu diskriminieren von Art-Bastarden sprechen!) sind in aller
Regel unfruchtbar und das wäre im biologischen Sinne eine Sackgasse!
Daher sorgen vor allem bestimmte Balzrituale dafür, dass keine
artfremden Partner zur Fortpflanzung kommen.
Was aber,
wenn doch? Speziell unter Aquarienverhältnissen kann man das erreichen.
Die Bastarde sind steril – klar, aber sie zeigen oft einen
Heterosis-Effekt: Merkmale beider Eltern sind jeweils verstärkt. Sie
werden größer als jede ihrer Herkunftsarten oder sie zeigen gesteigerte
Leistungen. Ein Beispiel für das sogenannte „Luxurieren der Bastarde“
zeigen Colisa lalia x labiosa Mischlinge. Wenn sie nach Beute
spucken, erreichen sie größere Spuckhöhen und schnellere Frequenzen als
die jeweiligen Eltern-Arten. – Nur als Anmerkung: In der
professionellen Tierzucht (Haushühner!) macht man sich das routinemäßig
zunutze.
Blinde Höhlensalmler sind nicht (völlig) blind

Erst 1936 wurde in Zentralmexiko bei Ciudad Valles in dem Kalkstein-Höhlensystem Cueva Chica der Blinde Höhlensalmler (Anoptichthys jordani) entdeckt.
Bei diesem Fisch sind durch die ewige Finsternis der Höhlen die Augen
evolutiv verkümmert, die Hautpigmente fehlen. Das durchscheinende Blut
läßt den Fisch etwas rosa und irgendwie nackt erscheinen. Diese
Salmler-Art leitet sich von der pigmentierten und sehtüchtigen Art Astyanax fasciatus ab (von vielen Autoren wird sie auch als eine Unterart von A. fasciatus angesehen).
Die
Jungfische haben in den ersten Tagen noch voll funktionstüchtige Augen.
Erst mit zunehmendem Alter werden die Augen zurückgebildet. Trotz
ihrer vollständig zugewachsenen Augen können jedoch auch die
erwachsenen Fische noch etwas Licht wahrnehmen.
Daher fühlen
sich Blinde Höhlensalmler unter den üblichen Aquarienbedingungen nicht
wohl. Zum vollen Wohlbefinden brauchen sie Dämmerlicht - dies wiederum
schließt eine Bepflanzung des Beckens aus. Das Aquarium braucht aber
dennoch nicht kahl auszusehen: Aus bizarr geformtem Kalkgestein läßt
sich ihr Höhlenbiotop vorzüglich nachbilden. Wenn wir entsprechendes
Gestein finden, können wir das Dämmerlicht durch überhängende Decken noch zusätzlich reduzieren.
Brutparasiten: Kuckuckswelse
Viele Jahre lang erschien es unmöglich, bestimmte Welse aus der Gattung Synodontis zu
züchten. Bis man schließlich auf des Rätsels Lösung kam. Die Welse
brauchen maulbrütende Buntbarsche als Ammen für ihre Brut. Beim
Ablaichen der Buntbarsche unterschieben die Welse den Cichliden ihren
eigenen Laich. Im Maul ihrer Stiefmutter machen sich die kleinen Welse
sofort nach dem Schlupf über ihre Stiefgeschwister her um sie zu
verspeisen. Das Ergebnis: eines Tages entlässt die Buntbarschmutter
einen ganzen Schwung kleiner Welse aus ihrem Maul!
Mehr zu diesem Thema hier unter Symbiosen und Parasitismus

Fischeltern schmecken ihre Kinder
Bekanntlich
erkennen junge Buntbarsche ihre Eltern an Merkmalen, die sie „von
Geburt an“ kennen – besondere Farbmuster oder andere optische Signale.
Wie aber erkennen die Buntbarsch-Eltern ihre Brut? Ganz offensichtlich
auch an optischen Signalen, zusätzlich aber zweifellos auch am
Geschmack. Das erstaunt nicht, denn schließlich nehmen nicht nur die
Maulbrüter unter ihnen ihre Brut wieder und wieder bei der Pflege ins
Maul!
Mir ist
nicht bekannt, ob in dieser Hinsicht schon systematische Versuche
angestellt wurden. Das ist zweifelsfrei schwieriger als Versuche mit
optischen Merkmalen. Aber Einzelbeobachtungen lassen keine andere
Erklärung zu. Ich selbst machte entsprechende Beobachtungen mit
brutpflegenden Segelflossern (Pterophyllum scalare) und beim afrikanischen Maulbrüter Astatotilapia burtoni.
Zu entsprechenden Erfahrungen mit dem Blaumaul-Maulbrüter Astatotilapia burtoni mehr bei 8. Brutpflege
Fische mit vier Augen
Vieraugen (Anableps anableps)
schwimmen fast immer direkt am Wasserspiegel. Eigentlich haben sie nur
zwei Augen. Diese sind aber unterteilt in jeweils einen Augenteil, mit
dem der Fisch außerhalb des Wassers scharf sehen kann und eine untere
Augenpartie, die darauf eingerichtet ist, dass die Tiere im Wasser
scharf sehen können.
Wie bei den
Lebendgebärenden Zahnkarpfen haben die Männchen der Vieraugen ein
Gonopodium (Begattungsorgan), womit eine innere Befruchtung möglich
wird. Hier gibt es jedoch eine erstaunliche Spezialisierung: einige
Männchen können ihr Gonopodium nur nach links bewegen, andere nur nach
rechts. Die „linksdrehenden“ Männchen müssen also zur Befruchtung
rechts an das Weibchen heranschwimmen. Das funktioniert aber nur dann
erfolgreich, wenn dieses Weibchen eine nach rechts gerichtete
Geschlechtsöffnung besitzt! Weibchen mit einer nach links
ausgerichteten Geschlechtsöffnung können nur durch die entsprechend
gebauten Männchen befruchtet werden!
Flugbarben (Esomus) fliegen wirklich!
Dass es
Fliegende Fische im Meer gibt, weiß jedes Kind. Die Flugfische
(Exocoetidae) nehmen mit kräftigen Schwanzflossenschlägen
Geschwindigkeit auf und gleiten dann mehrere Meter hoch über die
Wellen. Ein unvergesslicher Anblick, diese Segelflieger!
Dass auch
die südamerikanischen Beilbauchfische (Gasteropelecidae) fliegen, weiß
fast jeder Aquarianer. Sie schlagen dazu schnell mit ihren Brustflossen
– man könnte sie also die „Motorflieger“ unter den Fischen nennen!
Dass die Flugbarben (Esomus)
aus dem tropischen Asien fliegen, sollte eigentlich jedes Kind wissen,
denn der Name sagt es bereits! Tatsächlich aber weiß das kaum ein
Aquarianer und auch kein Wissenschaftler (oder?). Man liest über sie
nur, dass sie ausgezeichnet springen! Sie sind jedoch richtige Flieger,
sogar Motorflieger! Ich musste das zu meiner Überraschung erleben. Als
ich während einer Fangreise im Süden Thailands eine Flugbarbe am
Schwanz hochhielt um sie kopfüber in das Tötungsglas zu verfrachten
(Verzeihung, bei Sammelreisen muss das manchmal sein!), schlug der
Fisch brummend mit den Flügeln – pardon, den Brustflossen. Es klang wie
ein Gummimotor. Ich ließ den Fisch vor Schreck los und er flog in hohem
Bogen davon! HTML clipboard
© Dr. Jörg Vierke
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Kampffische gehören zu den friedlichsten Fischen - jedenfalls die Maulbrüter unter ihnen.
Roter maulbrütender Zwerg-Kampffisch (Betta channoides)
Videofilm zum Ablaichverhalten dieser Kampffische aus dem Osten Borneos. Dauer: 5 min.
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